Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Umgehungsstraße: Sassenheim kämpft weiter
Lokales 3 Min. 10.10.2019

Umgehungsstraße: Sassenheim kämpft weiter

Kann der Bau der Umgehungsstraße noch gestoppt werden, obwohl ein entsprechendes Gesetz gestimmt wurde? Die Bürgerinitiative Sassenheim will es jedenfalls versuchen.

Umgehungsstraße: Sassenheim kämpft weiter

Kann der Bau der Umgehungsstraße noch gestoppt werden, obwohl ein entsprechendes Gesetz gestimmt wurde? Die Bürgerinitiative Sassenheim will es jedenfalls versuchen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 10.10.2019

Umgehungsstraße: Sassenheim kämpft weiter

Die Bürgerinitiative der Gemeinde Sassenheim will sich weiter gegen den Bau der Umgehungsstraße von Niederkerschen wehren. Sie kritisiert, dass dafür ein 200 Jahre altes Waldstück geopfert werden soll.

Von Raymond Schmit

In Sachen Umgehungsstraße von Niederkerschen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Davon geht zumindest die Bürgerinitiative der Gemeinde Sassenheim aus. 

„Wir werden nicht aufgeben, dagegen zu kämpfen“, versicherte Bianca Leardini im Rahmen einer Informationsversammlung, in der das weitere Vorgehen gegen die ungeliebte Straße im Mittelpunkt stand.

Bereit, vor Verwaltungsgericht zu ziehen

Sukkurs gab es von Rechtsanwalt Olivier Lang. Der Jurist ist davon überzeugt, dass die Bürgerinitiative noch so manchen Trumpf im Ärmel hat, um vor dem Verwaltungsgericht punkten zu können und den Straßenbauern doch noch einen Strich durch die Rechnung zu machen. 

Dass die Umgehungsstraße, die die Nachbarortschaft vom Durchgangsverkehr entlasten soll, in Sassenheim auf wenig Gegenliebe stößt, dafür gibt es mehrere Gründe. 

Verlagerung befürchtet

Zwar habe man Verständnis für die von der Verkehrslawine arg gebeutelten Einwohner von Niederkerschen, hieß es in der Informationsversammlung, dass die Entlastungsstraße aber ein Allheilmittel sein soll, daran hegt man ernsthafte Zweifel. 

Vielmehr wird in Sassenheim befürchtet, dass es zu einer Verlagerung der Probleme kommen könnte.  

Angst um Waldbestand

Ein Dorn im Auge ist der Bürgerinitiative vor allem, dass die geplante Entlastungsstraße durch ein Natura-2000-Gebiet mit einem 200 Jahre alten Waldbestand führen soll. 


28.7. Bascharage / Verkehrsaufkommen, Stau / Contournement Foto.Guy Jallay
Umgehungsstraße Niederkerschen: "Variante 2" wird gebaut
Am Freitag hat Minister François Bausch bekanntgegeben, welche Variante die Regierung für den Bau der Niederkerschener Umgehungsstraße zurückhalten wird. Drei Streckenführungen waren im Gespräch, Variante 2 wird gebaut.

Damit würde nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern auch ein wertvoller Lebensraum von Tieren und Pflanzen, von denen manche auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen, unwiderruflich verloren gehen. 

Befürchtet wird zudem eine weitere Zersiedlung der ohnehin schon stark gebeutelten Südwest-Region des Landes. 

Falsche Messergebnisse? 

In Sassenheim wird man auch den Verdacht nicht los, dass sich die Befürworter der Umgehungsstraße, wenn auch nicht mit getürkten, dann aber zumindest mit falschen Messergebnissen im Zentrum von Niederkerschen durchsetzen konnten. 

Das erklärte Patrizia Arendt in einem Rückblick auf die Geschichte der Straße, die zwar nicht so alt wie die Menschheit ist, sich aber immerhin rühmen darf, schon in den 1970er-Jahren erstmals aufgetaucht zu sein. 

Sowohl die Berichterstatterin als auch Minister François Bausch seien von falschem Zahlenmaterial ausgegangen, als das Projekt durchs Parlament gebracht wurde, so der Vorwurf von Arendt. 

Festgelegter Höchstwert nur mehr knapp überschritten 

Seit eine Messstation 2016 im Zentrum von Niederkerschen Daten liefert, sei der von der EU festgelegte Höchstwert für NOx und NO2 von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft selten überschritten worden. Niemals seien, wie von Bausch behauptet, 80 Mikrogramm festgestellt worden. 

2017 habe der Durchschnittswert bei 38 Mikrogramm gelegen, also unter dem Wert, der auf europäischer Ebene als bedenklich für die menschliche Gesundheit angesehen wird. 2018 sei er mit 42 Mikrogramm leicht überschritten worden. 

Die von den Politikern vorgelegten Zahlen, um den Bau einer Entlastungsstraße zu rechtfertigen, seien „klar falsch“, so Patrizia Arendt.   


Bascharage  17.07.2018 © claude piscitelli
Politik des leeren Stuhls
Mit breiter Mehrheit stimmt die Chamber dem Gesetzesentwurf zur Umgehung von Niederkerschen zu. Doch zwei Abgeordnete blieben der Abstimmung fern.

Ebenfalls mit diesen Messdaten befasst hatte sich der Déi Lénk-Abgeordnete David Wagner. Er hat eine entsprechende Frage an die Minister Dieschbourg (Umwelt) und Bausch (Mobilität) gestellt. Darin hatten beide Minister erklärt, dass die Zahl von 2017 (38) unter der Norm lag, weil es damals größere Baustellen mit Straßensperrungen in Niederkerschen gab.   

Weitere Zersiedlung befürchtet

Sorgen tut sich die Bürgerinitiative aber auch um das 275,9 Hektar große Waldgebiet. Man werde den Verdacht nicht los, dass das Natura-2000-Areal der Umgehungsstraße je nach Bedarf angepasst werden soll, heißt es in Sassenheim. 

Überhaupt befürchtet man, dass die ungeliebte Straße nur der Anfang eines neuen regionalen Verkehrsnetzes sein wird, das zur weiteren Zersiedlung der Landschaft in einem Landesteil, der ohnehin den kleinsten Waldbestand in der Südregion hat führen wird. 

In Sassenheim ist man der Überzeugung, dass durch eine Umgehungsstraße das Problem der Schadstoffbelastung nicht gelöst, sondern nur verlagert würde. „Das Projekt ist in dieser Form unannehmbar und unverantwortlich“, hieß es bei der Bürgerinitiative. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Politik des leeren Stuhls
Mit breiter Mehrheit stimmt die Chamber dem Gesetzesentwurf zur Umgehung von Niederkerschen zu. Doch zwei Abgeordnete blieben der Abstimmung fern.
Bascharage  17.07.2018 © claude piscitelli