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Über eine Treppe zum Schießentümpel
Lokales 3 Min. 06.10.2019

Über eine Treppe zum Schießentümpel

Die rund 90 Meter lange Treppe wurde mit Eichenholz aus dem Müllerthal verkleidet. Nach dem Rückbau der Zufahrtsbaustelle wird der Weg Mitte November frei gegeben.

Über eine Treppe zum Schießentümpel

Die rund 90 Meter lange Treppe wurde mit Eichenholz aus dem Müllerthal verkleidet. Nach dem Rückbau der Zufahrtsbaustelle wird der Weg Mitte November frei gegeben.
Foto: Eric Hamus
Lokales 3 Min. 06.10.2019

Über eine Treppe zum Schießentümpel

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Durch die starken Regenfälle war der Weg zum Schießentümpel im vergangenen Sommer in Mitleidenschaft gezogen worden. Von Mitte November an können Wanderer die komplette Route wieder begehen - dank einer Treppe.

 Aufmerksamen Spaziergängern dürfte nicht entgangen sein, dass die Route 3 des Müllerthal Trail in den vergangenen Monaten nicht mehr an den Felsen entlang zum Schießentümpel geführt hat. Der Wanderweg zum Wahrzeichen der Region war durch die starken Niederschläge im Juni 2018 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Besucher wurden fortan über die Straße zum Wasserfall geleitet. Damit ist nun Schluss: Über eine 90 Meter lange Treppe kann der Weg in wenigen Wochen wieder vollständig genutzt werden.

Nach fünf Monaten Bauzeit wurde das Konstrukt aus Stahl und Holz am Freitag offiziell eingeweiht. Nach dem Rückbau der Zufahrtsrampe kann die Route Mitte November vollständig freigegeben werden, wie Sandra Bertholet, Geschäftsführerin des ORT Region Müllerthal, versprach. Schließlich sei der Müllerthal Trail mit seinen 160.000 jährlichen Wanderern das Herzstück der touristischen Produktpalette der Region. „Zählt man die Tagestouristen hinzu, die das Wahrzeichen direkt aufsuchen, dürften jährlich um die 300.000 Menschen den Schießentümpel besuchen“, so Bertholet.

Wandersaison gerettet

Die Regenfälle hatten die Wanderwege stark beschädigt. An mehreren Stellen mussten sie nachgebessert, manchmal durch neue Konstruktionen ersetzt werden – wie die Stahlskelettbrücke durch den Chipkapass im Wald bei Berdorf, die im Juni fertiggestellt wurde. Dank des Einsatzes vieler Helfer und der oft unkomplizierten Unterstützung der Behörden habe man es aber fertiggebracht, die Wandersaison doch noch zu retten: „Das Müllerthal ist offen – und noch ein Stückchen schöner als zuvor“, freute sich Bertholet.


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Bei den Arbeiten im Müllerthal standen nachhaltige Überlegungen im Mittelpunkt. „Ziel war es, eine Lösung zu finden, den Weg nutzen zu können, ohne dass er beim nächsten Starkregen wieder weggespült wird“, erklärte die Bürgermeisterin von Waldbillig, Andrée Henx-Greischer. Ein geologisches Gutachten hatte entsprechende Befürchtungen untermauert, sodass eine vom Hang unabhängige Alternative gefunden werden musste.

Das Ergebnis ist eine 90 Meter lange Treppenkonstruktion, die direkt an den Felsen befestigt wurde und sich nicht mehr primär am Hang abstützt. Während die Grundkonstruktion aus Stahl gefertigt wurde, bestehen Stufen und Geländer aus Holz. Rund 160 Kubikmeter Eichenholz wurden in der Region gefällt und geschnitten, was dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft Rechnung tragen sollte. Die Konstruktion steht auf 16 Stützen im Boden und ist mit sieben Einspannungen an den Felsen befestigt.

Die neue Treppe wurde am Freitag von Bürgermeisterin Andrée Henx-Greischer und den Ministern Carole Dieschbourg und Lex Delles eingeweiht.
Die neue Treppe wurde am Freitag von Bürgermeisterin Andrée Henx-Greischer und den Ministern Carole Dieschbourg und Lex Delles eingeweiht.
Foto: Eric Hamus

Ein Mehrwert

„Bei dem Entwurf des Holzgeländers wurde die Kreuzform des Brückengeländers beim Schießentümpel übernommen. Sie gibt der Gegend um das Wahrzeichen eine starke Identität“, betonte Pit Kuffer vom Architektenbüro „Witry & Witry“ aus Echternach, das die Brücke zusammen mit dem Ingenieurbüro Daedalus Engineering aus Heffingen entworfen hat. Die Vision für das Projekt habe schnell festgestanden, so Kuffer: „In drei Wörtern: Identität, Regionalität und Kreislauffähigkeit.“ Das Holz stamme komplett aus der Region, wobei in vielen Stämmen noch Munitionsrückstände aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden. „Damit kamen Spuren unserer Geschichte zum Vorschein“, ergänzte Kuffer. Und was die Kreislauffähigkeit angeht, so hätten in sämtlichen Planungs- und Bauetappen nachhaltige Kriterien eine Rolle gespielt.


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Umweltministerin Carole Dieschbourg hob ebenfalls die Kreislauffähigkeit des Projekts hervor. Standen zu Beginn Überlegungen im Raum, den Weg noch vor dem 140. Jubiläum des Schießentümpels im Sommer wieder begehbar zu machen, habe man sich dann doch dazu entschlossen, nichts zu überhasten, so Dieschbourg. Zu hoch sei die Gefahr gewesen, in Sichtweite des Wahrzeichens ein Projekt zu verwirklichen, das dem Schießentümpel unwürdig sei. Im Umkehrschluss habe man kurz innegehalten, weitere Akteure mit ins Boot genommen und mit regionalen Partnern ein Projekt verwirklicht, das ein deutlicher Mehrwert für die Region sei.


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Für Tourismusminister Lex Delles ist mit der Treppe neben dem Schießentümpel ein zweites Wahrzeichen im Müllerthal entstanden. Die „imposante Konstruktion“ füge sich nicht nur nahtlos in die Natur mit ein, sondern berücksichtige auch den regionalen Charakter des Müllerthals.  

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