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Tourismusbilanz: Einfachheit ist Trend
In Jugendherbergen ist die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr gestiegen.

Tourismusbilanz: Einfachheit ist Trend

Foto: Lex Kleren
In Jugendherbergen ist die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr gestiegen.
Lokales 3 Min. 08.08.2018

Tourismusbilanz: Einfachheit ist Trend

Elisabeth GILLEN
Von Januar bis Ende Juni wurden fast 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Die Mehrheit der Gäste kommt aus den Niederlanden, beliebtester Ausflugsort ist der Bettemburger Märchenpark.

Die meisten Touristen, die das Großherzogtum besuchen, schlafen im Hotel. 806.000 Übernachtungen wurden dort im ersten Halbjahr gezählt. Dies entspricht allerdings einem leichten Rückgang, wie die Zahlen, die Luxembourg for Tourism am Mittwoch vorgelegt hat, zeigen. Dafür ist bei den Campingplätzen und Jugendherbergen ein deutliches Plus um 14,8 beziehungsweise 10,4 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt ist die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent gestiegen – knapp 1,3 Millionen wurden seit Jahresbeginn und bis Ende Juni gezählt. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2017 wurden in Luxemburg drei Millionen Übernachtungen registriert.

Wie Sebastian Reddeker, Direktor von Luxembourg For Tourism, erklärt, würden immer mehr Touristen die „innovativere Art des Campings“ nutzen. Gemeint sind damit kleine Chalets oder Hütten, bei denen es sogar ein Plus von 17 Prozent gibt. „Dadurch wird das Camping weniger saisongebunden, weil man so nicht vom Wetter abhängig ist.“

Einbußen in der Hotellerie

Der Rückgang in der Hotelbranche liegt laut Francine Closener, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, vor allem daran, dass es weniger Geschäftstourismus gegeben hat als sonst. Der Grund: „Es werden immer mehr Videokonferenzen geführt.“

Betroffen sind vor allem Hotels im Südosten des Landes (-4,2 Prozent) und auch im Zentrum (-1,5 Prozent). „Eine solche Beobachtung hat es schon gegeben, man muss aber keine Tendenz nach unten befürchten“, betont Sebastian Reddeker.

Das Müllerthal und der Regen

Im Gegensatz zum Müllerthal, wo die Zahl der Übernachtungen in Hotels im Vergleich zum Vorjahr mit 9,2 Prozent am stärksten angestiegen ist. „Den definitiven Impakt der Überschwemmungen im Juni kann man jetzt noch nicht messen“, so Francine Closener, schließlich mache der Juni nur ein Sechstel aus, die Zahlen für den Monat Juli liegen noch nicht vor. Erst gegen Ende des Jahres könne man hierzu genauere Angaben machen.

„Die Auswirkungen der Unwetter in der Region sind nicht so groß wie erwartet“, präzisiert indes Sebastian Reddeker. Im Müllerthal seien mittlerweile 80 Prozent der Wanderwege wieder begehbar, bloß neun seien noch geschlossen. Die Einnahmen der Hotelbetreiber pro Zimmer sind im ersten Semester im Schnitt um vier Prozent gestiegen und auch die Belegungsquote erweist sich im europäischen Vergleich als gut.

Was die Herkunftsländer der Menschen, die in Luxemburg übernachten, betrifft, so hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert: Die Niederländer sind weiterhin am stärksten vertreten, gefolgt von den Belgiern. Anstiege sind allerdings zu verzeichnen bei den Besuchern aus Spanien und aus Japan. „Die Japaner geben meist viel Geld hier aus und zeigen ein großes Interesse an unserer Kultur“, stellt Sebastian Reddeker fest.

Beliebteste Freizeitattraktion in Luxemburg ist und bleibt derweil der Parc merveilleux in Bettemburg. 145 308 Gäste wurden dort zwischen Januar und Ende Juni gezählt. Es folgen geführte Rundgänge durch Luxemburg-Stadt, das Viandener Schloss, das Mudam, die Kasematten, das Lëtzebuerg City Museum, der Sessellift in Vianden und der Hop-on-hop-off-Bus.

Agrotourismus fördern

Trotz der guten Resultate im ersten Halbjahr verweist Francine Closener auf die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren viele Betriebe über Land schließen mussten und seitdem leer stehen. Um dem entgegenzuwirken, könne der Staat zum Beispiel Hotels aufkaufen und renovieren, um sie dann jungen Unternehmern zur Verfügung zu stellen, so Closener.

Eine weitere Idee sei es, das System der sogenannten Gîtes stärker zu unterstützen. Hier könne man sich am Agrotourismus inspirieren, also einer Art Camping am Bauernhof. „Im Ausland funktioniert dieses Prinzip und es könnte auch hier klappen“, findet Francine Closener. Bei dieser Initiative müsse man vor allem Privatpersonen unterstützen.


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