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Vergewaltigungsprozess: Eine Frage der Einvernehmlichkeit
Lokales 2 Min. 13.05.2019

Vergewaltigungsprozess: Eine Frage der Einvernehmlichkeit

Zur mutmaßlichen Tat kam es auf dem P&R-Parkplatz in Hollerich.

Vergewaltigungsprozess: Eine Frage der Einvernehmlichkeit

Zur mutmaßlichen Tat kam es auf dem P&R-Parkplatz in Hollerich.
Foto: Chris Karaba
Lokales 2 Min. 13.05.2019

Vergewaltigungsprozess: Eine Frage der Einvernehmlichkeit

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Zwei junge Menschen flirten in einer Diskothek, küssen sich und landen schließlich in einem geparkten Auto. Was dort passiert ist, wird nun vor Gericht geklärt.

An der Frage der Einvernehmlichkeit scheiden sich in Vergewaltigungsprozessen prinzipiell die Geister – und oftmals auch daran, ab wann diese nicht mehr gegeben ist. So auch in einem Verfahren, das am Montag vor dem hauptstädtischen Strafgericht begann.

Ein junger Mann, zur Tatzeit 24 Jahre alt, lernt Ende April 2017 in einer Diskothek in der Rue de Bouillon eine damals 20-jährige Frau kennen. Beide sind angetrunken, flirten und küssen sich.

Irgendwann sagt er, er wolle Zigaretten aus dem Auto auf dem nahe gelegenen Park & Ride-Parkplatz holen. Sie folgt ihm – widerwillig aber trotzdem, wie sie im Prozess betont.

Am Auto angelangt, setzen sie sich hinein, küssen sich weiter. Bis dahin ist die Einvernehmlichkeit ihrer Handlungen unbestritten. Ab diesem Zeitpunkt gehen die Darstellungen in den entscheidenden Fragen auseinander.

„Ich habe Nein gesagt“

Sie sagt, er habe das Auto verriegelt, sie aufgefordert, ihm ihr Handy zu geben und dieses auf den Vordersitz geworfen. Dann habe er sie mit einem Ruck entkleidet und anschließend penetriert.

Sie habe mehrfach klargemacht, dass sie das so nicht wolle. Sie habe sich aber nicht wehren können, die Tür habe sich nicht öffnen lassen, als sie an der Klinke gezogen habe. Erst als sie weinte, habe er von ihr abgelassen.

Er bestreitet diesen Sachverhalt. Alles sei einvernehmlich gewesen, er behutsam und einfühlsam. Er habe aufgehört, als er gemerkt habe, dass etwas nicht in Ordnung war – sich dann um Verständnis bemüht. Sie habe ihm erklärt, sie habe eine Panikattacke erlitten.

Toni, Timo oder ganz anders

Sie bestätigt dies im Prozess, tatsächlich habe sie aber Angst um ihr Leben gehabt. Der junge Mann, der sich ihr zunächst als Toni vorstellte, sich dann Timo nannte und tatsächlich ganz anders heißt, habe sie nicht gehen lassen. Als sie danach dessen Begleiter beim Auto sah, sei sie gerannt, um zu ihren Freunden zu kommen.

Der Angeklagte, ein Jurastudent, beteuert, die junge Frau habe zu keinem Zeitpunkt Nein gesagt. Allerdings sagt ein Zeuge, er habe später erklärt: „Ich wollte, sie wollte nicht“. Für den Angeklagten ein Missverständnis: „Ich sagte, sie wollte, dann wollte sie nicht mehr“.

Den Richtern entgeht auch ein anderer Widerspruch nicht: Während der Anklagte zunächst aussagt, er habe sich morgens danach absolut nicht vorstellen können, warum die Polizei plötzlich bei ihm vor der Tür stand, bestätigte er später in seiner Anhörung, dass der Vergewaltigungsvorwurf bereits bei der Rückkehr zur Diskothek ein Thema war.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.