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... und ich verkündige euch eine große Freude
Lokales 26.04.2012 Aus unserem online-Archiv

... und ich verkündige euch eine große Freude

Premier Juncker hatte diesmal etwas anderes anzukündigen als Sparmaßnahmen und Budgetbeschränkungen. Die neue Rolle machte ihm zunehmend Spaß.

... und ich verkündige euch eine große Freude

Premier Juncker hatte diesmal etwas anderes anzukündigen als Sparmaßnahmen und Budgetbeschränkungen. Die neue Rolle machte ihm zunehmend Spaß.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 26.04.2012 Aus unserem online-Archiv

... und ich verkündige euch eine große Freude

Bei seiner eilig einberufenen Pressekonferenz – ein höchst seltenes Ereignis – musste Staatsminister Juncker diesmal in eine für ihn ungewohnte Rolle schlüpfen und den Überbringer der freudigen Nachricht aus dem europäischen Hochadel geben.

Von Volker Bingenheimer

Bei seiner eilig einberufenen Pressekonferenz – ein höchst seltenes Ereignis – musste Staatsminister Juncker diesmal in eine für ihn ungewohnte Rolle schlüpfen und den Überbringer der freudigen Nachricht aus dem europäischen Hochadel geben. Dass zu dieser Rolle seine übliche grimmige Miene nicht passen wollte, hatte der Premierminister bald selbst gemerkt.

Bei den Pressebriefings nach dem Regierungsrat ist der Ablauf immer der gleiche. Juncker tritt mit einem mürrischen Gesicht vor die Presse, damit jeder weiß: Die Lage ist noch ernster, als wir alle dachten. Als Juncker am Donnerstag verfassungsgemäß die Verlobung des Erbgroßherzogs anzukündigen hatte, musste er auf eine ganz andere Tonlage zurückgreifen.

Nachdem Juncker im gewohnten Stil angehoben hatte, schien er im Laufe des 20-minütigen Vortrags selbst zu merken, dass es hier um etwas ganz anderes ging, als die Schweiß-und-Tränen-Reden, die sonst im Presseraum des Staatsministeriums erklingen. Zunehmend taute Juncker auf und würzte seine Ankündigung zur Überraschung der Journalisten mit ganz persönlichen Glückwünschen an das adelige Paar. So gratulierte er Guillaume zum Beispiel zu seinem "exzellente Choix" und lobt seine Zukünftige Stéphanie. Sie habe "alle Qualitäten des Geistes und des Herzens", um einmal Großherzogin zu werden. Juncker schließt mit den Worten: "Die zwei passen zusammen."

Sichtlich genervt reagiert er auf die recht prosaischen Fragen der Journalisten, die die romantische Stimmung rasch zunichte machen. Die Medienleute wollen zum Beispiel wissen, ob zur Hochzeit ein nationaler Feiertag ausgerufen wird. Ein Kollege erdreistet sich zu fragen, ob Finanzminister Frieden die Kosten für die Hochzeit schon ausgerechnet hätte oder ob das freudige Ereignis gar unter "Finanzierungsvorbehalt" stehe.

Juncker – ganz Royalist – wischt die Einwände mit einer Handbewegung weg. "Das ist heute meine geringste Sorge", meint er und will lieber von den "stundenlangen Gesprächen" erzählen, die er mit Stéphanie de Lannoy geführt hat. Als Staatsmann hat er auch schnell eine hochtrabende Formulierung parat: "Dies ist eine gute Nachricht in einer Zeit, die sonst nicht so schön ist".


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