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Überschwemmungen und Stromausfälle: Land unter im Süden
Zwischen Limpach und Sassenheim glich die Straße einem Fluß.

Überschwemmungen und Stromausfälle: Land unter im Süden

Foto: Jacques Ganser
Zwischen Limpach und Sassenheim glich die Straße einem Fluß.
Lokales 1 4 Min. 07.06.2016

Überschwemmungen und Stromausfälle: Land unter im Süden

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Sintflutartige Regengüsse hielten die Rettungsdienste in Atem. Am Dienstagabend war der Süden des Landes betroffen. Die Regierung hat beschlossen, sozial bedürftigen Hochwassergeschädigten unter die Arme zu greifen.

(TJ/jag/mz) - Bereits am Montagabend mussten die Rettungsdienste im Raum Echternach zu 15 Einsätzen ausrücken. Überschwemmungen und umgestürzte Bäume hatten nach Gewitterentladungen für viel Arbeit gesorgt.

Doch damit war es nicht getan: Auch am Dienstag hielten zahlreiche Gewitter die Rettungsdienste in Atem. Besonders heftig waren die Niederschläge im Süden des Landes. Nach sintflutartigen Regengüssen war sogar die A13 zeitweise überschwemmt und nicht mehr passierbar. Auch zwischen Niederkorn und Bascharage gab es zeitweise kein Durchkommen mehr.

LW-Journalist Jacques Ganser filmte die Szenerie zwischen Limpach und Sassenheim:

Auf Facebook posteten User Videos von überfluteten Straßen. Beeindruckend ist zu sehen, mit welcher Kraft das Wasser sich den Weg in Garagen und Keller suchte:

Am Dienstagabend mussten die Einsatzkräfte rund 250 Mal ausrücken, das meldet der Notrufdienst 112. Wegen überschwemmten Kellern gingen 229 Anrufe in der Zentrale ein, etwa 16 Mal wurden überflutete Straßen gemeldet. Besonders schlimm hat es die Gemeinden Esch, Differdingen, Bascharage, Monnerich, Petingen, Sassenheim und Schifflingen getroffen.

Auch das Einsatzzentrum SaDiff (Sassenheim und Differdingen) war im Dauereinsatz. Gemeldet wurden 49 Überschwemmungen und ein umgestürzter Baum.

Die Menschen wurden von den Wassermassen überrascht.
Die Menschen wurden von den Wassermassen überrascht.
Foto: SaDiff

Die Gemeinde Monnerich teilt mit, dass die Stromversorgung in der Eherlinger Straße weiterhin unterbrochen ist. Auch in der Escher Straße (ab rue des Champs) gibt es keinen Strom, das Wasser hat hier außerdem den Verkehr komplett lahmgelegt. Autofahrer verlassen die Escher Straße am besten über einen Feldweg und die "rue Kiemel". Einwohner ohne Strom können die Sanitäranlagen der Sporthalle in Monnerich benutzen.

Bürgermeisterin Christine Schweich teilt dem Luxemburger Wort am Mittwoch mit, dass sich die Lage etwas beruhigt hat: "Die Feuerwehr war bis um halb sieben heute Morgen im Einsatz. Mittlerweile ist das Wasser weg, sodass die Creos sich jetzt um die Stromversorgung kümmern kann. Wir hoffen, dass wir auch dieses Problem schnell in den Griff bekommen."

Wie Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen am Dienstagabend über Facebook informierte, stand auch das Flüchtlingsheim in Sassenheim unter Wasser. Das OLAI hätte die 50 Betroffenen evakuiert und es sei niemand verletzt worden. Außerdem bedankte sich die Ministerin bei den freiwilligen Helfern, die die Einsatzkräfte unterstützt hatten.

Die Bewohner des Flüchtlingsheimes sollen Ende der Woche wieder in das Sassenheimer Schloss zurückkehren, dies teilt das OLAI am Mittwochmorgen mit. Die Schäden an der Unterkunft seien gering und Reinigungsmannschaften der Gemeinde Sassenheim und die Feuerwehr hätten begonnen, die betroffenen Räume zu säubern.

Regierung hilft

Die Regierung hat am Dienstag beschlossen, Solidaritätsmaßnahmen zur Unterstützung von Hochwasseropfern zu ergreifen, die sich in einer finanziell schwierigen Lage befinden.

Das Antragsformular kann auf dem Internetportal des Familienministeriums heruntergeladen werden: www.mfi.public.lu

Die Flüchtlingsunterkunft in Sassenheim wurde komplett überflutet.
Die Flüchtlingsunterkunft in Sassenheim wurde komplett überflutet.
Foto: SaDiff

Der Sassenheimer Bürgermeister Georges Engel mit einer ersten Bilanz zu den Schäden in seiner Gemeinde:

130 Keller in Esch/Alzette überschwemmt

In Esch/Alzette wurden mehr als 100 Einsätze gemeldet, so dass die freiwillige Feuerwehr aus Bettemburg als Verstärkung angefragt werden musste. Die CIBETT kam 25 Mal wegen Hochwasser zum Einsatz und hat 450 Sandsäcke in Esch/Alzette, Monnerich, Sassenheim und Beles verteilt.

Alleine aus Bettemburg waren 33 Mann mit acht Fahrzeugen bis um zwei Uhr nachts im Einsatz. Ganze Straßenzüge standen unter Wasser, Garagen und 130 Keller mussten ausgepumpt und gereinigt werden.

Bereits am frühen Morgen waren im Raum Düdelingen-Bettemburg starke Gewitter verzeichnet worden. Im Laufe des Nachmittags fielen im Raum Bous/Assel Hagelkörner mit einem Durchmesser von 3-4 Zentimetern.

In der Nacht auf Mittwoch soll sich die Lage leicht beruhigen, dennoch ist auch in den nächsten 24 Stunden lokal mit teils heftigen Regenschauern zu rechnen.

Auch in den Nachbarländern wüten Unwetter

Bei schweren Unwettern in Nordfrankreich ist ein Autofahrer von steigendem Wasser überrascht worden und in seinem Fahrzeug ertrunken. Der Mann sei am Dienstag zwischen Arras und Amiens auf einer überschwemmten Landstraße gefahren, berichtete der Sender France 3 unter Berufung auf die Präfektur des Départements Pas-de-Calais. Dort habe ihn der Anstieg des Wassers überrascht, das Auto sei mitgerissen worden.

Bereits am Montag war in Belgien eine Frau ums Leben gekommen. Zusammen mit sechs weiteren Personen war sie in der Nähe von Welkenraedt unter eine Brücke geflüchtet und dort von den Fluten mitgerissen worden. Der starke Regen führte in Ostbelgien zu Überschwemmungen, neben Welkenraedt stand auch der Ort Verviers unter Wasser.

Am Dienstagabend hat die Stadt Hamburg nach einem Unwetter mit einer Windhose den Ausnahmezustand erklärt.Über 1000 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Unzählige Dächer waren abgedeckt worden, hunderte Keller seien vollgelaufen, so erste Medienberichte.

Im saarländischen Eppelborn rauschte eine Flutwelle durch den Ortskern, mehrere Menschen mussten aus ihren Fahrzeugen gerettet werden. Es sei aber niemand verletzt worden, so ein Sprecher.



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