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Verbale Gewalt und andere
Leitartikel Lokales 2 Min. 03.12.2012 Aus unserem online-Archiv

Verbale Gewalt und andere

Leitartikel Lokales 2 Min. 03.12.2012 Aus unserem online-Archiv

Verbale Gewalt und andere

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Es ist die Freiheit, die sie meinen. Mit einer selten gesehenen Heftigkeit haben jüngst wieder jene sogenannten freiheitlichen, progressiven Kräfte ihre Auffassung dessen zum Ausdruck gebracht, wie diese Welt und unsere heutige Gesellschaft auszusehen haben: eine Welt ohne Grenzen und Schranken für ein Selbstverständnis, das die eigene Freiheit über alles stellt; eine Gesellschaft, aus der man die transzendentale Dimension und die allem Irdischen übergeordnete Norm der Religion, insbesondere der katholischen, mit allen Mitteln verbannen will.

Es ist die Freiheit, die sie meinen. Mit einer selten gesehenen Heftigkeit haben jüngst wieder jene sogenannten freiheitlichen, progressiven Kräfte ihre Auffassung dessen zum Ausdruck gebracht, wie diese Welt und unsere heutige Gesellschaft auszusehen haben: eine Welt ohne Grenzen und Schranken für ein Selbstverständnis, das die eigene Freiheit über alles stellt; eine Gesellschaft, aus der man die transzendentale Dimension und die allem Irdischen übergeordnete Norm der Religion, insbesondere der katholischen, mit allen Mitteln verbannen will. Viel verbale Gewalt war in diesen Tagen zu hören und zu lesen, die in beängstigender Weise zeigten, wie schmal doch heute, auch in Luxemburg, der Grat zwischen respektvoller Akzeptanz und verletzender Intoleranz, zwischen Ideal und Wirklichkeit, verläuft.

Welch sonderbares Verständnis von Liberalismus und Freiheitsanspruch hier bei diesen, denen die Reform des Abtreibungsgesetzes, mit der CSV und LSAP die Tür zur straflosen Tötung ungeborener Kinder noch einen Spalt weiter aufstoßen, nicht weit genug geht und die, laut und hysterisch, den eigenen Willen zum Maß aller Dinge erklären, alle kritischen und mahnenden Stimmen dagegen als obskurantistische Ideologie verdammen. Und welch erschreckende Arroganz und Selbstgerechtigkeit bei jenen, die mit aggressivsten Parolen zur Trennung von Kirche und Staat, jeder nationalen Tradition und Identität zum Trotz, der Religion in unserer Gesellschaft ihren Platz verbieten und jede Rolle, inklusive jener bei der Erziehung unserer Kinder zu an Werten orientierten, moralisch verantwortungsvollen Menschen, versagen. Die Nostalgiker eines überholten Klerikalismus sehen wohl wieder den Moment dafür gekommen, sich zu neuen hedonistischen Höhen aufzuschwingen. Und der Geist, der sie dabei eint – Politiker, Intellektuelle, Kabarettisten und selbsterklärte Moralisten –, ist ein irrationaler Hass auf die Kirche und ihren die Schöpfung, das Leben, über niederen Egoismus stellenden Wertekatalog.

Doch Kirche und Religion haben ihren Platz in dieser Gesellschaft, nicht nur weil wahre Toleranz und echter Pluralismus eine wahrhaftig menschliche Gesellschaft bereichern. Auch und gerade weil Glaube und Religion ein Menschenrecht, quasi ein Naturrecht sind, weil über der von einem laizistischen Totalitarismus „großzügig“ und perfid scheinheilig zugestandenen Kultusfreiheit das Prinzip der Religionsfreiheit steht, mit allem, was dies, über das gelebte Bekenntnis der Menschen zu ihrem Glauben hinaus, an aktiver Rolle der Kirche, auch und vor allem zum Wohle der Gesellschaft beinhaltet. Deshalb ist die gemeinsame Forderung der in Luxemburg etablierten und konventionierten Kirchen nach einer Festschreibung der Religionsfreiheit in der luxemburgischen Verfassung legitim, notwendig und selbstverständlich. Die hasserfüllten Kulturkämpfer, die einen Staat ohne Kirche wollen, die der Religion ihren Platz in dieser Gesellschaft nehmen, einen gottlosen, werteneutralen Laizismus in unseren Gesetzen verankern wollen, üben heute mit nicht nur verbaler Gewalt rücksichtslosen Gesinnungsterror aus. Sie versündigen sich an einem Menschenrecht und sind im Bemühen, ihre Gesetze anderen aufzuzwingen, die eigentlichen Obskurantisten des heutigen modernen, so sehr widersprüchlichen Zeitgeistes. Die Verfassung wäre das geeignete Instrument, um ihren Exzessen einen Riegel vorzuschieben.