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Urlaub zu Hause: Wandern in Luxemburgs schönsten Ecken
Weinreben, soweit das Auge reicht: Im idyllischen Winzerort Ahn liegt der Ausgangspunkt für unsere dreitägige Wandertour durch das Großherzogtum.

Urlaub zu Hause: Wandern in Luxemburgs schönsten Ecken

Foto: Guy Jallay
Weinreben, soweit das Auge reicht: Im idyllischen Winzerort Ahn liegt der Ausgangspunkt für unsere dreitägige Wandertour durch das Großherzogtum.
Lokales 6 Min. 31.08.2013

Urlaub zu Hause: Wandern in Luxemburgs schönsten Ecken

Im vierten Teil der LW-Sommerserie „Urlaub zu Hause“ schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen Sie, liebe Leser, mit auf eine dreitägige Entdeckungsreise – zu Fuß durch Luxemburgs Natur.

(str) - Stellen Sie sich vor, Sie haben noch drei Urlaubstage vor sich und wissen nicht, was sie an diesen freien Tagen unternehmen wollen. In der kommenden Woche wird das „Luxemburger Wort“ Ihnen jeweils mittwochs und samstags Anregungen geben, wie Sie das Großherzogtum neu entdecken können.

Grüne Wälder, spektakuläre Felsen, spannende Landschaften: Luxemburg bietet naturverbundenen Menschen ein sehr abwechslungsreiches Panorama. Dass dies bei ausländischen Gästen sehr gefragt ist, zeigen alljährlich hunderte Urlauber vor allem aus den flacheren Teilen Belgiens und der Niederlande, die hierzulande vor allem etwas wollen: Wandern! Aber auch bei Luxemburgern liegt die freie Bewegung in der Natur voll im Trend. Im vierten Teil der LW-Sommerserie „Urlaub zu Hause“ schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen Sie, liebe Leser, mit auf eine dreitägige Entdeckungsreise – zu Fuß durch Luxemburgs Natur.

Das Großherzogtum verfügt über ein sehr dichtes Netz an Wanderwegen. In fast jedem Ort gibt es einen oder gar zwei ausgeschilderte Wanderwege. Dazu kommen Lehrpfade für Wissbegierige, regionale Wanderwege für Sportliche und Pilgerwege, wie etwa der Jakobsweg, für Gläubige. Wir haben uns gemeinsam mit den regionalen Tourismusagenturen auf die Suche nach den spannendsten Wandertouren im Großherzogtum gemacht.

Wandern im Weinberg

Unsere Reise beginnt im Osten des Großherzogtums – an der Mosel, im Winzerdorf Ahn, dem kleinsten Ort in der Gemeinde Wormeldingen. Hier gibt es einen der schönsten Lehrpfade des Landes, den „Sentier vin et nature Palmberg Ahn“.

Der Palmberg, bekannt für seine Rieslingweine, ist der Lebensraum für eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren. Besonders hervorzuheben sind etwa wilde Orchideen und der Buchsbaum – Pällem auf Luxemburgisch. Da der Palmberg als Naturreservat eingestuft ist, ist es nicht erlaubt, diese zu pflücken. Lediglich am „Pällemsonndeg“, dem letzten Sonntag vor Ostern, dürfen die Einwohner aus Ahn und Niederdonven, sowie die Pfarrei aus Luxemburg-Clausen den Buchsbaum beschneiden.

Zum Wanderweg im Weinberg gibt es eine 48-seitige Broschüre, in der alles Wissenswerte rund um die Ortsgeschichte von Ahn und Niederdonven sowie Tier- und Pflanzenkunde erläutert wird. Im Detail wird sich auch mit der örtlichen Weinkultur befasst. Der Weg führt über 24 Stationen von Ahn aus zunächst quer über den Palmberg nach Niederdonven, dann entlang der „Donverbach“ an der „Bockmillen“ und am „Gëllendëmpel“ vorbei zurück zum Ausgangspunkt.

Erlebnisroute im Ourtal

„Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein“, sagte einst Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der BRD. Das gilt auch für den zweiten Wandertag, der uns ins Ourtal im Nordosten des Landes führt. Vier Erlebnisrouten wurden zwischen dem Dreiländereck bei Ouren (B) und der Flussmündung bei Wallendorf ausgearbeitet. Wir haben uns für jene Route mit dem flachsten Höhenprofil entschieden, den Rundweg „Nat'Our Route 1“.

Der Rundweg unter dem Motto „Pflanzen Tiere und Felsen“ führt zunächst vom 1977 errichteten Europa-Denkmal in Ouren auf schmalen Felspfaden entlang der luxemburgischen Our-Seite zur „Tintesmillen“. Unterwegs erfährt man Lehrreiches über die heimische Bachforelle oder auch über den komplizierten Lebenszyklus der Flussperlmuschel in der Our – die bis zu 100 Jahre alt werden kann. An der „Kaalbermillen“ kommen wir an einer Forschungsstation für die Flussperlmuschel vorbei. Das Wehr der seit mindestens 1752 bestehenden Mühle wurde übrigens als Steinrampe umgebaut, um der Bachforelle den Weg zu ihren Laichplätzen zu vereinfachen.

