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Überschwemmungen im Ernztal: Multiple Ursachen
Die "eine" Ursache für die Flutkatastrophe im Ernztal gibt es nicht.

Überschwemmungen im Ernztal: Multiple Ursachen

Foto: Armand WAGNER
Die "eine" Ursache für die Flutkatastrophe im Ernztal gibt es nicht.
Lokales 12.10.2016

Überschwemmungen im Ernztal: Multiple Ursachen

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Überschwemmungskatastrophe am 22. Juli im Ernztal hat viele Ursachen. Landwirtschafts- und Umweltministerium machen Lösungsvorschläge, von Renaturierung bis hin zu alternativen landwirtschaftlichen Methoden.

(jag) - Vielfältige Ursachen haben am 22. Juli dieses Jahres dazu beigetragen, dass es im Ernztal zu einem katastrophalen Flutereignis kam. Hauptgrund waren die enormen Regenmengen von bis zu 120 Liter pro Quadratmeter in Cruchten und Ermsdorf, die geografische Lage sowie die Versiegelung des Bodens. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage der CSV-Abgeordneten Martine Hansen geben Umweltministerin Carole Dieschbourg und Landwirtschaftsminister Fernand Etgen weitere Erklärungen.

Hansen bezog sich auf die Aussagen des Direktors des Wasserwirtschaftsamtes Jean-Paul Lickes in einem Artikel des "Luxemburger Wort". Lickes hatte dort die landwirtschaftlichen Praktiken als eine der Ursachen genannt. Der Einsatz schwerer Geräte und damit die Komprimierung des Bodens sowie Monokulturen würden mit dazu beitragen, dass das Wasser nicht in den Böden versickert und schneller abfließt. Hansen wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob diese Thesen zutreffen würden.

Landwirtschaft, Versiegelung, Flächennutzung

In der Antwort werden zwar langatmige wissenschaftliche Details erwähnt, in der Grundaussage bleibt es aber dabei, dass die Landwirtschaft sehr wohl zumindest einen Anteil an der Bodenversiegelung hat. Sie ist aber nicht einziger Verursacher, auch die Bebauung durch Urbanisierung führt zur Bodenversiegelung.

Als weitere Ursachen werden der Zustand der meist sandigen Böden und die bereits vom Regen gesättigten Pflanzendecke genannt. Der intensive Regenfall konnte deswegen nicht mehr ausreichend aufgenommen werden.

In einem weiteren Artikel im "Luxemburger Wort", den das Landwirtschaftsministerium nicht namentlich erwähnt, hatte der deutsche Umweltexperte Josef Reichholf den intensiven Maisanbau als Mitverursacher von Sturzfluten genannt. Maisfelder halten nur wenig Wasser zurück und die Erosionsgefahr ist dort besonders hoch, dies ist wissenschaftlich erwiesen. Als ganz besonders kritisch gelten demnach Maisfelder in Hanglage.

Renaturierung und bodenschonende Landwirtschaft

Im Antworttext wird hingegen betont, dass Maisanbau im Jahre 2015 nur 11,2 Prozent der gesamten Anbaufläche in Luxemburg ausmachen würde. Dies sind 5,3 Prozent der gesamten Landesfläche. Zum Vergleich wären in Luxemburg aber 9,5 Prozent der Landesfläche zu betoniert.

Als Lösungsansätze nennen beide Ministerien bodenschonende landwirtschaftliche Methoden, Renaturierung von Bächen und Flussläufen sowie das Schaffen von zusätzlichen Rückhaltebecken und -flächen. Sämtliche Maßnahmen seien bereits in verschiedenen Gesetzestexten verankert und würden zudem finanziell bezuschusst.          





   


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