Unregelmäßige Abrechnungen in der Polizeischule: Drei gegen einen
(SH) - Zwischen 2007 und 2009 soll es bei der Abrechnung der Gehälter von Mitarbeitern der Polizeischule zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Deshalb müssen sich seit Dienstag vier Personen vor Gericht verantworten. Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses kamen am Mittwoch die Angeklagten zu Wort. Dabei kam es zu Widersprüchen zwischen den Aussagen des ehemaligen Direktors der Schule und den drei weiteren Angeklagten.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob es eine Absprache zwischen Jacques Klein und Joseph B., dem Beamten, der sich um einige Abrechnungen kümmerte, gegeben hatte bezüglich der Bezahlung von Gabrielle Z.. Da die Lebensgefährtin von Joseph B. über keine Zulassung verfügte, sollen die von ihr geleisteten Stunden über die Abrechnung von Roger H., einem Polizeibeamten im Ruhestand, der jedoch weiterhin Kurse an der Polizeischule leitete, bezahlt worden sein. Insgesamt soll es sich um rund 6600 Euro gehandelt haben.
Pizza statt Geld
"Ich wollte nicht, dass Gabrielle Z. auf die Liste des Lehrpersonals kommt", begründete Jacques Klein seine Entscheidung, keine Zulassung für die Frau von Joseph B., die bei Verkehrsübungen regelmäßig als Statistin zum Einsatz kam, zu beantragen.
Er sei gegen die Vetternwirtschaft, habe sich jedoch nicht dagegen ausgesprochen, dass Gabrielle Z. weiterhin auf freiwilliger Basis an den Übungen teilnehmen würde. "So wie es mir erklärt wurde, machte ihr die Teilnahme an den Übungen Spaß. Für mich war daher klar, dass sie weiter machen könne, ohne Geld dafür zu bekommen, oder eben nicht mehr kommen solle", so der ehemalige Direktor weiter, der zudem betonte: "Dass sie bezahlt wurde, wusste ich nicht."
Da ihm erklärt worden war, dass die Rolle von Gabrielle Z. mit der von Robert H. zusammenhänge, hätte er gesagt, dass Roger H. sie ja gelegentlich zu einer Pizza einladen könne. Von einem Abkommen zwischen ihm und Joseph B., dass die Stunden von Gabrielle Z. über die Abrechnung von Robert H. laufen sollten, wollte er jedoch nichts wissen.
Ein Gespräch im Treppenhaus
Im Widerspruch hierzu stehen die Aussagen von Joseph B.. Seine Frau habe 2004 erstmals ausgeholfen, als er einen Kurs organisieren sollte, ihm jedoch Personal abgesprungen war. Wohl hätte sie dies zu Beginn ohne Bezahlung gemacht. Dann sei es jedoch bei einer Übung beinahe zu einem Unfall gekommen. Daraufhin habe er den Schuldirektor darum gebeten, eine Zulassung für Gabrielle Z. zu beantragen, damit diese versichert sei. Dies habe Jacques Klein abgelehnt, es sei jedoch zu einer Absprache gekommen, dass sie über die Abrechnung von Roger H., einem Freund des Paares, wenigstens für ihre Stunden bezahlt werden sollte.
Das Abkommen soll in der Folge bei einem Telefongespräch zwischen Joseph B. und Jacques Klein in Präsenz der Sekretärin der Polizeischule bestätigt worden sein, dies hatte Letztere am Dienstag vor den Richtern bezeugt.
Zudem soll es im Treppenhaus der Schule zwischen den vier Angeklagten zu einem Gespräch gekommen sein, in dem der Direktor gefragt hätte, ob es mit der Bezahlung klappen würde. Dies bestätigten drei der vier Angeklagten. Lediglich Jacques Klein erinnerte sich nicht mehr an dieses Gespräch.
Späte Einsicht
Dass sie falsch gehandelt haben, wurde Gabrielle Z. und Roger H. erst bewusst, als die Ermittlungen begannen. "Ich war naiv und dachte, es wäre schon in Ordnung, wenn der Direktor zugestimmt hat", meinte Roger H., der selbst jedoch nicht bei Jacques Klein nachfragte. Gabrielle Z. betonte unterdessen: "Ich dachte mir, dass die Polizei schon weiß, was sie macht."
Der Prozess wird am Freitag fortgeführt.
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