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Totschlagsprozess: Widersprüchliche Unschuldsbeteuerungen
Lokales 2 Min. 14.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Totschlagsprozess: Widersprüchliche Unschuldsbeteuerungen

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Totschlagsprozess: Widersprüchliche Unschuldsbeteuerungen

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
Foto: Guy Wolff
Lokales 2 Min. 14.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Totschlagsprozess: Widersprüchliche Unschuldsbeteuerungen

Im Prozess um einen versuchten Totschlag im Mai 2016 in Esch/Alzette widersprachen die Angeklagten dem Opfer. So sollen sowohl die Annäherungsversuche als auch der Streit von dem damals 74-jährigen Mann ausgegangen sein.

(SH) - Er sei neidisch gewesen und hätte sie dann geschlagen, nicht zum ersten Mal. So erklärte die Hauptangeklagte am zweiten Verhandlungstag, wie es zu dem Streit am 12. Mai 2016 im Wohnhaus des Opfers gekommen war. Der 74-jährige Mann war bei der Auseinandersetzung so schwer verletzt worden, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Larisia B. muss sich nun gemeinsam mit ihren beiden Schwestern Claudia und Marinela S. wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

Larisia B. und Caudia S. sollen den Mann die Treppe hinabgestoßen, ihn geschlagen, gewürgt, sich auf seinen Oberkörper gesetzt, ihm ein Stück Stoff in den Mund gesteckt und ihn dann in ein Zimmer eingesperrt haben. Larisia B. wollte von diesen Vorwürfen allerdings nichts wissen. Sie sprach von einem aggressiven Mann, der ihr bereits mehrmals gedroht habe, sich umzubringen, wenn sie ihn verlassen würde. Er habe sich immer selbst geschlagen und seine Kleider zerrissen, wenn er sich aufgeregt und zu viel Alkohol getrunken hätte. Ihr zufolge hätte sich der Mann wohl selbst oder beim Sprung aus dem Fenster aus dem ersten Stock verletzt. Er hätte sich wohl umbringen wollen. In ihren Aussagen verstrickte sich Larisia B. allerdings immer wieder in Gegensätzen.

Claudia S. erzählte ihrerseits von einem Streit zwischen Larisia B. und dem Opfer. Der Mann soll in der Treppe gestürzt gewesen sein. Sie gab zu, ihn im Zimmer eingesperrt zu haben, weil er sich aufgeregt hätte. Gewürgt oder geschlagen habe sie ihn aber nicht. Sie hätte ja auch keinen Grund gehabt, ihm etwas zuleide zu tun.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
"Ich sah den Wahnsinn in ihren Augen"
Wegen versuchten Totschlags müssen sich derzeit drei Frauen vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, einen damals 74-jährigen Mann in der Nacht zum 12. Mai 2016 in Esch/Alzette schwer misshandelt zu haben.

Das Opfer hatte seinerseits am Vortag den Tathergang glaubwürdig geschildert.

„Ich hatte Mitleid“

Er hatte auch erklärt, Larisia B. habe ihn heiraten wollen. Die Angeklagte erklärte am Mittwoch unterdessen, dass die Annäherungsversuche vom späteren Opfer ausgegangen waren. Beide hätten sich im August 2015 in einer Bar kennengelernt. Sie sei anschließend wohl ab und zu bei ihm zu Hause gewesen, hätte allerdings „nicht richtig“ dort gewohnt. „Er war traurig und fühlte sich alleine. Er suchte nach jemandem, der ihm seine verstorbene Frau ersetzen würde. Ich hatte Mitleid mit ihm“, so die Angeklagte. Nach einem Monat hätte der Mann angefangen, ihr Geschenke zu machen und ihr Geld zu geben. Auch hätte er sie gefragt, ob sie ihn heiraten würde und mit ihm Kinder haben wolle. Die Frau, rund 35 Jahre jünger als der Mann, hätte zugestimmt, sei sich allerdings nicht sicher gewesen, dass es wirklich soweit kommen würde.

Im Februar 2016 seien ihre beiden Schwestern ebenfalls nach Esch/Alzette gekommen. Sie hätten eigentlich nur ein paar Tage im Haus bleiben sollen, allerdings hätte sich Claudia S. dann den Fuß gebrochen, wodurch beide Frauen nicht mehr arbeiten konnten. Ihr Auszug sei dann aber für Mai geplant gewesen, deshalb habe die Polizei gepackte Koffer am Tatort vorgefunden.

Claudia S. sprach ihrerseits von einem harmonischen Zusammenleben. Dem hatte jedoch nicht nur das Opfer, sondern auch der ehemalige Lebensgefährte der Frau widersprochen. Er habe immer wieder versucht, die Lage zu beruhigen. Einmal hätte er sich gar zwischen Claudia S. und das spätere Opfer stellen müssen, als die Frau den Mann stoßen wollte.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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