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Umgehungsstraße von Niederkerschen: Michel Wolter: „Verkehr ist kein hausgemachtes Problem“
Lokales 2 Min. 29.07.2014 Aus unserem online-Archiv

Umgehungsstraße von Niederkerschen: Michel Wolter: „Verkehr ist kein hausgemachtes Problem“

Proteste in Sassenheim (Sanem)

Umgehungsstraße von Niederkerschen: Michel Wolter: „Verkehr ist kein hausgemachtes Problem“

Proteste in Sassenheim (Sanem)
Fotos: Tania Feller
Lokales 2 Min. 29.07.2014 Aus unserem online-Archiv

Umgehungsstraße von Niederkerschen: Michel Wolter: „Verkehr ist kein hausgemachtes Problem“

Im Interview mit dem Luxemburger Wort reagiert der Bürgermeister von Käerjeng auf die jüngsten Entwicklungen in Sachen Umgehungsstraße von Niederkerschen.

(L.E.) - „Die Demonstration ist ein Ausdruck der Demokratie, dagegen kann ich nichts sagen, aber die gebrauchten Argumente halten einer kritischen Analyse nicht stand“, so der Bürgermeister von Käerjeng als Reaktion auf die Demonstration vom Donnerstag in Sassenheim.

Eines der anvisierten Argumente ist zum Beispiel jenes, das Problem in Niederkerschen sei hausgemacht, weil hier vieles entlang einer einzigen Straße angesiedelt worden sei. Dass dies die Ursache für die zu hohen Verkehrsbelastungen sei, will Wolter so nicht gelten lassen. Staatliche Messungen hätten ergeben, dass jeden Tag 20.000 bis 23.000 Autos, 1.000 Lastkraftwagen und 600 Busse auf dieser Straße unterwegs sind. Dieselben Messungen hätten laut Wolter ergeben, dass 90 Prozent dieser Bewegungen reiner Durchgangsverkehr, also nicht hausgemacht seien.

„Auch Sassenheimer Bürger kaufen im Supermarkt in Niederkerschen ein, und sie sind von uns aus auch herzlichst willkommen“, so Wolter, der auch darauf hinweist, dass die genannten Zahlen in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen seien. Das Monitoring über Stickstoffoxid habe zudem bewiesen, dass die zulässige Norm um rund 50 Prozent überschritten sei.

„Auch Minister soll sich an Prozeduren halten"

Michel Wolter wundert sich auch über Minister François Bausch. Nach der Protestaktion in der Nachbargemeinde hatte dieser das Projekt der Umgehungsstraße öffentlich in Frage gestellt und in Erwägung gezogen, es aus dem pluriannuellen Plan zu streichen. „Wir befinden uns in der vierten von neun prozeduralen Phasen“, so Wolter. Auch ein Minister müsse sich wie jeder Bürger und Bürgermeister an die Prozeduren halten und könne nicht nach eigenem Gutdünken einfach aus diesen aussteigen, weil ein paar hundert Bürger demonstriert haben.

„Ich kann 1.000 Bürger mobilisieren, wenn ich das möchte. Ich wurde bereits mehrfach darauf angesprochen, doch das ist nicht der Weg, an den ich glaube“, so Wolter.

Michel Wolter glaubt an den gesetzlichen, prozeduralen Weg und stört sich daher auch an der Vorgehensweise der Gemeinde Sassenheim, die am Donnerstag gratis Getränke verteilt hatte und Studenten engagierte, um Unterschriften zu sammeln.

„Ein 30 Jahre altes Versprechen"

Dem Minister wirft Wolter vor, parteiisch zu sein und mit jedem zu reden, nur nicht mit der Gemeinde Käerjeng. So seien mehrere Schreiben unbeantwortet blieben. Nicht zu verstehen sei auch, dass die Umgehungsstraße bei der Vorstellung der sektoriellen Leitpläne noch als Priorität gegolten habe und nun, einen Monat später, vom Minister in Frage gestellt werde.

„Seit 30 Jahren verspricht man uns diese Straße. Die nationale Industriezone haben wir akzeptiert, weil man uns eine zweite Ausfahrt und die Umgehungsstraße versprochen hatte. Die Umgehungsstraße von Sassenheim (Collectrice du Sud, Anmerkung der Redaktion) führt seit Langem über unser Gebiet“, so Wolter abschließend.