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... und hier drückt der Schuh (II)
Lokales 7 Min. 07.10.2013 Aus unserem online-Archiv

... und hier drückt der Schuh (II)

... und hier drückt der Schuh (II)

Lokales 7 Min. 07.10.2013 Aus unserem online-Archiv

... und hier drückt der Schuh (II)

Vor der Diskussionsrunde des „Luxemburger Wort“ mit den Wahl-Kandidaten an diesem Dienstag um 17.30 Uhr im Musikkonservatorium hier die Fragen der Wort-Leser an die Politik zu den Themen Demokratie und Wahlen, Bildung und Hochschule, Arbeit und Soziales.

Am Dienstag organisieren das „Luxemburger Wort“ und wort.lu eine „Elefantenrunde“ mit den Spitzenkandidaten bei den Wahlen. Beginn um 17.30 Uhr im Musikkonservatorium. Zuvor hat die Redaktion den Puls der Wähler gefühlt. Was möchten Sie Jean-Claude Juncker, Claude Meisch, Etienne Schneider und François Bausch fragen? Lesen Sie hier den zweiten Teil des Fragenkatalogs der Wort-Leser.

Da das Interesse der Leser an dieser Frageaktion dermaßen groß war, wird es unmöglich sein, am Dienstag den vier Spitzenkandidaten alle Fragen der Leser zu stellen. Dennoch werden unsere Journalisten bei der Debatte die Themen, die die Leser derzeit am meisten beschäftigen, in ihre eigenen Fragen an die Kandidaten miteinfließen lassen.

Demokratie und Wahlen

  • Ein Leser, der bereits zum fünften Mal in seinem Leben vor die Urnen schreitet, bedauert, dass er sich wegen der Wahlbezirke noch nie zu allen Politikern äußern konnte. Warum brauchen wir in einem kleinen Land Wahlbezirke? Dieser Leser bemerkt auch, dass nachher bei der Ernennung von Ministern in der Regierung ebenfalls die Bezirke berücksichtigt werden, wobei dann nicht die Kompetenz der Minister gefragt ist, es wird einfach nur die Logik der Bezirke angewandt, was eigentlich unproduktiv ist.
  • Warum wollen Parteien partout das Wahlalter auf 16 Jahre herabsenken? Gehirnforscher haben herausgefunden, dass das menschliche Gehirn erst mit 21, 22 Jahren voll ausgereift ist. Andere Studien belegen, dass sich Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren nur sehr wenig mit Politik beschäftigen wollen.
  • Nicht nur in südeuropäischen Ländern ist Vetternwirtschaft eine Geißel. Wie wollen Sie mehr Transparenz in die Politik und in den Staat einbringen?
  • Einem Leser fällt auf, dass die Staatsbeamten und die Angestellten von parastaatlichen Unternehmen auf den Wählerlisten überrepräsentiert sind. Laufen wir so nicht die Gefahr, dass die Lobby der Staatsbeamten in der Politik noch weiter wächst?
  • Das Geld, das in Luxemburg die Politik ausgibt, wird hauptsächlich von Ausländern erwirtschaftet, die aber nicht an den Wahlen teilnehmen dürfen. Wo nehmen wir in Zukunft das Geld her, um die hohen Beamtenpensionen zu zahlen?
  • Nochmal das Wahlsystem aus der Sicht eines Einwohners aus dem Norden, der sich diskriminiert fühlt, da er nur neun von 60 Abgeordneten wählen darf. Diese Bezirksaufteilung stamme doch aus dem Zeitalter der Postkutschen, so der Leser. Seine Frage: Die Grünen wollen das abschaffen, wie stehen die anderen Parteien dazu?

