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Unerwünschte Post: „Spam“ von den Impfkritikern
Das Informationsmaterial, das Aegis an junge Eltern verschickt.

Unerwünschte Post: „Spam“ von den Impfkritikern

Foto: LW
Das Informationsmaterial, das Aegis an junge Eltern verschickt.
Lokales 2 Min. 19.10.2016

Unerwünschte Post: „Spam“ von den Impfkritikern

Michel THIEL
Michel THIEL
Ein Verein, der sich gegen die angeblichen Gefahren von Impfungen stark macht, verschickt systematisch Informationsmaterial an junge Eltern. Die Adressen beschafft er sich aus Geburtsanzeigen. Das ist legal, sorgt aber im Gesundheitsministerium für Ärger.

(mth) - Tom W.* war zunächst erstaunt, als er vor wenigen Wochen den Briefkasten öffnete. Darin lag ein Umschlag, der an ihn und seine Partnerin adressiert war. Er enthielt zwei Broschüren mit impfkritischen Informationen sowie ein Beitrittsformular für den gemeinnützigen Verein „Aegis Luxembourg“.

Ein 1997 unter dem Namen „Impf-Informatioun“ gegründeter Verein, der sich der öffentlichen Information über die angeblichen Gefahren des Impfens verschrieben hat und wie die Impfkritiker-Szene weltweit Informationen verbreitet, die von offizieller Seite nicht wissenschaftlich belegt sind.

„Typische Anti-Impf-Propaganda, getarnt als seriöse Information“, so Tom W., der besonders empört darüber ist, dass der Verein seine Adresse offenbar aus einer Geburtsanzeige hatte, die kurz nach der Geburt seines Kindes veröffentlicht worden war.

„Wir wollen nur informieren“

Dass dem tatsächlich so ist, bestätigt Aegis-Vorsitzende Colette Welter auf Nachfrage: „Ja, wir beziehen die Adressen aus öffentlichen Anzeigen in der Zeitung“. Und nein, sie finde dies keinesfalls verwerflich, denn „im Gegensatz zu vielen Unternehmen, die das auch so machen, ziehen wir ja keinen finanziellen Vorteil daraus.“ Man wolle lediglich junge Eltern über die „Gefahren informieren, die das Impfen mit sich bringt“.

Eine Position, die Dr. Jean-Claude Schmit, Direktor des Gesundheitsamts, kritisch sieht: „Die Informationen, die dort verbreitet werden, sind aus unserer Sicht einfach nicht korrekt. Wir raten dem Bürger, sich in jeglichen Fragen an den Hausarzt ihres Vertrauens zu wenden.“ Tun könne man allerdings nichts gegen die Kampagne, so Schmit: „Wir wissen, dass Aegis diese Informationen an Eltern verschickt, deren Adresse in der Zeitung veröffentlicht wurde und wollten dagegen vorgehen. Es hat sich leider herausgestellt, dass es keine rechtliche Handhabe dagegen gibt“.

Desinformation, die Angst verbreitet

Tatsächlich enthält das Informationsmaterial von Aegis eine Reihe von Behauptungen, die von Impfkritikern weltweit verbreitet werden: Impfen sei allgemein schädlich, verursache chronische Krankheiten und sei zudem völlig wirkungslos. Alles Aussagen, die nach dem heutigen Stand der Wissenschaft haltlos sind, aber bei manchen Menschen ganz real Angst erzeugen.

Auf diesen Umstand hin angesprochen rechtfertigen die Impfkritiker sich immer auf dieselbe Weise: Ärzte und Regierung stünden unter dem Einfluss der „Pharmalobby“, ebenso wie die Presse, falls diese die Impfkritiker bloßstelle.

Laut Datenschutzkommission ist es legal, öffentlich verfügbare Adressen aus Anzeigen für Werbezwecke zu benutzen, wie CNPD-Mitglied Thierry Lallemang erklärt: „Natürlich werden diese persönlichen Informationen sozusagen zweckentfremdet. Illegal ist das aber nicht. Die Adressaten haben allerdings durchaus das Recht, den Absender aufzufordern, solche Briefsendungen in Zukunft zu unterlassen.“

*Name von der Redaktion geändert.


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