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Urteil gegen Trierer Amokfahrer erwartet
Lokales 3 Min. 16.08.2022
Am Dienstag

Urteil gegen Trierer Amokfahrer erwartet

Die Amokfahrt hatte in Trier einen tagelangen Schockzustand und anhaltende Trauer ausgelöst.
Am Dienstag

Urteil gegen Trierer Amokfahrer erwartet

Die Amokfahrt hatte in Trier einen tagelangen Schockzustand und anhaltende Trauer ausgelöst.
Foto: Harald Tittel/dpa
Lokales 3 Min. 16.08.2022
Am Dienstag

Urteil gegen Trierer Amokfahrer erwartet

Die Trierer Amokfahrt mit fünf Toten hatte Ende 2020 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nun fällt das Urteil gegen den mutmaßlichen Täter.

(dpa) - Im Prozess um die tödliche Amokfahrt in Trier wird an diesem Dienstag (13 Uhr) das Urteil erwartet. Als mutmaßlicher Amokfahrer steht seit einem Jahr ein 52-Jähriger vor dem Landgericht Trier: Er soll am 1. Dezember 2020 zur Mittagszeit mit seinem Geländewagen mit hohem Tempo durch die Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.


Die Fußgängerzone von Trier war am 1. Dezember Schauplatz eines schlimmen Verbrechens.
Amokfahrer in Trier fuhr teils mit mindestens Tempo 75
Ein Kfz-Sachverständiger hat im Prozess um die Amokfahrt von Trier in einem Gutachten neue Details zum Tathergang präsentiert.

Bei der Tat starben fünf Menschen: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und 300 traumatisierte Augenzeugen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen sowie schwere Körperverletzung vor.

Der 52-Jährige habe sein Auto als Waffe eingesetzt, um „gezielt Jagd auf unschuldige Passanten“ zu machen, hatte Oberstaatsanwalt Eric Samel in seinem Plädoyer gesagt. Ziel des Amokfahrers sei „maximale Zerstörung“ gewesen. Die Opfer, gegen die er teils mit bis zu Tempo 75 gerast sei, hätten nicht „den Hauch einer Chance“ gehabt.

Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten eine lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Wegen einer psychischen Erkrankung des Mannes sprach sie sich zudem für die Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus aus.


01.12.2020, Rheinland-Pfalz, Trier: Kräfte der Polizei und des THW sperren den Zugang zur Fußgängerzone. Am Nachmittag war ein Mann mit einem Auto durch die Fußgängerzone von Trier gefahren und hat dabei Menschen verletzt und getötet. Foto: Oliver Dietze/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Leiter der Mordkommission: Trierer Amokfahrt war geplant
Der Angeklagte habe kurz vorher seinen Job gekündigt, Schulden beglichen und Andeutungen über eine Inhaftierung gemacht.

Ein Großteil der Opferanwälte hatte ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Unterbringung in der Psychiatrie für den Täter gefordert. Die Verteidigung will den Angeklagten ebenfalls in einer psychiatrischen Klinik unterbringen, forderte aber keine lebenslange Haft und keine besondere Schwere der Schuld.

Mutmaßlicher Täter leidet an paranoider Schizophrenie

Nach dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Mann an einer paranoiden Schizophrenie mit bizarren Wahnvorstellungen und ist vermindert schuldfähig. Laut Verteidigung kann er sich an den Tatzeitraum nicht erinnern. Der gelernte Elektroinstallateur hat den ganzen Prozess über - hinter mobilem Panzerglas sitzend - zu den Vorwürfen geschwiegen. Laut Anklage war er zur Tatzeit alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert.


Verteidigung: Unterbringung des Amokfahrers in Psychiatrie
Die Verteidiger des Trierer Amokfahrers forderten dessen Unterbringung in einer Psychatrie. Laut Gutachten ist er paranoid schizophren.

Die Hinterbliebenen und Betroffenen seien erleichtert, dass der Prozess nach einem Jahr Dauer zu Ende gehe, sagte Bernd Steinmetz für die Stiftung Katastrophen-Nachsorge der Deutschen Presse-Agentur. „Es war schon eine Belastung jetzt über die lange Zeit.“ Die Opfer hofften nun auf ein Urteil, das ihrer Ansicht nach gerecht sei. „Viele haben gesagt: ‚Wir haben auf jeden Fall lebenslänglich. Und wir erwarten, dass der Angeklagte nicht weniger hat‘.“

Die schreckliche Tat werde immer Teil ihres Lebens bleiben, sagte Steinmetz weiter, der über die Stiftung in die Betreuung der Opfer und Hinterbliebenen eingebunden ist. Der Prozess sei „ein Meilenstein für die Verarbeitung“ gewesen - aber die Aufarbeitung verlaufe individuell sehr verschieden. „Es gibt wirklich einige Opfer und Betroffene, wo man weiter wahrnehmen muss, dass nach mehr als einem Jahr Prozess die eigene Lebensperspektive noch infrage gestellt ist.“

Wir gehen davon aus, dass nach dem Prozess eine neue Phase beginnt

Bernd Steinmetz

Im Prozess seien etliche Familienangehörige als Nebenkläger dabei gewesen, auch wenn das „eine Riesenbelastung“ gewesen sei. Sie hätten das auch als Dienst für die Opfer gesehen. Ende August sei ein Treffen der Stiftung angesetzt, da es nach dem Urteil sicherlich Redebedarf geben werde, sagte Steinmetz. Die Treffen seien offen. „Wir gehen davon aus, dass nach dem Prozess eine neue Phase beginnt.“

Die Amokfahrt hatte in Trier einen tagelangen Schockzustand und anhaltende Trauer ausgelöst. Auch bundesweit war das Entsetzen groß.

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