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Unter Trümmern begraben: Vorgesetzte nach fatalem Unfall angeklagt
Lokales 2 Min. 28.01.2020

Unter Trümmern begraben: Vorgesetzte nach fatalem Unfall angeklagt

Der tragische Arbeitsunfall ereignete sich im April 2016 auf dieser Baustelle in der Rue de l’Avenir im Hauptstadtviertel Limpertsberg.

Unter Trümmern begraben: Vorgesetzte nach fatalem Unfall angeklagt

Der tragische Arbeitsunfall ereignete sich im April 2016 auf dieser Baustelle in der Rue de l’Avenir im Hauptstadtviertel Limpertsberg.
Foto: Police Grand Ducale / LW-Archiv
Lokales 2 Min. 28.01.2020

Unter Trümmern begraben: Vorgesetzte nach fatalem Unfall angeklagt

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Ein tödlicher Arbeitsunfall im April 2016 hat für einen Geschäftsführer und einen Vorarbeiter juristische Folgen. Auf einer Baustelle sollen Sicherheitsmaßnahmen missachtet worden sein.

Das Leben von Alberto C.* endete am 11. April 2016 in einer Baugrube in Limpertsberg, begraben von mehreren Tonnen Beton. Ersticken durch massive Kompression, so lautet die offizielle Todesursache.

Für den tragischen Arbeitsunfall müssen sich seit Dienstag die beiden für die Baustelle zuständigen Firmen, deren Geschäftsführer José C. und der Vorarbeiter Carlos M., verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, den Tod des Mannes durch das Missachten von Sicherheitsmaßnahmen mitverschuldet zu haben.

An jenem Morgen im April 2016 hatte der Vorarbeiter seine Mitarbeiter angewiesen, die Stützwand in einer Grube auf der Baustelle eines Mehrfamilienhauses abzubauen.

Da auch stützende Stahlträger abgetragen werden sollten, wurde später auch Alberto C. hinzugerufen. Die Männer führten die Anweisungen ihres Vorgesetzten aus – gegen 14 Uhr blieb nur Alberto C. in der Grube zurück, um sein Werkzeug zusammenzupacken. Die von einer Betonschicht umgebene Wand brach zusammen, der Mann wurde unter den Trümmern begraben.

„Cowboy-Methoden“

„Als würde man den Ast absägen, auf dem man sitzt“ – so fasste der zuständige Ermittler das Vorgehen auf der Baustelle zusammen. Auch zwei unabhängige Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die Methode, mit der die Stützwand abgetragen wurde, lebensgefährlich war.

Der Zusammenbruch war ihnen zufolge eindeutig vorhersehbar. Auch sei die Art und Weise, wie bereits im Vorfeld die Stabilisierungsarbeiten durchgeführt wurden, fahrlässig gewesen. Einer der Experten sprach sogar von „Cowboy-Methoden“.


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Für das sichere Abtragen der Stützwand hätte die Grube zunächst aufgeschüttet werden müssen, so die Experten. Dann erst hätte man die Stützelemente entfernen können. Ein Teil wäre dabei aber in der Grube geblieben.

Den Ermittlungen zufolge wurde diese Methode aber bewusst vermieden. Denn der Graben befand sich auf einem Grundstück einer Schule, das nicht direkt zur Baustelle zählte. Das Areal sollte wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und ein abgetragener Weg wieder neu angelegt werden. Dieser hätte durch die Anwendung der empfohlenen Methode absacken können – so wohl die Befürchtung.

Der angeklagte Geschäftsführer der zuständigen Unternehmen wich am Dienstag vor Gericht den Fragen des vorsitzenden Richters immer wieder aus. Er wollte sich selbst nicht in der Verantwortung sehen – auch wenn er den Vorfall eigenen Aussagen zufolge sehr bedauere.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann kommt auch der zweite Angeklagte, der Vorarbeiter, zu Wort.

*Name von der Redaktion geändert


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