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Turbinenlärm zur Schlafenszeit
Lokales 4 Min. 26.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Turbinenlärm zur Schlafenszeit

Cargolux war vergangenes Jahr für 51 Prozent der Nachtflüge verantwortlich, Luxair für 26 Prozent und 
Qatar Airways für sechs Prozent.

Turbinenlärm zur Schlafenszeit

Cargolux war vergangenes Jahr für 51 Prozent der Nachtflüge verantwortlich, Luxair für 26 Prozent und 
Qatar Airways für sechs Prozent.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 26.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Turbinenlärm zur Schlafenszeit

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Vergangenes Jahr wurden 2.226 Nachtflüge gezählt. Zu viele, finden die Menschen, die um ihren Schlaf gebracht werden. Minister François Bausch stand bei einer Diskussionsrunde den Betroffenen Rede und Antwort.

In den Stunden zwischen 23 und 6 Uhr landen oder starten auf dem Flughafen in Findel im Schnitt sechs Flugzeuge. Dies, obwohl laut großherzoglicher Verordnung dann Nachtruhe herrscht. Die Menschen, die rund um den Flughafen oder unterhalb der regulären Flugrouten wohnen, werden Nacht für Nacht in ihrem Schlaf gestört. Aus diesem Anlass hatten am Montag Déi Gréng zu einer Diskussionsrunde mit Nachhaltigkeitsminister François Bausch in Cents geladen.

Anfangs versuchte der Minister den gut 60 anwesenden Anwohnern zu erklären, wie wichtig der Flughafen für die Wirtschaft des Landes sei. Über 86 000 Flugbewegungen werden hier mittlerweile pro Jahr erfasst – Tendenz steigend. Für die Anwesenden ist eine gute Bilanz des Flughafens jedoch kein Trost. Gleich nach Ende des Vortrags des Ministers ergriff eine Frau aus dem Publikum das Wort: „Ständig ist nur die Rede von der Wirtschaft. Hier geht es aber um Menschen.“ Der sonst eher auf kontrolliertes Wachstum bedachte Minister schien ertappt: „Der Ausbau des Flughafens war nie meine Ambition. Meiner Ansicht nach soll er auf das begrenzt sein, was wir für die Wirtschaft brauchen.“ Ein Minister in der Zwickmühle zwischen Ideologie und Realität.

Viele Sonderregelungen

Doch die Zukunft des Flughafens Findel sollte an diesem Abend nicht Thema sein. Die anwesenden Anrainer störten sich vor allem an den Flügen zwischen 23 Uhr und Mitternacht. 2017 waren es deren 1 405, also im Schnitt 3,8 Flugzeuge täglich in dieser Zeitspanne. Wieso man die Ankunftszeit nicht besser planen könne, fragte ein aufgebrachter Bürger. Jeder wüsste doch, wie lange ein Flug von A nach B dauere. Dass es bei der Weltwirtschaft und der Wetterlage nicht ganz so einfach ist, den Flugverkehr zu planen, dafür zeigte die Mehrheit der Anwesenden dann aber Einsicht. Nicht erwähnt wurde in diesem Zusammenhang, dass die großherzogliche Verordnung zwischen 23 Uhr und Mitternacht momentan permanente Ausnahmegenehmigungen für Verspätungen vorsieht, etwa bei Passagierflugzeugen. Aber auch Frachtflugzeugen steht ein gewisses Quantum an Sondergenehmigungen zu.

Mehr als 60 Personen waren zu der Diskussionsrunde in Cents gekommen.
Mehr als 60 Personen waren zu der Diskussionsrunde in Cents gekommen.
Foto: Christophe Olinger

Kurz kam die Diskussion auf, dass es doch praktisch sei, erst spät am Urlaubsort abzufliegen und dann eine verspätete Ankunft in Luxemburg in Kauf zu nehmen. Dass Flugzeuge nachts auch wieder abheben dürfen, dafür gab es jedoch kein Verständnis. Besonders die nächtlichen Starts sollen stark reduziert werden, erklärte der Minister. In Zukunft sollen alle Ausnahmeregelungen stärker kontrolliert und die Ursachen besser begründet werden. Die Strafen bei Nichtbeachtung werden erhöht, sodass sie die Fluggesellschaften wirklich schmerzen. Der Betrag wird unter anderem abhängig sein von der Uhrzeit, zu der die Maschine eintrifft und vom Flugzeugtyp, also vom verursachten Lärm.

Um den Fluglärm zu reduzieren, werden aber auch weitere Maßnahmen getestet. Wenn der Pilot zur Landung ansetzt, soll er dies nicht wie bisher stufenweise tun, sondern er soll eine kontinuierliche Landung vornehmen, um so den Geräuschpegel zu reduzieren. Außerdem sollen die Piloten exakt auf ihrer Route bleiben, um das vom Fluglärm betroffene Gebiet einzugrenzen.

Feste Zeiten für Triebwerktests

Gestört fühlen sich die Anwohner aber auch von den Triebwerktestläufen. Diese sollen bald nur noch in Höhe der Cargolux-Hallen stattfinden. Wenn nötig müssten dort Schallschutzwände installiert werden, so der Minister. Die Anwohner fordern, dass zu bestimmten Zeiten, etwa sonntags, keine Tests durchgeführt werden.

Erstaunlicherweise waren die vielen Flüge zwischen 6 und 7 Uhr morgens kein größeres Thema. Sie gelten offiziell nicht als Nachtflüge. Aus diesem Grund tauchen sie auch nicht in den Statistiken auf, die der Minister präsentierte. 2017 waren es zwischen 6 und 7 Uhr 4 025 Flüge, also etwa elf pro Tag in dieser Zeitspanne. Eine Frau meinte gegen Ende der Diskussionsrunde, dass sie jeden Morgen, sowohl an Feiertagen als auch an Wochenenden, um 6.15 Uhr von einem Flugzeug geweckt werde. Bausch verwies auf die legalen Öffnungszeiten des Flughafens, die sich nicht von jenen im Ausland unterscheiden würden.

Ein Mann aus dem Publikum zitierte die Weltgesundheitsorganisation, der zufolge die nächtliche Lärmbelastung einen Dauerschallpegel von 40 Dezibel nicht überschreiten soll. In Hamm und Cents liegen die Werte stellenweise mit bis zu 90 Dezibel bei Starts jedoch weit darüber. „Mancherorts in Cents wackeln die Wände“, merkte eine Frau an. Zwar können die Menschen, die in direkter Nähe des Flughafens wohnen, staatliche Beihilfen fordern, um ihre Wohnungen, die nach August 1986 gebaut wurden, besser gegen den Lärm zu isolieren. Weniger als 400 Häuser kommen aber hier in Frage. Dabei sind alleine nachts mehr als 29 000 Menschen vom Fluglärm betroffen. Und auch weiterhin werden Viertel ausgebaut, die von startenden und landenden Flugzeugen überflogen werden.

„Wir müssen realistisch sein. Es wird keine Lösung von heute auf morgen geben. Die höheren Strafen werden aber einen Einfluss haben“, zeigte sich Bausch zuversichtlich. „Früher wurde man eben vom Hahn auf dem Misthaufen geweckt, heute ist es das Flugzeug“, rief ein Mann seinem Bekannten zu, lächelte schelmisch und verließ den Saal.



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