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Urteil gegen Drogenbande aus Longwy: Keine kriminelle Organisation
Das Hauptquartier der Bande befand sich in diesem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs von Longwy.

Urteil gegen Drogenbande aus Longwy: Keine kriminelle Organisation

Foto: Lex Kleren
Das Hauptquartier der Bande befand sich in diesem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs von Longwy.
Lokales 2 Min. 08.02.2018

Urteil gegen Drogenbande aus Longwy: Keine kriminelle Organisation

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die 7. Strafkammer ist am Donnerstag bei ihrem Urteil im Prozess gegen eine Gruppe von nigerianischen Drogendealern aus Longwy weit unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft zurückgeblieben.

(str) - Die 7. Strafkammer ist am Donnerstag bei ihrem Urteil im Prozess gegen eine Gruppe von Drogendealern aus Longwy weit unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft zurückgeblieben.

Der Grund: Sie sieht es entgegen der Anklage nicht als erwiesen an, dass die Angeklagten dem Drogenhandel als kriminelle Organisation nachgingen. Der Artikel 10 des Drogengesetzes erlaubt es Richtern, Haftstrafen bis zu 20 Jahren gegen organisierte Drogenbanden zu sprechen.

Im Prozess hatte der Ankläger sich bemüht, eben diesen Tatbestand nachzuweisen, der sich durch eine klare Rollen-, Aufgaben- oder Gewinnteilung sowie eine strikte Hierarchie auszeichnet.

Sechs Jahre Haft und 20.000 Euro Geldstrafe

Für den Hauptangeklagten Jerade S. alias "Digital" hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von mindestens zwölf Jahren gefordert. Er war beschuldigt, Kokain aus den Niederlanden eingekauft, ein Haus in Longwy als Unterschlupf organisiert und innerhalb der Gruppe die Befehle erteilt zu haben. Das Gericht verurteilte den 37-Jährigen nun in erster Instanz zu sechs Jahren Haft ohne Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro - ersatzweise 400 Tage Gefängnis.

Milde für den Stellvertrerter

Sein Stellvertreter, Prince O. alias "Emeka" belieferte den Ermittlern zufolge ausschließlich andere nigerianische Drogendealer in Luxemburg mit frischer Ware. Ihm hielt die Staatsanwaltschaft sein Geständnis als mildernder Umstand zugute und daher hatte sie für ihn eine vergleichsweise geringe Strafe von fünf Jahren Gefängnis gefordert. Ihn verurteilte das Gericht gestern zu vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung und zu 5.000 Euro Geldstrafe oder ersatzweise 100 Tage Haft.

Drei Jahre für Importeure und Aufbereiter

Osy C. alias "OC" und Sunny A. alias "Scotch" waren laut Anklage dafür verantwortlich, die Drogen nach Luxemburg zu importieren und hier zu verkaufen. Maduka U. soll das Kokain im Haus in Longwy für den Verkauf in Luxemburg gestreckt und portioniert haben. Für alle drei Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft gefordert. Sie wurden nun zu jeweils drei Jahren Gefängnis verurteilt, davon 15 Monate auf Bewährung. Dazu kommt eine Geldstrafe von 1.500 Euro oder ersatzweise 30 Tage Haft.

Lange Dauer und große Mengen

Ibeye A. alias "Agbai" soll zwar nur Drogen direkt an Konsumenten verkauft haben, dies aber über einen sehr langen Zeitraum und in großen Mengen. Zudem wurde ihm vorgehalten, eine wichtige Rolle in der Gruppe gespielt und auch Anweisungen erteilt zu haben. Gegen ihn hatte der Ankläger  eine Haftstrafe von zehn Jahren gefordert. Er wurde nun zu fünf Jahren Gefängnis, davon drei auf Bewährung verurteilt. Dazu kommt eine Geldbuße in Höhe von 15.000 Euro oder ersatzweise 300 Tage Haft.

134 Gramm Kokain in Zolver und 126 Gramm in Bereldingen

Der siebte Angeklagte,  Chuckwuma E. alias "Chucks", war als einziger Angeklagter nicht als Mitglied einer kriminellen Organisation beschuldigt worden. Er war Kunde bei den Dealern aus Longwy, verkaufte aber offenbar auf eigene Faust Drogen. Bei zwei Gelegenheiten waren bei ihm in Sassenheim und in Bereldingen große Mengen Kokain sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine sechsjährige Gefängnisstrafe gefordert. Verurteilt wurde er zu fünf Jahren Haft, davon drei auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 15.000 Euro, ersatzweise 300 Tage Haft.




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