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Unser täglicher Müll: Kampagne gegen Littering
Lokales 12 3 Min. 06.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Unser täglicher Müll: Kampagne gegen Littering

Kinder und Erwachsene sammelten am Samstag im Differdinger Wald Müll ein.

Unser täglicher Müll: Kampagne gegen Littering

Kinder und Erwachsene sammelten am Samstag im Differdinger Wald Müll ein.
Foto: Guy Jallay
Lokales 12 3 Min. 06.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Unser täglicher Müll: Kampagne gegen Littering

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Littering, also das unerlaubte Entsorgen von Müll in der fereien Natur, wird immer öfter bestraft.

Sobald die letzten Winterflocken verschwunden sind und der Frühling Einzug hält, wird er sichtbar: der Müll, der sich an Straßenrändern, Feldern und Wiesen ansammelt. Wer genauer hinschaut, erkennt Zigarettenschachteln, Getränkedosen, Plastikflaschen und Fast-Food-Verpackungen. „Die Imbissverpackungen können wir wie eine Perlenspur bis zum Schnellrestaurant zurückverfolgen, meint ein Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung. Für sie ist das sogenannte Littering ein alltägliches Thema. Mit der weiteren Verbreitung der Einwegflaschen und der Kunststoffverpackungen hat das Problem massiv zugenommen.

Tierschutz im Mittelpunkt

Auf Initiative des Umweltministeriums, der Umweltverwaltung und Emweltberodung Lëtzebuerg wurde am Samstag zum wiederholten Male eine Informations- und Sensibilisierungskampagne gestartet. Speziell gestaltete Plakate, die auf die Problematik hinweisen, können von interessierten Landwirten, Grundstücks- und Waldbesitzern bei der Emweltberodung bestellt werden und dann an sensiblen Orten angebracht werden.

Die diesjährige Kampagne richtet sich insbesondere an den Schutz der Tiere, die durch Aufnahme von Abfall Vergiftung, Krankheit oder gar den Tod riskieren. Dies gilt besonders für Kaugummi, Zigarettenstummel, Glas und Metallsplitter oder aber Kunststoffgegenstände welche in offenen Gewässern entsorgt werden. Direkt bedroht sind grasende Kühe, Hunde und Katzen aber auch Singvögel und Fische. „Die Aktion soll zeigen, dass Abfall auch für Tiere ein Problem ist. Im Zuge der zero waste Lëtzebuerg Strategie und des geplanten neuen Abfallgesetzes werden klare Maßnahmen zur Reduzierung getroffen“, so Umweltministerin Carole Dieschbourg.


49 Euro kostet diese Art der Entsorgung.
Kampagne gegen Littering: 50 mal Bußgeld wegen Müllentsorgung
Mit einer Sensibilisierungskampagne will das Umweltministerium das sogenannte Littering-Phänomen in den Griff kriegen. Das achtlose Wegwerfen von Müll ist zu einer regelrechten Plage geworden.

Vielfältige Folgen

Zwar gibt es landesweit freiwillige Sammelaktionen wie am Samstag in Differdingen, und auch die Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung sind eifrig am Säubern, doch an der Wurzel wurde das Problem bisher nicht wirklich angepackt. Dabei ist Littering nicht nur eine Frage der Umwelt und der Hygiene, es führt in verschiedenen Vierteln auch zu sozialer Verrohung. Wo bereits Müll liegt, wird gerne weiterer Müll entsorgt. Zudem ist der Müll imageschädigend und hat einen negativen Impakt auf den esthetischen Wert von Städten und Naturlandschaften. So entstehen auch Nebenkosten, zum Beispiel für die Bekämpfung von Schädlingen wie Ratten.

Plastikflaschen und Dosen

Während Papier und Zigaretten nach zwei bis drei Jahren verrotten, braucht eine Blechdose dazu bereits zehn bis 100 Jahre. Kunststoff und Glas können sogar mehrere tausend Jahre überdauern. 2008 und 2015 hatte die Umweltverwaltung Studien durchführen lassen, um die Menge und die Zusammensetzung dieses Mülls zu erfassen. 2015 wurde eine systematische Analyse in den Gemeinden durchgeführt. Sowohl die Gemeinden als auch die Straßenbauverwaltung geben in dieser Studie an, dass Verpackungsmüll mit einem Gesamtgewicht von über 60 Prozent den größten Anteil des aufgesammelten Drecks ausmacht. Hauptsächlich Plastikflaschen und Getränkedosen – beispielsweise Dosenbier und Energiedrinks – werden aufgesammelt.

1.000 Tonnen jährlich

Was das eingesammelte Volumen betrifft, so kommen auf einen Einwohner rund 1,9 Kilo Abfall durch Littering. Das Gesamtaufkommen illegal abgelagerten Mülls wird laut dieser Studie auf 950 bis 1 200 Tonnen pro Jahr geschätzt. Die Straßenbauverwaltung, die den Müll entlang der Autobahnen einsammelt, hatte im Jahr 2014 nicht weniger als 35 Tonnen erfasst. Das sind 216 Kilogramm pro Kilometer Autobahn. Die Gesamtkosten für die Säuberung und Entsorgung , vorrangig Personalkosten, teilen sich Staat und Kommunen: insgesamt werden sie auf 2,4 Millionen Euro geschätzt. Die zuletzt 2015 durchgeführte Studie soll übrigens im Laufe des nächsten Jahres eine Neuauflage erfahren.

Dabei ist die Verschmutzung alles andere als lokal. Mikrokunststoff gelangt in die menschliche Nahrungskette und schließlich landen die Abfälle irgendwann in den Ozeanen. Es wird geschätzt, dass aktuell 100 bis 142 Millionen Tonnen Abfälle in den Ozeanen schwimmen, 80 Prozent davon sind vom Lande her hineingespült worden. Was also ist zu tun? Sogenannter Biokunststoff ist laut Umweltverwaltung keine Lösung, weil auch er nur langsam abgebaut wird und zu Mikropartikeln zerfällt. Natürlich steht die Bestrafung als erste Möglichkeit an. Mit dem neuen Abfallgesetz haben Beamte der Polizei, des Zolls und der Umweltverwaltung die Möglichkeit, Strafzettel auszuteilen. Allerdings ist die Kontrolle in der Praxis sehr schwierig.

227 Bußgeldbescheide

So wurden 2018 insgesamt 227 Bußgeldbescheide wegen illegaler Müllentsorgung ausgestellt. 145 davon entfielen auf die Polizei, Polizei, 82 auf die Beamte der Zoll- und Akzisenverwaltung. Die Bußgelder reichen von 49 über 145 bis zu 250 Euro. So kostet das Wegwerfen von Papier, einer Zigarettenkippe oder einer Getränkedose 49 Euro. Handelt es sich um problematische Abfälle oder um falsch oder nicht-deklarierten Müll, werden 149 Euro fällig. 250 Euro schließlich müssen bezahlt werden, wenn Müll illegal verbrannt, vergraben oder in Gewässer abgelassen wird.


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