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Vergewaltigungsprozess: Küssen ist kein Freifahrtschein
Lokales 16.05.2019

Vergewaltigungsprozess: Küssen ist kein Freifahrtschein

Die mutmaßliche Tat geschah auf einem Parkplatz in der Rue de Bouillon.

Vergewaltigungsprozess: Küssen ist kein Freifahrtschein

Die mutmaßliche Tat geschah auf einem Parkplatz in der Rue de Bouillon.
Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Lokales 16.05.2019

Vergewaltigungsprozess: Küssen ist kein Freifahrtschein

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Am 28. April 2017 hatten zwei junge Discobesucher in einem Auto auf dem P&R-Parkplatz Bouillon Geschlechtsverkehr. Er sagt, es war einvernehmlich, sie spricht von Vergewaltigung.

 „Sie sagt, sie habe deutlich gemacht, dass sie nicht einverstanden sei, Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten zu haben“, zitierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft das mutmaßliche Opfer in einem Vergewaltigungsprozess vor dem hauptstädtischen Gericht. 


Lokales, Affaire, Viol, Bouillon, Chris Karaba/Luxemburger Wort
Vergewaltigungsprozess: Eine Frage der Einvernehmlichkeit
Zwei junge Menschen flirten in einer Diskothek, küssen sich und landen schließlich in einem geparkten Auto. Was dort passiert ist, wird nun vor Gericht geklärt.

Die damals 20-jährige Frau habe sich in einer Lage befunden, in der sie sich nicht habe wehren können. Und der Beschuldigte habe sich einfach über ihr fehlendes Einverständnis hinweggesetzt. Deshalb sei der Tatvorwurf der Vergewaltigung auch zurückzubehalten. 

Dass die junge Frau zunächst nach einem Discobesuch mit dem 22-jährigen Beschuldigten „geknutscht" habe und zu ihm ins Auto gestiegen sei, sei nicht als Freischein zu werten. 

Da der Angeklagte bislang noch nicht straffällig geworden sei, habe eine Ratskammer den Fall bereits im Vorfeld anstatt einer Kriminalkammer einem Strafgericht zugewiesen. Demnach betrage die Höchststrafe dann auch nur fünf anstatt zehn Jahre Haft. 

 „Die Tat ist schlimm“ 

Wegen des jungen Alters des Beschuldigten und um ihm seine berufliche und private Zukunft nicht zu verbauen, sei eine Haftstrafe von drei Jahren mit möglicher Teilbewährung tat- und schuldangebracht. „Das bedeutet allerdings nicht, dass die Tat nicht schlimm war, sie ist schlimm“, hob der Ankläger hervor. 

Die Anwältin des mutmaßlichen Opfers beantragte zudem Schadenersatz in Höhe von rund 60.000 Euro. 

Der Verteidiger des heute 24-jährigen Mannes plädierte hingegen auf Freispruch. Es gebe keine Hinweise dafür, dass der Sex nicht einvernehmlich gewesen sei und keine Beweise für eine Vergewaltigung. Er bekräftigte die Aussage seines Mandanten, dass die junge Frau lediglich während der sexuellen Handlungen in einem Auto auf dem P&R-Bouillon eine Panikattacke erlitten habe. 

Tränen zum Abschied

Bemerkenswert war zudem der Auftritt des Angeklagten zum Prozessende. Der Jurastudent, der bereits bei seiner Anhörung recht theatralisch aufgetreten war, stellte sich laut und mit großen Gesten schluchzend vor den Richter. 

Doch damit schien er sich keinen Gefallen getan zu haben, denn der Richter stellte schnell klar, dass er dies besser sein lasse. Man beurteile Fakten und nicht Tränen, deren Echtheit zumindest fraglich seien. Das Urteil in diesem Fall ergeht am 6. Juni.


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