Bildung: Schule und Hochschule

  • Weiß die Politik, dass sich an der Uni Lëtzebuerg immer weniger Schüler aus Schwarzafrika einschreiben können, da eine für sie zu hohe Barriere eingerichtet wurde? Sie müssen beweisen, dass sie monatlich einen Lohn von 80 Prozent des RMG (derzeit 1 070 Euro) beziehen, um sich an der Uni Lëtzebuerg einschreiben zu dürfen. Sollte man nicht zusätzliche Partnerschaften mit Universitäten aus Afrika (bisher gibt es nur zwei, Kapverden und Mali) eingehen? Sollte man nicht auch Stipendien an afrikanische Studenten vergeben und die Einkommensbedingungen von 80 auf 50 Prozent senken? Oder will die Politik eine „white University“?
  • Weiß die Politik, dass die Studentenpaare in Luxemburg kein Recht auf Familienzulagen haben? Die Politik hat dies mit dem Argument, es seien unstabile und provisorische Aufenthalte, abgelehnt. Doch gibt es unter den Studentenpaaren auch Doktoranden, die drei Jahre bei uns sind.
  • Nicht jedes Kind kommt als Kleinkind nach Luxemburg. Weshalb wollen wir kein System mit verschiedenen Laufbahnen, Deutsch, Französisch und Englisch? Hier könnten unsere Privatschulen Vorreiter sein. Mehr Sprachen sprechen statt Grammatik büffeln, wäre sinnvoller.
  • Hochschulstudenten bekommen aktuell 10 000 Euro/Jahr, an keine Bedingungen geknüpft. Viele junge Leute zahlen jetzt noch an ihrem vor zehn Jahren abgeschlossenen Darlehen zurück. Wäre es nicht richtig diesen jungen Leuten ihr noch übrig bleibendes Darlehen nachzulassen?
  • Warum gibt es ein Unterrichts- und ein Hochschulministerium, wäre es nicht sinnvoller, die ganze Bildung in einem Ministerium zu organisieren?
  • Wie ist es möglich, dass wir viele neue Arbeitsplätze schaffen, jedoch die Schule die falsch ausgebildeten Schulabgänger liefert?
  • Die Jugend ist die Zukunft des Landes. Dennoch verlassen viele die Schule ohne Abschluss. Sollte nicht auch eine Bewertung der Lehrer durch die Schüler stattfinden? In allen Betrieben gibt es Bewertungen der Arbeitnehmer, nur nicht im Schulbetrieb.
  • Warum funktioniert unser Schulsystem nach Schuljahren und nicht nach Schulfächern? Man verspielt ein Jahr Schule, nur da man ein Schulfach nicht schafft.
  • Müsste die Schulreform nicht in die Richtung verbessert werden, dass für die Ausbildung der Techniker wieder ein Punktesystem und ein Abschlussexamen eingeführt wird, damit diese Schüler wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen?
  • Sollte in der Schule nicht auch über die hohe Durchfallquote bedingt durch die Mathematik (und nicht nur durch die Sprachen) nachgedacht werden? Vielen Schülern breche dies das Genick, dabei lernten sie in der Mathematik Dinge, die sie je nach Beruf nie mehr in ihrem Leben gebrauchen werden.
  • Laut CSV-Wahlprogramm wird der Religionsunterricht im Sekundarwesen abgeschafft. Was sind die Gründe im Einzelnen, dass Sie, Herr Juncker, den Schülern mit ihren Eltern die Wahl zwischen Religions- und „breitem“ Werteunterricht verweigern? Ist Ihnen bekannt, dass selbst die von der SPD regierten Städte Hamburg und Bremen den Religionsunterricht ausweiten, indem sie per Staatsvertrag einen Religionsunterricht an Schulen für Muslime ermöglichen?
  • Riskiert die CSV nicht, mit der Abschaffung des Religionsunterrichts im Sekundarunterricht treue Wähler zu verlieren?
  • Ist der Politik klar, dass wenn sie in der Grundschule einen zweiten Unterricht nur in französischer Sprache einführt, dass wir dann riskieren, Sprachenstreit zu bekommen wie in Flandern, wo in verschiedenen Gemeinden Wallonen leben?

