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Unfallfahrer drohen sechs Monate Haft
Lokales 19.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess

Unfallfahrer drohen sechs Monate Haft

Es waren grauenvolle Bilder, die sich am Abend des 25. Oktobers 2012 den Rettungskräften auf der A1 unweit der Ausfahrt Senningerberg boten.
Prozess

Unfallfahrer drohen sechs Monate Haft

Es waren grauenvolle Bilder, die sich am Abend des 25. Oktobers 2012 den Rettungskräften auf der A1 unweit der Ausfahrt Senningerberg boten.
Marc Wilwert
Lokales 19.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess

Unfallfahrer drohen sechs Monate Haft

Am Donnerstag fand vor dem Bezirksgericht Luxemburg der Prozess gegen den Unfallfahrer Leonardo V. statt, der im Oktober 2012 für den Tod einer schwangeren Frau verantwortlich war, nachdem er mit seinem Wagen mit dem Auto des Opfers zusammengestoßen war.

(mth) - Es waren grauenvolle Bilder, die sich am Abend des 25. Oktobers 2012 den Rettungskräften auf der A1 unweit der Ausfahrt Senningerberg boten: Auf der rechten Spur in Richtung Luxemburg liegen zwei Autowracks. Aus einem roten Kleinwagen können die Feuerwehrleute nur noch die Leiche einer 29-jährigen Frau bergen. Für die Schwangere und ihr ungeborenes Kind kommt jede Hilfe zu spät.

Nach einer Panne war sie auf der rechten Spur liegen geblieben und hatte die Standspur nicht mehr erreicht. Ungeklärt ist bis heute, warum sie das Fahrzeug nicht verlassen und sich hinter der Leitplanke in Sicherheit gebracht hatte. Möglicherweise hatte sie keine Zeit dazu, bevor ihr Fahrzeug von einem zweiten Auto erfasst und vollständig zerstört wurde.

Am Donnerstag fand vor dem Bezirksgericht Luxemburg der Prozess gegen den Unfallfahrer Leonardo V. statt – ohne den Beschuldigten, der zur Gerichtssitzung nicht erschienen war. V. hatte nach dem Unfall, bei dem er selbst ernsthaft verletzt wurde, ausgesagt, er habe das Pannenfahrzeug „erst im allerletzten Moment gesehen“ und demnach nicht mehr ausweichen können.

Eine Darstellung, die ihn in den Augen der Staatsanwaltschaft nicht entlastet. Die Anklage lautet auf Totschlag sowie grobe Fahrlässigkeit im Straßenverkehr. Ein Sachverständiger geht im Unfallbericht von einer hohen Aufprallgeschwindigkeit zwischen 80 und 100 km/h aus. Daher sei plausibel, dass der mutmaßliche Unfallverursacher vor der Kollision mit wesentlich höherer Geschwindigkeit gefahren sei.

Zudem widersprechen die Aussagen eines Zeugen, der am Donnerstag aussagte, der Darstellung des Angeklagten: Der junge Mann hatte kurz vor dem Unfall das Auto des Opfers gesehen und hatte angehalten, um die herannahenden Fahrzeuge zu warnen und seine Hilfe anzubieten. Er kam zu spät und musste sich bei dem Zusammenstoß selber durch einen Sprung über die Leitplanke retten. Laut Polizeibericht waren zudem die Warnblinker des Wagens des Opfers an.

Grobe Fahrlässigkeit
 und überhöhte Geschwindigkeit

Für die Staatsanwaltschaft ist daher erwiesen, dass der Verursacher der Kollision grob fahrlässig handelte, sowohl durch mangelnde Aufmerksamkeit wie durch überhöhte Geschwindigkeit. Die Strafforderung ist demnach auch hoch: sechs Monate Gefängnis auf Bewährung, sowie ein fünfjähriges Fahrverbot drohen dem Beschuldigten. Die Familie des Opfers fordert eine Entschädigungssumme von insgesamt 100.000 Euro. Das Urteil ergeht am 23. April.


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