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Über 100 Demonstranten bei erneutem WG-Protest in Esch
Lokales 3 4 Min. 26.09.2020

Über 100 Demonstranten bei erneutem WG-Protest in Esch

Die Protestaktion hat am Samstag beim Friedensgericht stattgefunden.

Über 100 Demonstranten bei erneutem WG-Protest in Esch

Die Protestaktion hat am Samstag beim Friedensgericht stattgefunden.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 4 Min. 26.09.2020

Über 100 Demonstranten bei erneutem WG-Protest in Esch

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Am Samstag hat bereits zum dritten Mal eine Protestaktion zum Thema Wohngemeinschaften in Esch stattgefunden. Mehr als 100 Leute waren gekommen. Thematisiert wurde aber auch der Wohnungsnotstand.

Rund 120 Personen haben am Samstagmorgen in Esch/Alzette gegen die Bestimmungen in puncto Wohngemeinschaften demonstriert, die im neuen allgemeinen Bebauungsplan (PAG) der Stadt vorgesehen sind. Dieser soll, nach Überarbeitung, noch vor Ende des Jahres vom Escher Gemeinderat gestimmt werden. 

Rote und lila Flaggen

Eine Stunde lang hörten sich die Demonstranten Reden an.
Eine Stunde lang hörten sich die Demonstranten Reden an.
Foto: Pierre Matgé

Versammelt hatten sich die Demonstranten beim Escher Friedensgericht. Die Kälte und der unangenehme Nieselregen hatten sie nicht entmutigt. Zu sehen waren rote Flaggen von Déi Lénk und der KPL, aber auch einige lila Flaggen von der Piratenpartei sowie zahlreiche rote OGBL-Jacken. 

Der Ursprung der Protestbewegung lag bei den neuen WG-Bestimmungen im Escher PAG. Doch während der Reden wurde klar, dass es die Demonstranten auch allgemein auf die Schieflage am Luxemburger Wohnungsmarkt abgesehen hatten.  

So konnte Emanuel Kamura, im Namen des Kollektives „Save Co-housing in Esch“, über 15 Parteien oder Vereinigungen begrüßen, die sich der Aktion angeschlossen hatten. Gut zehn Redner sollten am Mikrofon folgen.

Emanuel Kamura gehört zu den Organisatoren der Protestaktion.
Emanuel Kamura gehört zu den Organisatoren der Protestaktion.
Foto: Pierre Matgé

Keine Steine in den Weg legen


Eine Escher WG wehrt sich
Nach der Polemik der vergangenen Tage um Escher WGs haben vier Anwohner einer solchen Wohngemeinschaft entschieden, sich gegen das befürchtete Verbot von Wohngemeinschaften zu wehren.

Unter ihnen befand sich Nina Biren, die selbst in einer Wohngemeinschaft in Esch wohnt. Sie sprach von einem „Skandal“. Die Stadt Esch habe es verpasst, WG-Einwohner korrekt zu informieren. Es sei auch nicht an der Stadt, zu sagen „mit wem wir wohnen dürfen“. Sie forderte die Politik auf, den Menschen, die in WGs wohnen wollen, nicht noch weitere Steine in den Weg zu legen. 

Nina Biren, die in einer Escher WG wohnt, ergriff das Wort .
Nina Biren, die in einer Escher WG wohnt, ergriff das Wort .
Foto: Pierre Matgé

Zuvor hatte Emanuel Kamura erklärt, dass er selbst vor fünf Jahren als Flüchtling nach Luxemburg gekommen sei. Er prangerte vor allem den „lien affectif“ an, von dem in einem Entwurf des PAG die Rede ist. „Wie soll ein Flüchtling, der niemanden hier kennt, einen 'lien affectif' vorweisen können?“, fragte er.   

„Si wëllen Esch botzen“  

Gary Diderich, Sprecher von Déi Lénk, der am Samstag die Vereinigung Life vertrat, hegte gar den Vorwurf, dass die Escher Gemeindeführung Sozialfälle aus Esch verdrängen möchte. „Si wëllen Esch botzen“, sagte er.

Antonia Ganeto von Finkape, eine Vereinigung die sich für afrikanisch-stämmige Menschen einsetzt, unterstrich, dass die Wohngemeinschaften eine Lösung für Menschen darstellen können, die zu den Schwächsten in der Gesellschaft zählen. Darunter auch Personen schwarzer Hautfarbe, die Schwierigkeiten hätten, eine Mietwohnung zu finden.

Problem Wohnungsmarkt

Angeprangert wurden zudem die Zustände auf dem luxemburgischen Wohnungsmarkt. Dies von Vertretern vom CLAE, vom OGBL, von der KPL oder noch von Line Wies, Rätin für Déi Lénk in Esch, die erklärte, dass in Luxemburg  25 Prozent des Grundbesitzes 159 Personen gehören. 

Besonders kreativ war diese Person gewesen.
Besonders kreativ war diese Person gewesen.
Foto: Pierre Matgé

Jean-Michel Campanella, Präsident der erst im Juli gegründeten Vereinigung Mieterschutz Lëtzebuerg, unterstrich, dass es nicht an einer Gemeinde sei, zu „diktieren“, was unter einer WG zu verstehen sei. Dies müsse in einer Diskussion mit der Zivilgesellschaft definiert werden. 

Nächste Etappe: Luxemburg-Stadt

Zum Schluss lancierte er einen Appel für eine weitere, nationale Demonstration, die am 10. Oktober in Luxemburg-Stadt stattfinden wird.  

Obwohl erst vor den Sommerferien gegründet, zählt seine Vereinigung  bereits 100 Mitglieder, erklärte er später dem LW. Sie habe sich für die Lage in Esch interessiert, nachdem Presseartikel über die WG-Problematik berichtet hatten. Kontakt wurde daraufhin mit dem Kollektiv „Save Co-housing in Esch“ aufgenommen. 

Doch dabei ist es nicht geblieben. Um diese Protestaktion zu organisieren, wurden zahlreiche weitere Vereinigungen kontaktiert, die auf irgendeine Art und Weise von der Wohnproblematik betroffen sind. 


Stadt Esch ist bereit, WG-Regeln zu ändern
Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen protestierten am Freitag Bürger in Esch gegen die Regeln für Wohngemeinschaften. Der Schöffenrat kündigte derweil in der Ratssitzung Bereitschaft an, einige davon zu ändern.

Sie zu mobilisieren, sei nicht schwierig gewesen. „Fast alle haben gesagt: Endlich passiert etwas“, so Jean-Michel Campanella.  

Er geht davon aus, dass für die Demo in Luxemburg-Stadt noch mehr Vereinigungen dazu stoßen werden. Die Protestaktion in Esch stellt in seinen Augen demnach nur einen Anfang dar. 

 


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