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Unfall oder versuchter Totschlag?
Lokales 16.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Zöllner überfahren

Unfall oder versuchter Totschlag?

Am 18. Oktober 2013 fuhr Jérémy L. einen Zollbeamten auf der Aire de Capellen um.
Zöllner überfahren

Unfall oder versuchter Totschlag?

Am 18. Oktober 2013 fuhr Jérémy L. einen Zollbeamten auf der Aire de Capellen um.
Foto: Feller Tania/LW-Archiv
Lokales 16.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Zöllner überfahren

Unfall oder versuchter Totschlag?

Michel THIEL
Michel THIEL
Jérémy L. überfuhr im Oktober 2013 bei einer Kontrolle auf der Aire de Capellen einen Zöllner, der beinahe an seinen schweren Verletzungen starb. In erster Instanz wurde er zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Heute fällt das Urteil in zweiter Instanz.

(mth) - In erster Instanz wurde Jérémy L. am vergangenen 10. November zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt. Die Richter hatten ihn für schuldig befunden, in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2013 anlässlich einer Kontrolle auf der Aire de Capellen einen Zollbeamten überfahren zu haben. Dieser wurde schwer verletzt und hatte den Unfall nur knapp überlebt.

Heute wird das Urteil in zweiter Instanz am Appellationshof erwartet. Hier darf L. auf eine Strafminderung hoffen, nachdem der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft nur noch acht Jahre Haft ohne Bewährung, eine Geldstrafe, sowie ein fünfjähriges Fahrverbot gefordert hatte.

Im Mittelpunkt des Verfahrens hatte auch in zweiter Instanz die Frage gestanden, ob L. den Zollbeamten mit Absicht um gefahren und so dessen Tod billigend in Kauf genommen hatte. Dies würde den Tatbestand eines versuchten Totschlags erfüllen. Genau daran bestehen jedoch auch nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft berechtigte Zweifel, die in diesem Fall zugunsten des Angeklagten ausgelegt werden müssen.

Zöllner übersehen oder absichtlich angefahren?

Die Anwälte des Angeklagten hatten stets betont, dass ihr Mandant beim Versuch, der Kontrolle zu entkommen, aus reinem Reflex gehandelt habe. Er habe den Zollbeamten bei dessen Versuch, eine Nagelsperre vor seinem Wagen aus zu bringen, lediglich übersehen und unbeabsichtigt angefahren.

Eine Darstellung, welcher die Richter in erster Instanz allerdings keinen Glauben geschenkt hatten. Sie hatten sich in ihrem Urteil der Staatsanwaltschaft angeschlossen, dass Jérémy L. den Zöllner mit seiner reflektierenden Sicherheitsweste hätte sehen müssen. Er habe diesen jedoch mit Absicht um gefahren, um sich einer Kontrolle zu entziehen.

Für diese Darstellung spreche die Tatsache, dass er offenbar versucht habe, nach dem Zwischenfall die Spuren des Zusammenstoßes zu beseitigt und einen Fluchtversuch nach Serbien plante, bevor er sich einen Tag später der Polizei stellte. In zweiter Instanz hatte die Anklage diese Version allerdings verworfen und nur noch die Tatbestände des Widerstands gegen die Staatsgewalt, der schweren Körperverletzung ohne Vorsatz, der Fahrerflucht, der unterlassenen Hilfeleistung sowie des Fahrens ohne Führerschein schuldig gemacht.


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