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Die Lage bis Donnerstagmorgen
Lokales 16 2 7 Min. 15.07.2021
Überschwemmungen in Luxemburg

Die Lage bis Donnerstagmorgen

Überschwemmungen in Luxemburg

Die Lage bis Donnerstagmorgen

Lokales 16 2 7 Min. 15.07.2021
Überschwemmungen in Luxemburg

Die Lage bis Donnerstagmorgen

Starke Regenfälle haben in Luxemburg für Überschwemmungen gesorgt, Rettungsdienste sind an der Belastungsgrenze. Viele Straßen sind gesperrt.

Dieser Artikel bildet die Geschehnisse rund um das Hochwasser in Luxemburg und den angrenzenden Regionen bis Donnerstagmorgen ab. Über die aktuellen Ereignisse berichten wir seit Donnerstag, 7 Uhr in einem Liveticker.  

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Der Zug musste unterwegs zwei Mal stehen bleiben.
Zuglinie zwischen Luxemburg und Thionville wieder in Betrieb
Nach dem erneuten Starkregen am vergangenen Samstag blieb die Zugstrecke 90 vorerst geschlossen. Mehr im Ticker.

(jt/dat/TJ) - Die Zentrale der Rettungsdienste ruft wegen der sintflutartigen Regenfällen während der Nacht auf Donnerstag die Bevölkerung auf, die Notrufnummen nur mehr dann zu wählen, wenn Menschen in Gefahr sind. Das bedeutet bei vitalen Notlagen, Unfällen und Bränden - also nur dann, wenn dringende Hilfe gebraucht wird. 

Zu groß ist die Anzahl eingehenden Anrufe, die Rettungsdienste sehen sich aktuell nicht in der Lage, in allen Fällen, beispielsweise bei überschwemmten Kellern etc. Hilfe zu leisten. Es gilt ebenfalls der dringende Aufruf, sich nicht in Gefahr zu bringen. Menschen, die in Überschwemmungsgebieten leben, werden aufgefordert, ihre Autos in Sicherheit zu bringen. Weitere Informationen können auf inondations.lu abgerufen werden.

Nur örtliche Schulschließungen

In einigen Gemeinden wird am Donnerstag kein Unterricht stattfinden, eine landesweite Schulschließung gibt es aber nicht, so das Bildungsministerium.  

Ettelbrück im Regen-Lockdown

Die Gemeinde Ettelbrück meldet am Donnerstagmorgen via Facebook: Die Zufahrten nach Ettelbrück sind wegen der Überschwemmungen komplett blockiert. Autofahrer werden gebeten, die Gemeinde vorerst nicht anzufahren, weitere Infos sollen schnellstmöglich folgen. 

An einigen Stellen behindern umgestürzte Bäume den Straßenverkehr: 

  • CR103 zwischen Kopstal und Kehlen, gesperrt
  • CR101 Kopstal-Mamer gesperrt   
  • Rue de Rollingergrund, auf Höhe von Hausnummer 330
  • N11 zwischen Lauterborn und Michelshof, gesperrt

Erdrutsche behindern die folgenden Straßen:

  • CR226 zwischen Bonneweg und Itzeg, gesperrt
  • CR148, Rue de Gondelange, zwischen Gondelingen und Dahlem

Überschwemmungen wurden für folgende Abschnitte gemeldet: 

  • Ettelbrück komplett
  • Luxemburg, Kreuzung Rue de Prague / Boulevard de la Pétrusse
  • Ernzen, Rue de la Rochette, Höhe Hausnummer 61, Umleitung
  • N19 zwischen Reisdorf und Moesdorf
  • CR178 Reckingen-Roedgen gesperrt 
  • CR154 Alzingen-Syren-Dalheim gesperrt 
  • CR132 Oetringen-Schrassig gesperrt 
  • CR148 Rollingen-Assel gesperrt 
  • CR186 Bettemburg-Kockelscheuer 
  • CR118 Consdorf-Mullerthal 
  • N14 Medernach-Fels- Steinsel-Bridel 
  • CR121 Vogelsmuhle-Grundhof 
  • CR226 Hesperingen-Itzig 
  • CR118 Fels-Christnach bis Mittwoch gesperrt 
  • N7 zwischen Friedhof und Lëpschterdellt, gesperrt
  • CR159 Böwingen-Fentingen, Kreisverkehr, gesperrt
  • CR319 Winseler-Wiltz, gesperrt
  • Reisdorf, Rue de la Fôret, vier Lastwagen hängen fest, gesperrt
  • Moutfort, Rue de Contern, gesperrt
  • Müllendorf, Rue Paul Äischen, Brücke gesperrt
  • Stadt Luxemburg, Rue des Hauts-Fourneaux 41, gesperrt

