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Umzug der Uni nach Esch: Freude in Belval, Sorgen in Walferdingen
Vor einer Woche sind die Studenten der Uni in Belval ins neue Semester gestartet.

Umzug der Uni nach Esch: Freude in Belval, Sorgen in Walferdingen

Foto: Lex Kleren
Vor einer Woche sind die Studenten der Uni in Belval ins neue Semester gestartet.
Lokales 3 Min. 21.09.2015

Umzug der Uni nach Esch: Freude in Belval, Sorgen in Walferdingen

Vor einer Woche haben für rund 2.200 Studierende die Vorlesungen am neuen Campus in Belval begonnen. Während in Esch Aufbruchsstimmung herrscht, sorgen sich am früheren Standort in Walferdingen vor allem Gastronomen wegen der ausbleibenden Kundschaft.

(na/L.E./ks) - Für 2200 Studierende der Fakultät für Sprachwissenschaften und Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften hat am vergangenen Montag das Semester am neuen Standort Esch/Belval begonnen.

In Esch/Alzette ist die Begeisterung über den Zuzug groß. "Der Universitätsstandort bedeutet ein enormen Wechsel für die Stadt Esch", sagt Bürgermeisterin Vera Spautz im Interview. "Er bringt zusätzliche Kaufkraft und wir erwarten und hoffen, dass unsere Geschäftswelt davon profitieren kann." In der Rue de l'Alzette und im Einkaufszentrum Belval Plaza hätten sich neue Läden angesiedelt. Wohnungen für Studierende entstünden.

Esch habe als Universitäts- und Forschungsstandort an Attraktivität gewonnen, auch bei der Ansiedlung von Unternehmen, meint die Bürgermeisterin. Eine Feststellung, die Robert Kocian, Marketingdirektor bei der Planungsgesellschaft Agora, teilt. Seit anderthalb Jahren steige das Interesse an Büroflächen: "Dies deckt sich in etwa mit der Zeit, seitdem die Universität mehr und mehr über ihren Umzug kommuniziert hat." 

2005 noch wenig Begeisterung für Belval

Agora-Direktor Vincent Delwiche erklärt, dass zum Beispiel die Ansiedlung des "Luxembourg centre for systems biomedicine" im Jahr 2011 dazu beigetragen habe, dass das Labor Ketterthill in diesem Jahr nach Belval zog.

Mancher konnte sich nicht vorstellen, dass im 21. Jahrhundert eine Universität nicht mehr wie im Mittelalter im Schatten der Kathedrale sondern auf einer Industriebrache entstehen könnte.

Während sich heute Aufbruchsstimmung im Süden breit macht, war die Begeisterung 2005, als die Wahl auf Belval als neuen Unistandort fiel, eher gering. Der ehemalige Hochschulminister François Biltgen sagt im Interview mit dem "Luxemburger Wort": "Mancher konnte sich nicht vorstellen, dass im 21. Jahrhundert eine Universität nicht mehr wie im Mittelalter im Schatten der Kathedrale sondern auf einer Industriebrache entstehen könnte, zumal da das Areal wirklich brach lag. Und natürlich musste noch vieles geplant und finanziert werden, was natürlich Verzögerungen mit sich brachte. Aber die Entscheidung gewann im Laufe der Zeit immer mehr, und nicht weniger, an Zuspruch."

Gastronomen in Walferdingen sorgen sich um Kundschaft

In Walferdingen, wo nun die universitäre Kundschaft fehlt, machen sich derweil die Gastronomen Sorgen um ihre Zukunft. An dem früheren Uni-Standort hat das Ministerium von Claude Meisch nun einige Bildungsinstitute und Abteilungen angesiedelt. Bürgermeister Guy Arendt hofft, dass die Mitarbeiter und Besucher des sogenannten eduPôle einige ausbleibende Einnahmen wettmachen werden.

Marie Santiago wird die "Walfer Stuff" im nächsten Jahr schließen.
Marie Santiago wird die "Walfer Stuff" im nächsten Jahr schließen.
Foto: Luc Ewen

Unter den Gastronomen ist die Stimmung teils pessimistisch. Toni vom „Café de la Gare“ in Helmsingen fürchtet zwar um die Besucher seiner Terrasse im Sommer, glaubt aber, dass ansonsten vor allem Restaurants betroffen sein werden, die vom Mittagstisch lebten.

Marie Santiago macht ihre "Walfer Stuff" im kommenden Jahr dicht - nach 30 Jahren. "35 bis 40 Prozent von meinem Umsatz am Mittagstisch stammte bisher von der Uni", sagt sie Gastronomin. Als klar gewesen sei, dass Studierende und Uni-Mitarbeiter in den Süden des Landes ziehen, habe sie sich entschieden, die Türen ihres Restaurants für immer zu schließen. Ohne die universitäre Kundschaft könne sie schlicht und ergreifend ihre drei Mitarbeiter nicht mehr bezahlen.

Mehr zum Thema:

- Finden Sie hier unser Dossier zum Umzug der Uni nach Belval.


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