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Trostspender aus buntem Stoff
Nadine Zeitz-Mousel und die Kinderkrankenschwestern Nathalie Lux und Barbara Tasch (v.l.n.r.) aus dem CHL mit einer Kiste voller neuer Babydecken.

Trostspender aus buntem Stoff

Foto:Gerry Huberty
Nadine Zeitz-Mousel und die Kinderkrankenschwestern Nathalie Lux und Barbara Tasch (v.l.n.r.) aus dem CHL mit einer Kiste voller neuer Babydecken.
Lokales 4 Min. 26.08.2018

Trostspender aus buntem Stoff

Nathalie ROVATTI
Nathalie ROVATTI
Die kleinen, farbigen Kleidungsstücke sind so winzig, dass sie teilweise in eine Hand passen. Sie sehen aus, als wären sie für Puppen gemacht. Genäht wurden sie aber für ganz besondere Kinder, nämlich für solche, die viel zu früh das Licht der Welt erblicken.

Nadine Zeitz-Mousel ist die Gründerin der Facebook-Seite „Zaubere mat Stoffreschter fir Prématureeën“. Via das soziale Netzwerk organisieren sich zehn Frauen, um ehrenamtlich und kostenlos kleine, ganz kleine Bodys, Hemdchen, Hosen, Strampler, Schühchen, Schlafsäcke und Decken aus farbenfrohen Stoffen für Frühchen und Sternenkinder zu nähen.

Gespendet werden die Kleidungsstücke an die Intensivstationen für Frühgeborene in den Kliniken CHL und Bohler in Luxemburg-Stadt sowie an die Entbindungsstationen des CHEM in Esch/Alzette und des CHdN in Ettelbrück.

Etwas Normalität

Aber nicht alle zu früh entbundenen Babys gewinnen den Kampf um ihr Leben.

Für sie und für jene, die still geboren werden, fertigen die Damen auch kleine Einschlagdecken mit Kapuze, in denen die toten Kinder ebenfalls bestattet werden können. Genäht werden auch kleine Andenken wie Erinnerungswichtel in doppelter Ausführung, von denen eines den Babys mit ins Grab gegeben wird und eines bei den Eltern bleibt. „Auf diese Weise wollen wir den Kindern Würde und den Eltern ein klein wenig Trost spenden“, so Nadine Zeitz-Mousel.

„Richtige“ Babykleidung bringt etwas Normalität in den Klinikalltag.
„Richtige“ Babykleidung bringt etwas Normalität in den Klinikalltag.
Foto:Gerry Huberty

Wie viel diese, mit viel Liebe genähten, Kleidungsstücke den Eltern bedeuten, wissen auch Nathalie Lux und Barbara Tasch, Kinderkrankenschwestern auf der Intensivstation für Frühgeborene im CHL.

„Eltern von Frühchen finden sich in einer Situation wieder, die emotional sehr belastend ist. Kleidung ist zwar dann nicht die Hauptsorge betroffener Eltern und doch sind es oftmals die fröhlich-bunten Bodys und Strampler, die helfen, anfängliche Berührungsängste abzubauen oder auch etwas Normalität in die belastende Situation zu bringen“, erläutert Barbara Tasch. Auch das Pflegepersonal auf der Station findet Gefallen an den selbst genähten Kleidungsstücken und zieht es den Babys mit Freude an.

Neben den Anziehsachen versorgen die Nähdamen die Station auch mit Decken, die zum Beispiel genutzt werden, um die Inkubatoren abzudecken, damit möglichst wenig Einflüsse von außen auf die Babys einwirken können.

Solche Nähprojekte gibt es im Ausland schon länger. „Dort sind wir auch auf ähnliche Initiativen aufmerksam geworden“, erklärt Nadine Zeitz-Mousel, die wie so viele andere ehrenamtliche Näherinnen, aus eigener Betroffenheit heraus zu diesem Hobby gefunden hat.

Beharrlichkeit zahlte sich aus

Das Projekt hierzulande war nicht leicht zu starten. „Anfangs hieß es immer, dass derartige Kleiderspenden in den Luxemburger Kliniken nicht erwünscht seien. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich mich nicht so leicht abspeisen lasse“, erinnert sich die Initiatorin. Also wurde sie mit ihren Sachen in den Kliniken vorstellig und versuchte die Stationsverantwortlichen zu überzeugen. Diese Beharrlichkeit zahlte sich aus.

Zuerst gab die Bohler-Klinik ihr Einverständnis, dann folgten das CHL und etwas später das CHEM und schließlich auch das CHdN. Am engsten ist die Zusammenarbeit mit dem CHL, wo Nadine Zeitz-Mousel in der Pflegeverantwortlichen der Frühchen- und pädiatrischen Intensivstation, Nathalie Lux, eine Ansprechpartnerin fand, die ebenfalls von dem Projekt überzeugt ist.

In ausführlichen Gesprächen wurden die Schnittmuster der Kleider besprochen. Welche Weite, welche Größe, damit die medizinischen Zugänge gelegt werden können? Welche Materialien, damit die Babys warm genug sind und ihre empfindliche Haut geschützt ist? Was wird am meisten gebraucht, was weniger? Seit Oktober 2017 wird die Frühchenstation des CHL regelmäßig beliefert.

Die Kleider beginnen bei Größe 36. Die Einschlagdecken für Sternenkinder sind oft nicht größer als 20 Zentimeter.
Die Kleider beginnen bei Größe 36. Die Einschlagdecken für Sternenkinder sind oft nicht größer als 20 Zentimeter.
Foto:Gerry Huberty

Da in einer Klinik strenge Hygienenormen herrschen, werden die Kleiderspenden zuerst in der Krankenhauswäscherei entsprechend gereinigt und mit Etiketten versehen. Anschließend kommen sie in die Station, wo sie auch bleiben. „Die Sachen, die wir für das Krankenhaus nähen, bleiben auch in der Station. Wir bieten den Eltern aber an, ihnen sogenannte Welcome-Home-Sets anzufertigen, damit sie etwas haben, das sie ihren Kindern in den ersten Tagen zu Hause anziehen können“.

In den Geschäften beginnen die Babygrößen in der Regel bei 50, mancherorts findet man auch Kleidungsstücke in 44. Die Frühchennäherinnen starten bei Größe 36. Für Sternenkinder sind die Einschlagdecken oftmals nicht größer als 20 Zentimeter.

Um ihrer wertvollen Tätigkeit nachgehen zu können, sind die Damen der Gruppe „Zaubere mat Stoffreschter fir Prématureeën“ auf Stoff- und Nähzubehörspenden angewiesen.

Stoffspenden benötigt

„Nähen ist ja seit einiger Zeit wieder im Trend, vor allem Kinderkleidung. Nach jedem Nähprojekt bleiben Stoffreste übrig, mit denen man oft nichts anzufangen weiß. Wir sind dankbare Abnehmer solcher Stoffreste, da wir oft keine großen Mengen für die Minikleidung benötigen“, so Nadine Zeitz-Mousel.

Eine Herzensangelegenheit ist es ihr, dass die Sternenkindersets aber nicht aus Stoffresten, sondern aus neuen Stoffen gefertigt werden. „Diese Kinder werden ein einziges Mal angezogen. Das soll etwas Besonderes sein“.

Gefragt sind vor allem weiche Stoffe wie Jersey oder Baumwolle, aber auch Accessoires wie zum Beispiel Druckknöpfe.

In Kontakt treten mit Nadine Zeitz-Mousel kann man via die Facebookseite „Zaubere mat Stoffreschter fir Prématureeën“ oder mittels der E-Mail-Adresse mouselnadine@gmail.com.