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Tunnel Markusberg: Proben für den Ernstfall
Lokales 13 3 Min. 25.10.2020

Tunnel Markusberg: Proben für den Ernstfall

Die Übung sollte so nah wie möglich an die Wirklichkeit herankommen.

Tunnel Markusberg: Proben für den Ernstfall

Die Übung sollte so nah wie möglich an die Wirklichkeit herankommen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 13 3 Min. 25.10.2020

Tunnel Markusberg: Proben für den Ernstfall

Pierre SCHOLTES
Pierre SCHOLTES
Rettungsdienste und Straßenbauverwaltung simulieren einen Unfall auf der A13 unter Realbedingungen.

Gegen 9 Uhr am Sonntagmorgen tritt der Ernstfall ein: Ein Auto ist im Tunnel Markusberg auf einen Minibus aufgefahren. Im Kleintransporter sind zwei Verletzte eingeschlossen; fünf weitere Passagiere haben sich in Rettungsnischen in Sicherheit gebracht und einen Notruf abgesetzt. Die Lage bleibt dennoch unübersichtlich; Rauch quillt aus dem verunfallten Pkw und eine Person irrt orientierungslos auf der Fahrbahn herum. 

So lautet an diesem Morgen das Szenario, mit dem man sich auf das Schlimmste vorbereiten will. An der Übung unter Realbedingungen sind die Straßenbauverwaltung, die Polizei und die Rettungskräfte des Corps grand-ducal d’incendie et de secours (CGDIS) beteiligt. Der Tunnel Markusberg auf der A 13 bleibt bis in den frühen Abend für den Verkehr gesperrt. 

Modernste Rettungstechnik 

Kurz nachdem der Notruf in der Tunnelröhre ausgelöst wurde, heulen bereits die Luftgebläse auf, die Beleuchtung fährt auf die hellste Stufe und über die Lautsprecheranlage im Tunnel werden Anweisungen in drei Sprachen ausgegeben. Die Schnelligkeit überrascht. Für Paul Mangen, Directeur adjoint der Straßenbauverwaltung, hat sie System: „Eigentlich wissen wir bereits, bevor ein Notruf abgesendet wird, dass ein Unfall passiert ist. Ein Mitarbeiter in unserer Leitzentrale in Bartringen bekommt eine Stillstandsmeldung der Kameras. Daneben sind in jeder Tunnelröhre Brandmeldekabel und CO2-Messpunkte installiert.“ 

Auch wegen dieser Notfalltechnik, die in den Tunnels des Landes verbaut ist, gehören sie mit zu den sichersten in Europa. Denn sie ermöglichen es laut Mangen, dass sich Personen im Fall eines Unfalls selbst in Sicherheit bringen, noch bevor die Rettungskräfte eintreffen. So sind etwa im Tunnel Gousselerbierg auf der A 7 rund 2.000 Szenarien hinterlegt, die in einem bestimmten Fall automatisch abgerufen werden, je nachdem an welchem Tunnelabschnitt ein Unfall passiert. 

Der Qualm, der aus dem verunfallten Auto stieg, wurde mittlerweile bereits mittels des Tunnelgebläses nach draußen befördert. Die Prozedur ist so programmiert, dass die Dämpfe in Fahrtrichtung evakuiert werden, damit bei einem Unfall, der Rauch vom sich bildenden Stau ferngehalten wird. Im Fall eines schweren Unfalls werden immer beide Röhren gesperrt. Der Grund: Die zweite Röhre dient den Rettungsdiensten als Zugangsweg zur Unfallstelle. Beide Röhren sind durch Rettungsschleusen miteinander verbunden. 

Wertvolle Erfahrung 

Gut zehn Minuten nachdem der Notruf abgesetzt wurde, erhellt Blaulicht die zweite Röhre. Der erste Rettungswagen trifft ein. An der Übung beteiligt sind rund 30 Einsatzkräfte aus den Korps aus Remich, Schengen, Bad Mondorf, Aspelt und Bettemburg. Sie wären es auch, die in einem echtem Ernstfall zuerst ausrücken müssten. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir ein solches Szenario unter Realbedingungen üben können“, erklärt Christopher Schuh, zuständig für die operationelle Koordination beim CGDIS. 


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Zwei Feuerwehrmänner mit blinkenden Pucks betreten die Röhre. Sie rücken langsam vor, kontrollieren jedes Fahrzeug auf Insassen. An einer Notfallbucht hinterlegen sie einen Leuchtpuck und stellen ihn auf rot. „Die Pucks dienen der Orientierung. Blau heißt Wasser, rot, dass sich dort eine Person befindet“, erklärt Schuh die Vorgehensweise. 

Nachdem sich ein Überblick über die Lage verschafft wurde, rücken die Lösch-und Rettungstrupps vor. Bei der Brandbekämpfung werden auch die Wände des Tunnels mit Wasser benetzt; im Ernstfall kann Hitze die Struktur der Röhre schädigen. Schnell sind die Personen aus dem Kleintransporter geborgen und die Unfallstelle gesichert. In etwa einer halben Stunde ist alles vorbei. 

Christopher Schuh ist zufrieden mit dem Ablauf der Übung: „Es gibt immer Kleinigkeiten, die man verbessern könnte, aber im Großen und Ganzen hat alles so funktioniert wie geplant.“ Auch dass die Übung selbst stattfinden konnte, sei nicht selbstverständlich, so Schuh. Schließlich sei sie ja eigentlich für das Frühjahr geplant gewesen, wurde aber dann pandemiebedingt verschoben. Die nächste Großübung findet bereits im Frühjahr im Tunnel Cents statt.

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