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Urlaubszeit
Leitartikel Lokales 2 Min. 28.07.2015

Urlaubszeit

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Mal so richtig ausspannen und die Seele baumeln lassen: Mit diesem Wunsch starten viele in die „schönste Zeit des Jahres“.

Mal so richtig ausspannen und die Seele baumeln lassen: Mit diesem Wunsch starten viele in die „schönste Zeit des Jahres“. Sommerzeit ist Urlaubszeit, an dieser Gleichung ist auch in Luxemburg nicht zu rütteln. Wobei die Vorfreude auf den Urlaub oft schöner als der Urlaub selbst ist, denn nicht immer entspricht das im Prospekt des Reisebüros ausgesuchte Traumziel den lang gehegten Hoffnungen. Mal sind es die nörgelnden Kinder, mal die rüpelhaften Zimmernachbarn, oft aber auch die eigene Unfähigkeit, so richtig abzuschalten, die die Erholung vermiesen. Der englische Schriftsteller Laurence Sterne stellte schon im 18. Jahrhundert fest: „Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr wie bei der Jagd nach Erholung.“

Sprachgeschichtlich geht der Begriff „Urlaub“ auf das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv „urloup“ zurück, was in etwa „Erlaubnis“ bedeutet. So erbat sich ein Ritter, der zu einer Reise aufbrechen wollte, von seinem Lehnsherrn oder seiner angebeteten Dame „urloup“. Der gesetzlich geregelte Urlaub im heutigen Sinne, der dem Arbeitnehmer zur Erholung dienen soll, ist eine viel jüngere Errungenschaft, die auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht.

Ohne die von Ärzten geforderte und von Gewerkschaften erkämpfte Einsicht, dass der arbeitende Mensch Pausen braucht, um sich zu erholen, und zudem diese Ferien bezahlt sein sollen, hätte sich im Zuge des Wirtschaftswunders der 50er- und 60er-Jahre der Tourismus nicht zu einem der heute weltweit wichtigsten Wirtschaftszweige entwickeln können, mit einem jährlichen Umsatz von über 1 200 Milliarden Dollar.

Der Tourismus hat in vielen Industrienationen einen so hohen Stellenwert erreicht, dass „Verreisen“ allen Ernstes von Volkswirten in ihren Statistiken als „Grundbedürfnis“ erfasst wird. Ob das Reisen zum Zweck der Erholung nicht eher in die Kategorie „Luxus“ gehört, darüber kann man streiten. Tatsache ist, dass auch die Luxemburger diesem Bedürfnis ausgiebig huldigen. Im Jahr 2011 (die letzten verfügbaren Zahlen) unternahmen die Einwohner des Großherzogtums 1,3 Millionen Urlaubsreisen, mit insgesamt 9,3 Millionen Übernachtungen im Ausland. Damit konnten sie den deutschen Nachbarn den Titel des „Reiseweltmeisters“ streitig machen, wobei Frankreich wie immer als beliebtestes Ferienziel an der Spitze steht.

Die Selbstverständlichkeit der Urlaubsreise ist allerdings nicht mehr das, was sie einmal war.

Immer öfter muss der Tourist erleben, dass sein vermeintliches Recht auf Erholung, für das er schließlich viele Wochen hart gearbeitet hat, eingeschränkt wird. Leere Geldautomaten in Griechenland gehören noch zu den kleineren Ärgernissen, kenternde Flüchtlingsboote hingegen passen überhaupt nicht in die heile Urlaubswelt. Die zwei Terroranschläge in Tunis und in Sousse in diesem Jahr haben gezeigt, dass unbeschwerter Urlaub als tödliche Unternehmung enden kann.

Obwohl es die Reiseveranstalter, die noch immer von „ungebrochener Reiselust“ ihrer Kunden berichten, nicht wahrhaben wollen, ist die Tourismusbranche in eine schwere Krise geraten. „Weiter wie bisher“ funktioniert als Losung nicht mehr. Der Tourist, der oft nicht mehr weiß, ob er als Teil einer Industrie Konsument oder Produkt ist, muss wieder zum Reisenden, ja zum Entdecker werden. Wie das machbar ist? Nun ja, zum Glück gibt es den Urlaub, um darüber nachzudenken.


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