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Unruhen in Schrassig: Häftlinge stellen Forderungen
Lokales 2 Min. 26.03.2020

Unruhen in Schrassig: Häftlinge stellen Forderungen

Unruhen in Schrassig: Häftlinge stellen Forderungen

Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 26.03.2020

Unruhen in Schrassig: Häftlinge stellen Forderungen

Auch wenn es laut Justizministerium keinen direkten Zusammenhang zwischen den verschärften Haftbedingungen in Schrassig wegen der Corona-Pandemie und den Unruhen von Mittwochabend gibt, stellen die Häftlinge genau in diesem Kontext Forderungen.

(str) - Zwei Jahre nach den Unruhen in der Haftanstalt Schrassig im Frühjahr 2018 war es am Mittwochabend erneut zu gewaltsamen Übergriffen gekommen – überraschend, wie es aus dem Gefängnisumfeld heißt. 

LW-Informationen zufolge hatten rund 20 Personen in einem Zellenblock randaliert, die Einrichtung zerstört und vereinzelt Feuer angezündet. Die betroffenen Räumlichkeiten sind in der Folge unbewohnbar. Dieser Sachverhalt wurde auf Nachfrage hin nicht von der Gefängnisverwaltung kommentiert.     


Lokales,Centre penitentiaire,Prison, Schrassig, Gefängnis. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Randale in Schrassig
Am Mittwoch kam es in der Vollzugsanstalt in Schrassig zu Unruhen, nachdem mehrere Häftlinge sich geweigert hatten, in ihre Zellen zu gehen.

In einer am späten Donnerstagnachmittag versandten Pressemitteilung beschränken sich die Behörden darauf, zu bestätigen, dass es einen gewaltsamen Vorfall gegeben habe und dieser gemeinsam von der Wärtereingreiftruppe GRIP und der Polizeispezialeinheit beendet wurde. Niemand sei verletzt worden, doch habe es hohen Materialschaden gegeben. Gegen die verantwortlichen Häftlinge seien die vom Gesetz vorgegebenen Maßnahmen ergriffen worden. 

LW-Informationen sind die Hauptforderungen der Insassen die gleichen wie damals 2018: Teil davon sind ausgedehntere Besuchsrechte und verkürzte Haftstrafen. In der Pressemitteilung des Justizministeriums findet sich das nicht wieder. 


Gefängnis Schrassig , Centre pénitentiaire de Schrassig , strafvollzug , Prison , Justice , Justiz  - Prisonnier - Gefangener  - Détention provisoire - einzelhaft - Gefängniswärter - gardien de prison - gefängnisstrafe - prisong -   - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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Im Kommuniqué wird hingegen betont, dass die Ausschreitungen in der Strafvollzugsanstalt in keiner direkten Verbindung zu den verschärften Haftbedingungen im Kontext der Covid-19-Pandemie stehen. Allerdings spielen diese bei den Forderungen der Insassen dann doch scheinbar eine entscheidende Rolle - denn auch oder vielleicht auch besonders hinter Gefängnismauern sorgt das Corona-Virus für Nervosität.

Vorzeitige Entlassungen wegen Corona 

Wie aus dem Schreiben hervorgeht stellen die Gefangenen etwa eine Serie von Forderungen in Bezug auf den Vollzug der Haftstrafen und insbesondere im Zusammenhang mit vorzeitigen Entlassungen und Strafaufschüben. Inspiriert von Geschehnissen im Ausland gebe es Forderungen nach vorzeitigen Entlassungen als Mittel, die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Das sei in Luxemburg zwar auch ins Auge gefasst worden, jedoch nur im Falle einer Überbelegung. Das sei derzeit aber nicht der Fall. 

Masken für Häftlinge 

Forderungen gebe es zudem auch in Bezug auf Hygienemaßnahmen. So wünschten sich die Häftlinge im aktuellen Kontext ebenfalls, genau wie die Wärter, mit klinischen Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgestattet zu werden. Wie es heißt, würden in der Haftanstalt von Donnerstag an eigene Schutzmasken hergestellt. 

Eingeschränkte Besuche 

Weitere Forderungen würden den Kontakt zu Außenwelt betreffen. Dieser ist wegen der Corona-Krise stark eingeschränkt. Häftlingsbesuche finden derzeit nicht statt. Deswegen versuche man, die Telefon- und Videokonferenzmöglichkeiten auszubauen, heißt es vom Justizministerium, wobei dem Familienkontakt den Forderungen der Häftlinge entsprechend Vorrang gewährt werde. Zudem bemühe man sich, die bisherigen zeitlichen Einschränkungen auszudehnen. 

Fehlende Freizeitbeschäftigung

Die Insassen hätten zudem auch Forderungen in Bezug auf die Freizeitgestaltung gestellt. Um derzeitige Einschränkungen zu kompensieren, hätten sie die Bereitstellung von weiterem Freizeitmaterial gefordert. Derzeit befasse man sich auch in diesem Punkt mit einer Lösungsfindung, betont das Ministerium.

Parallel zu den Geschehnissen in Schrassig gab es am Mittwochabend auch im Gefängnis von Arlon (B) Unruhen. Diese standen belgischen Medien zufolge in direktem Zusammenhang mit den verschärften Haftbedingungen wegen der Corona-Pandemie. 20 Häftlinge verweigerten aus Protest den Zelleneinschluss und zündeten kleinere Feuer im Gefängnishof an. Bereits am Montag war es im belgischen Marche-en-Famenne im gleichen Kontext zu Ausschreitungen gekommen.

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