Krisenstab

Nach den enormen Niederschlägen hat sich die Hochwasserlage im Land derart zugespitzt, dass ein Krisenstab unter der Leitung des Hohen Kommissars der nationalen Sicherheit, Luc Feller in Senningen einberufen wurde. Gemeinsam mit dem Innenministerium und den Verantwortlichen der Rettungsdienste wurde die Lage analysiert und erste Hilfemaßnahmen in die Wege geleitet.

Der Krisenstab fasst die Situation um 2 Uhr nachts so zusammen:

  • Die Niederschlagsmenge wird sich in den kommenden Stunden leicht verringern. Die Bevölkerung solle trotzdem wachsam bleiben
  • Die Wasserstände in Luxemburg sind rapide angestiegen, aktuell sind sie stark erhöht. Sie werden bis zum Nachmittag weiter ansteigen
  • Wer in betroffenen Gebieten wohnt, soll sich nicht in Gefahr bringen und überschwemmte Flächen meiden!
  • Autofahrer sollen vorsichtig fahren und sich unbedingt an die Beschilderung halten.
  • Eltern sollen sich vor Ort informieren, ob Schulen und Kindergärten offen sind.
  • Viele Häuser sind überschwemmt und zwischenzeitlich unbewohnbar. Die Bewohner werden durch die Gemeinden evakuiert und untergebracht.

In einer weiteren Sitzung am Donnerstag soll die Lage erneut bewertet werden. Die Flüsse drohen bis in die Morgenstunden dramatisch anzusteigen, da dürfte auch das prognostizierte Nachlassen der Niederschläge ab Mitternacht nur bedingt helfen - zu groß sind die Wassermassen, die in die Bäche und Flüsse strömen. Die Alzette erreichte beispielsweise kurz vor Mitternacht 429 Zentimeter im Pfaffenthal - bei 270 Zentimetern spricht man dort von einem Alarmpegel. In den sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, wie in Clausen die Allée Pierre de Mansfeld überflutet wird.

Enorme Wassermassen

Sintflutartige Regenfälle gingen bis in die Nacht über dem ganzen Territorium nieder und ließen Bäche und Flüsse rasant anschwellen. Am späten Abend rief die Polizei die Autofahrer via Facebook-Post auf, abgestellte Wagen wegen drohender Überschwemmungsgefahr in Sicherheit zu bringen. Dabei wurden auf dem Gebiet der Hauptstadt die Allée Pierre de Mansfeld, die Rue St. Quirin und die Place Dargent erwähnt. Die Warnung gilt aber nicht nur für die Stadt Luxemburg. Generell gilt der Rat, Fahrzeuge nicht in der Nähe von Wasserläufen stehen zu lassen.

Am Mittwochnachmittag hatte der staatliche Wetterdienst bereits die Warnstufe von „Orange“ auf „Rot“ angehoben. Es drohen erhebliche Überschwemmungen, auch in selten betroffenen Gebieten. Man spricht von „Gefahr für Mensch und Eigentum“. Die Warnung gilt für Mittwoch und Donnerstag und für das ganze Land. Am Mittwochmorgen hatte Meteolux eine Niederschlagswarnung der Stufe Orange („Danger“) herausgegeben, die Niederschlagsmengen könnten ab 12 Uhr mittags 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter erreichen. Stellenweise wurden diese Werte deutlich übertroffen. Erst während der Nachtstunden - zwischen drei und vier Uhr rechnen die Meteorologen mit einem Nachlassen der Regenschauer.

Die CFL schließen infolge der ungewohnt starken Niederschläge Störungen zwischen Mittwochabend und dem Donnerstagmorgen auf dem Schienennetz nicht aus.

