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Unesco: Bürgerbefragung in den Startlöchern
Lokales 2 Min. 05.02.2019

Unesco: Bürgerbefragung in den Startlöchern

Die früheren Tagebaugebiete, die heute unter Naturschutz stehen, könnten die Kerngebiete des Biosphärenreservats bilden.

Unesco: Bürgerbefragung in den Startlöchern

Die früheren Tagebaugebiete, die heute unter Naturschutz stehen, könnten die Kerngebiete des Biosphärenreservats bilden.
Foto: Foto: Nicolas Anen
Lokales 2 Min. 05.02.2019

Unesco: Bürgerbefragung in den Startlöchern

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Die Südregion will ihren Unesco-Titel. Bevor die Kandidatur für das "Man and Biosphere"-Programm eingereicht wird, findet aber erst einmal eine Bürgerbefragung in den elf betroffenen Gemeinden statt.

Läuft alles nach Plan, wird die Südregion im September ihre Kandidatur bei der Unesco einreichen, um in das Programm "Man and Biosphere" (MAB) aufgenommen zu werden. Konkret geht es um die elf ProSud-Gemeinden (siehe unten).

Um deren Einwohnern zu erklären, was auf sie zukommt, sind in den kommenden Wochen elf Informationsversammlungen, jeweils eine in jeder Gemeinde, vorgesehen. Die erste findet am 13. Februar in Differdingen statt, die letzte am 3. April in Sassenheim.

Kein Naturschutzprogramm

Das Unesco-Programm ist kein Naturschutzprogramm, stellte am Dienstag Simone Beck, Vorsitzende der luxemburgischen Unesco-Kommission, bei Gelegenheit einer Pressekonferenz klar. Naturschutzzonen bestehen schon im Süden, vor allem in den früheren Tagebaugebieten.

Ziel des MAB-Programms sei es, Schutz der Natur mit wirtschaftlicher Entwicklung in Einklang zu bringen. Es gehe um den Einfluss des Menschen auf die Natur und wie die Natur sich ehemalige Industriegebiete zurückerobert.

Ein ausländischer Experte, der sich die Lage im Vorfeld angesehen habe und der anfangs Zweifel am Vorhaben hegte, sei nach zwei Tagen in der Südregion begeistert gewesen, erzählte Simone Beck weiter. Denn hier sei auf einer überschaubaren Fläche anschaulich, wie sich ein Gebiet aus der vorindustriellen Zeit in das Industriezeitalter weiterentwickelt hat. Und wie es nun in die heutige postindustrielle Zeit fortgeschritten ist.

Identifizierung mit der Südregion

Für die Region bringe das Unesco-Programm viele Vorteile, erklärte ProSud-Präsident Roberto Traversini. Es soll zum Beispiel den Tourismus ankurbeln: "Es bringt Leute hierher, die sonst nie hierher gekommen wären". Auch sollen regionale Produkte durch das Unesco-Label aufgewertet werden.

Aber es soll auch zu einer besseren Identifizierung der Einwohner mit ihrer Region führen: "Oft reisen wir sehr weit weg, um neue Dinge zu entdecken. Dabei gibt es so vieles vor unserer Haustür".

Sind die elf Informationsversammlungen abgeschlossen, wird das Büro "Yellow Ball" Richtlinien formulieren, die in die Akte einfließen sollen. So wird sich erwartet, dass die Bürger in den Informationsversammlungen auch Denkanstöße geben. "Das können ganz konkrete Ideen, aber auch Träume sein", so Jan Glas von Yellow Ball.

Ein "Red Rock Trail"

Bis Juni sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Dann werden die elf Gemeinderäte über das Projekt abstimmen müssen. Bis dorthin gebe es aber noch reichlich viel Arbeit, hieß es am Dienstag. So wurden fünf Arbeitsgruppen ins Leben gerufen.

Die Arbeitsgruppe Eise Stol ist dabei ein Inventar über Kulturgut aufzustellen. In einer anderen Arbeitsgruppe wird ein "Red Rock Trail" ausgearbeitet. Dabei handelt es sich um einen Weg durch das gesamte Gebiet. Vorgesehen sind auch Übernachtungsmöglichkeiten an originellen Orten. 

Auch sollen ein oder mehrere Besucherzentren eröffnen. Wo diese entstehen, darauf wollte sich am Dienstag noch keiner festlegen. Angedacht ist, dass das ProSud das MAB-Programm später verwalten könnte.

Dafür braucht es aber vorerst noch eine Zusage von der Unesco. Im September soll die Kandidatur eingereicht werden. Dafür kann die Südregion auch auf die Unterstützung der Regierung zählen. So haben am Dienstag gleich zwei Minister, Sam Tanson und Claude Turmes, den Weg zur Pressekonferenz in den Ellergronn in Esch/Alzette gefunden.

Mit einer Entscheidung vonseiten der Unesco ist für Frühjahr 2020 zu rechnen. Erst dann wird man wissen, ob die Südregion in das MAB-Programm aufgenommen wird. Derzeit gibt es weltweit 669 solcher Unesco-Biosphärenreservate in 120 Länder.


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visite du "Giele Botter" - en présence de Madame Carole Dieschbourg Ministre de l'Environnement - Differdange  29.05.2015 - © claude piscitelli