Arbeit und Soziales

  • Ein Firmenchef einer Baumschule und Gartenbaufirma mit 14 Angestellten stellt die Arbeitszeiten in Frage. Jedes Jahr wird sein Unternehmen Opfer des so genannten „Chômage intempéries“, der den Staat und den Arbeitgeber viel Geld kostet. Warum sollte man solchen Unternehmen nicht die Arbeitszeit aufs Jahr berechnen? Könnten wir während 20 Wochen im Jahr an sechs Arbeitstagen arbeiten, dann könnten wir im Winter während vier Wochen den Betrieb schließen, und das ohne zusätzliche Kosten für Staat und Arbeitgeber und ohne Einkommensverlust für den Arbeitnehmer, so dieser Firmenchef.
  • Frauen im Rentenalter verfügen über die kleinsten Renten, da sie keine vollständigen Berufskarrieren haben, derweil sie ihre Kinder erzogen haben. Es gab damals weder Kinderhorte noch Kantinen noch Chèques-Service. Bei einer Rente von 1 000 Euro macht eine Indextranche 25 Euro aus. Bei einer Rente von 5 000 Euro sind es 125 Euro. Wo bleibt da die Gleichheit vor dem Gesetz und wie wollen Sie das beheben?
  • Werden die Modalitäten des RMG verändert, um eine Gerechtigkeit zum Mindestlohnempfänger herzustellen?, fragt ein Leser. Er findet es ungerecht, dass RMG-Empfänger gratis Busfahren dürfen und ihre Kinder bevorzugt in die Kindertagesstätten aufgenommen werden, während Mindestlohnempfänger, die nicht viel mehr Einkommen haben und trotzdem arbeiten, kein Recht darauf haben.
  • Will die Politik eine gerechte Steuertabelle einführen, bei der Alleinerziehende nicht mehr benachteiligt werden? Sie werden fast wie Junggesellen besteuert, müssen sich aber um eine Kinderbetreuung und Kindererziehung bemühen.
  • Ein Leser befragt Wirtschaftsminister Etienne Schneider zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: Ihre Jugendvertreterin hat vor Studenten in einem Lyzeum bekundet, dass man jugendlichen Arbeitslosen eine Arbeit anbieten muss, auf die sie Lust haben. Werden diese Gelüste bei der Adem erfasst?
  • Wie soll eine Armutsbekämpfung stattfinden, wenn 80 Prozent der Beitragszahlenden im Privat-Sektor (Statistik der Sozialversicherung) zwischen 1 700 und 2 700 Euro monatlich verdienen bei Mietpreisen von bis 1 000 Euro monatlich und bei Pensionen von 75 Prozent des Gehalts, was dann 1 275 und 2 025 Euro monatlich ausmacht?
  • Wollen die Kandidaten und ihre Parteien an der so genannten „Mammerent“ festhalten? Wenn nicht, warum nicht?
  • Wäre es angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen in Luxemburg nicht angebracht, ein allgemeines Grundeinkommen für Jedermann einzuführen ?
  • Zum Index meint ein Leser, dieser sei nicht sozial, ungerecht, diskriminierend und eine Schande. Er trage dazu bei, dass der Graben zwischen Reichen und Armen in der Gesellschaft noch größer werde. Seine Frage: Warum den Index nicht auf Basis eines mittleren Gehalts berechnen und jedem dasselbe als Lohnausgleich zukommen lassen?
  • Wie kann verhindert werden, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Welche Maßnahmen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen?

Fortsetzung folgt!


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wo drückt der Schuh? Im Vorfeld der vom "Luxemburger Wort" organisierten Diskussionsrunde zwischen Spitzenpolitikern am kommenden 8. Oktober haben wir dem Leser den Puls gefühlt. Hier die Fragen der Wort-Leser an die Politik (Teil 1)