Das Tal der Our ist zwischen Ouren und Dasburg rund 150 Meter tief. An manchen Stellen ist der Fluss sehr nahe am Felsen – so etwa an der Königslei am deutschen Ufer. Vom 25 Meter hohen Felsen bietet sich dem Wanderer ein wunderschöner Blick ins Ourtal. Der Weg führt weiter über gemütliche Waldwege zurück zum Ausgangspunkt.

Ellergronn: Natur auf dem Vormarsch

Den dritten Wandertag in der Natur verbringen wir dort, wo man es vielleicht am wenigsten erwarten würde: in den ehemaligen Industriebrachen jenseits von Esch/Alzette, rund um die unterirdischen Stollen der „Mines Cockerill“ im „Ellergronn“. Neben dem Eisenerz, das dem Land über Jahrzehnte wirtschaftlichen Wohlstand schenkte, wurde hier auch Kalk abgebaut.

Von der einstigen Schwerindustrie bleiben an der Oberfläche nur noch Spuren übrig. Die Natur hat das Gelände wiedererobert. Dichter Wald – vorrangig Kalkbuchen – haben aus den Industriebrachen eine grüne Lunge, ein Naherholungsgebiet direkt vor den Toren von Esch/Alzette gemacht. Zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere haben sich den Kalkbuchenwald, den bachbegleitenden Erlen-Eschenwald, den Trockenrasen und die vielen Weiher zu Eigen gemacht.

Der Lehrpfad Natura 2000 ist in drei Rundwege unterteilt. Der erste Zyklus über fünf Kilometer befasst sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Wald. Das zweite Teilstück über viereinhalb Kilometer setzt sich mit der Ausbeutung von Erzminen früher und heute auseinander. Beim dritten und letzten Teil geht es darum, wie die Natur das ehemalige Tagebaugebiet etwa am „Kayler Poteau“ wiedererobert hat.

Praktische Hinweise:

  • Der Palmberg

Der „Sentier vin et nature Palmberg Ahn“ beginnnt im Ortskern des Winzerdorfs Ahn und führt über den Palmberg bis nach Niederdonven. Die Gesamtstrecke beträgt zwar nur 4,5 Kilometer, aufgrund des schwierigen Geländes ist aber mit einer Gehzeit von knapp drei Stunden zu rechnen. Für Kleinkinder und Personen, die schlecht zu Fuß sind, ist der Weg nicht geeignet. Festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Broschüre zum Weg ist u.a. bei der örtlichen Gemeindeverwaltung und bei der regionalen Tourismus-Agentur erhältlich und kann ebenfalls unter diesem Link als PDF-Dokument heruntergeladen werden: http://bit.ly/palmberg

  • Nat'Our Route 1

Als Erlebniswege mit zahlreichen Informationstafeln und Themeninseln präsentieren sich die „Nat'Our-Routen“ zwischen Ouren und Vianden. Insgesamt bietet der Grenzfluss den Rahmen für vier thematische Wanderpfade mit gleichem Konzept:

Nat'Our Route 1 (12 km):http://bit.ly/natour-1

Nat'Our Route 2 (19 km):http://bit.ly/natour-2

Nat'Our Route 3 (11 km):http://bit.ly/natour-3

Nat'Our Route 4: (14 km):http://bit.ly/natour-4

Der Ausgangspunkt für den ersten der vier Rundwege – die Nat'Our Route 1 – befindet sich am Europadenkmal in Ouren. Die Gesamtstrecke beträgt 12 Kilometer. Wanderer sollten beachten, dass die Route über unbefestigte Wege und schmale Felsenpfade führt. Zudem sollte auch auf die richtige Ausrüstung und genügend Proviant geachtet werden.

  • Ellergronn

Der Lehrpfad Natura 2000 Ellergronn erstreckt sich über 12 Kilometer, für die vier bis fünf Stunden eingeplant werden sollten. Der Ausgangspunkt liegt am „Centre d'accueil Ellergronn“.

Wer sich näher mit dem Naturschutzgebiet befassen will, sollte sich die 88-seitige Broschüre aus dem Internet herunterladen:

http://bit.ly/Natura2000Broschuere

Den Flyer zum Lehrpfad gibt es hier: http://bit.ly/Natura2000Karte

  • Surftipp 

In der Rubrik „Sport und Freizeit“ der Webseite des „Office National du Tourisme“ visitluxembourg.com sind insgesamt 324 Wandertouren aus dem Großherzogtum mitsamt Wegbeschreibung und Kartenmaterial aufgelistet.


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