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Die Bedenken reisen mit
Lokales 1 3 Min. 27.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Urlaubspläne nach den Unruhen

Die Bedenken reisen mit

Lokales 1 3 Min. 27.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Urlaubspläne nach den Unruhen

Die Bedenken reisen mit

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Ganz ohne Bedenken verreisen derzeit jedoch nur wenige Luxemburger. Die Attentate in Frankreich und Deutschland sowie die Unruhen in der Türkei stimmen nachdenklich. Spanien und Griechenland profitieren.

(SH) - „Ich fühle mich nicht mehr sicher, irgendwohin in Urlaub zu fahren. Am besten man bleibt zu Hause und geht gar nicht mehr vor die Tür“, erklärt Samantha, die noch eine Woche vor dem Attentat von Nice in Frankreich war, fügt dann jedoch hinzu: „Immer nur drinnen zu bleiben, ist auch nicht ideal.“

Dass die Unruhen der vergangenen Wochen und Monate einen Einfluss auf die Reisepläne der Luxemburger haben, bestätigten gestern Morgen in der Fußgängerzone in Esch/Alzette mehrere Passanten. „Ich persönlich würde niemals an einen Ort reisen, an dem es ein Attentat gab“, gibt Ronny an. Reisepläne hat er nicht: „Derzeit fühle ich mich einfach zu unsicher.“

Sorgen um Familie und Bekannte

Auch André wird den Sommer in Luxemburg verbringen. Er ist aber eh kein Mensch, der viel verreist. Sorgen macht er sich allerdings um seine Enkel. „Sie verreisen viel, wie viele junge Menschen. Ich denke mir immer, dass sie doch einmal eine Pause einlegen sollen, doch es ist nicht einfach, ihnen dies zu vermitteln.“ Wie André sorgt sich auch Mireille um ihr Umfeld. „Ich bin immer froh, wenn ich weiß, dass sie in Sicherheit sind.“

Katia rät ihren Freunden, vorsichtig zu sein. „Ich sage ihnen, dass sie sich lieber umschauen sollen und nicht an Orte gehen sollen, an denen sich viele Menschen aufhalten“, erklärt sie, fügt jedoch hinzu, dass sie selbst weiterhin verreisen will. Im Sommer zieht es sie mit ihrer Familie nach Portugal. Auch Raymond hält an seinen Reiseplänen nach Kuba fest. „Auch hier in Luxemburg kann etwas geschehen.“

Dass die Luxemburger ihre Reisegewohnheiten in den vergangenen Monaten angepasst haben, bestätigt auch Dirk Jaeger von der Reiseagentur „Tip Top Travel“: „Ziele wie Marokko, Ägypten, Tunesien oder die Türkei sind kaum noch gefragt. Wir empfehlen unseren Kunden diese Reisen auch nicht.“ Möglich bleiben sie jedoch, denn die Agentur hat weiterhin alle Ziele im Angebot, die von der nationalen Fluggesellschaft Luxair angeflogen werden. „Wenn jemand ausdrücklich danach fragt, klären wir ihn auf, dass der Flug möglicherweise kurz vor dem Urlaubsantritt abgesagt werden kann“, erklärt Dirk Jaeger weiter.

Wer eine Reise in die Türkei gebucht hat und diese nun umbuchen will, könnte vor Schwierigkeiten stehen. Denn auch wenn das Außenministerium zur Vorsicht mahnt, bedeutet dies nicht, dass der Urlaub kostenlos storniert oder umgebucht werden kann. Dies entscheidet der Reiseanbieter von Fall zu Fall.

Trauer unter Palmen

Viele Urlauber werden auch ihre Pläne für einen Trip nach Südfrankreich nach dem Attentat von Nice überdenken. „Bei uns war die Nachfrage nach Frankreich in diesem Jahr gering“, weiß Dirk Jaeger. Wohl sei es kaum wahrscheinlich, dass ein Flug nach Nice abgesagt wird, als ideales Urlaubsziel sieht der Reiseagent die Stadt an der Côte d'Azur jedoch nicht: „Man kann den Urlaubern derzeit schlecht raten, dorthin zu fliegen. Es ist einfach noch zu früh.“

Nach dem Attentat vom 14. Juli seien die Menschen in Nice in Trauer. Die Stimmung sei demnach bedrückt, der Charme der Stadt leide darunter. Eine Erfahrung, die Dirk Jaeger selbst 2011 bei einem Aufenthalt in Oslo kurz nach den damaligen Attentaten gemacht hatte.

Spanien und Griechenland beliebt

Hoch im Kurs liegen bei Urlaubern derzeit Spanien, die Balearen und Griechenland. Auch bei Reisen nach Dubai, Asien oder auf die Malediven stelle sich kaum jemand Fragen nach der Sicherheit.

Für diejenigen, die sich jedoch noch nicht für ein Ziel entschieden haben, könnte es eng werden. „Es ist schwer, noch freie Plätze zu finden. Zwar werden regelmäßig zusätzliche Flüge angeboten, dies dient jedoch nichts, wenn das Kontingent an freien Hotelzimmern ausgebucht ist“, erklärt Dirk Jaeger. Dennoch wird wohl kaum ein Reisewilliger zu Hause bleiben müssen.

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