Straßen überflutet

An vielen Orten befand sich viel Wasser auf den Straßen. Mehrere Straßen waren bereits am Mittwochnachmittag überschwemmt.  

Der CGDIS teilte am Mittwoch gegen 16 Uhr auf Nachfrage mit, dass etwa 50 Einsätze mit Bezug zu den Regenfällen liefen. Um die Anrufe auf der Notrufnummer besser koordinieren zu können, wurde das Centre de gestion des opérations in Betrieb genommen.

In und um Mersch geht die Alzette nach und nach über die Ufer, wie diese Fotos zeigen.

Gegen 17.30 Uhr waren die Feuerwehren bereits zu 100 Einsätzen abkommandiert - meist wegen vollgelaufener Keller oder umgestürzter Bäume. In Echternach hat man an frühen Abend mit dem Füllen von Sandsäcken begonnen.

Die Gemeinde Ettelbrück warnte auf Facebook, dass der Parkplatz Däich sowie das erste Untergeschoss des gleichnamigen Parkhauses wegen Überflutungsgefahr gesperrt werden. Autofahrer wurden gebeten, ihre Wagen abzuholen und woanders zu parken. 

Auch in Echternach bereiten sich die Einsatzkräfte auf mögliche Überschwemmungen vor. Es bestand die Gefahr, dass Bäche über die Ufer treten, so die Gemeinde auf Facebook.

In Syren glich die Rue d'Alzingen einem Fluss.
In Syren glich die Rue d'Alzingen einem Fluss.
Foto: Laurent Blum

Schwere Unwetter in den Nachbarregionen

In Schuld bei Adenau (Landkreis Ahrweiler) sind sechs Häuser nach Starkregen eingestürt, 30 Menschen gelten als vermisst

Auch der Kreis Vulkaneifel hat den Katastrophenfall ausgerufen. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD) am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben.  

Das rheinland-pfälzische Umweltamt meldete eine „hohe Hochwassergefährdung“ für das obere Kyll-Einzugsgebiet. Es sei mit Über-20-jährlichem Hochwasser zu rechnen. Das bedeutet, dass gemäß Modellrechnungen Hochwasser auftreten kann, das im statistischen Mittel nur etwa alle 20 Jahre einmal eintritt. Keller könnten überfluten und überörtliche Verkehrsverbindungen gesperrt werden.

Im Kreis Trier-Saarburg sind laut einer Mitteilung vom frühen Donnerstagmorgen rund 1000 Kräfte im Einsatz.

Stromausfall in Trier-Land, kein Trinkwasser in Kordel

Im Großteil der Verbandsgemeinde Trier-Land gibt es einen Stromausfall, in der Gemeinde Kordel ist davon die Trinkwasserpumpe betroffen, 22.000 Personen sind derzeit ohne Trinkwasser. Ein Ersatzaggregat ist auf dem Weg. 110 Haushalte nahe an der Kyll und Teile eines Altenheims werden seit 2 Uhr nachts evakuiert

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kündigte bis in die Nacht zum Donnerstag teils kräftige Gewitter und heftigen Starkregen im Norden und Westen von Rheinland-Pfalz an. Laut einer Sprecherin sei in der Nacht zum Donnerstag vor allem die Eifel von Regenfällen betroffen.

In Wallonien waren am Mittwoch zahlreiche Flüsse über die Ufer getreten. In der Kurstadt Spa kam es zu Überschwemmungen, einige Häuser mussten evakuiert werden. Die Behörden in Belgien rechnen damit, dass sich die Situation in den kommenden Stunden verschlimmern könnte. Die Regenfälle sollten bis mindestens Donnerstagabend anhalten. 

Medienberichten zufolge mussten seit Dienstagabend Hunderte von Pfadfindern evakuiert und umquartiert werden, hauptsächlich entlang der Flüsse in Wallonien. Nebenflüsse der Maas wie die Lesse, die Ourthe und die Vesdre hatten einen besonders hohen Abfluss. In Lüttich wurden viele Straßen entlang der Maas für den Verkehr gesperrt, so die Polizei. 

Mit Material der dpa und AFP.

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