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Tornado: Großes Interesse an Informationsveranstaltungen
Lokales 7 6 Min. 14.08.2019

Tornado: Großes Interesse an Informationsveranstaltungen

Die Bürger von Petingen erscheinen am Dienstagabend zahlreich.

Tornado: Großes Interesse an Informationsveranstaltungen

Die Bürger von Petingen erscheinen am Dienstagabend zahlreich.
Foto: Lex Kleren
Lokales 7 6 Min. 14.08.2019

Tornado: Großes Interesse an Informationsveranstaltungen

Mehr als 200 Betroffene nahmen am Dienstagabend an der Informationsversammlung in Lamadelaine teil. In Käerjeng waren es etwa doppelt so viele.

Von Sarah Cames und Luc Ewen 

Gleich zwei Informationssitzungen für Tornadoopfer mit Familienministerin Corinne Cahen fanden am Dienstag statt. 

Um 20 Uhr, zwei Stunden nach Beginn der Bürgerversammlung in Petingen (siehe unten), fand die Versammlung in Niederkerschen statt. 

Erst Scherze, dann Emotionen und danach kaum Kritik 

Schon 30 Minuten vor Beginn der Versammlung in Niederkerschen beginnt der Saal sich zu füllen. Das Interesse scheint enorm. Die Stimmung gemischt. Es fallen sogar Scherze. 

“Unsere Straße sitzt hier”, weist ein Mann lachend einen anderen zurecht, der sich eben setzen wollte. Man nimmt es mit Humor. Aber, viele Blicke sind auch ernst. 

Michel Wolter auf dem Weg in die Versammlung im Käerjenger Treff. Auch dieses Gebäude wurde vom Tornado schwer getroffen, wie das Bild zeigt.
Michel Wolter auf dem Weg in die Versammlung im Käerjenger Treff. Auch dieses Gebäude wurde vom Tornado schwer getroffen, wie das Bild zeigt.
Foto: Lex Kleren

Dann beginnt die Versammlung. Mittlerweile sind mehr als 400 Bürger im großen Saal des Käerjenger Treffs anwesend. „Es gibt Versammlungen im Leben, die will man nicht abhalten. Dies ist so eine”, beginnt Bürgermeister Michel Wolter seine lange und emotionsgeladene Ansprache. 

Ganz detailliert resümiert er die Geschehnisse seit Beginn des Tornados. Er zählt  jede einzelne Maßnahme auf, welche die Rettungskräfte – und die Gemeinde im Besonderen – unternommen haben. Wolter selbst weilte bis Dienstag im Ausland. Erst kurz vor der Versammlung hatte er nach Luxemburg zurückkehren können. 

305 Häuser mit Schäden

Schöffe Frank Pirotte, der Michel Wolter vor Ort vertreten hatte, wird vom Bürgermeister gelobt. Beide erhalten mehrfach Applaus. 

Aus Wolters Rede geht hervor, dass 305 Schäden an Häusern auf dem Gemeindegebiet gemeldet wurden. Drei bis vier Häuser seien komplett unbewohnbar und die Dächer von 30 bis 40 Häusern wurden ganz vom Tornado abgedeckt. 

Wolter hebt mehrfach die Solidarität in der Gemeinde hervor. Nachbarn, Pfadfinder, Hotelbesitzer, Bauern und viele weitere hätten Solidarität bewiesen. Die Bauern etwa, indem sie Maschinen bei den Aufräumarbeiten zur Verfügung gestellt haben. Aber auch sie hätten großen Schaden erlitten. 

Wir haben sie gerufen, sie sind gekommen und wir haben sie auch gebraucht.

So seien einige Felder ganz mit Schutt bedeckt. Demnächst wird die Gemeinde daher eine Groussbotz–Aktion auf den Feldern durchführen. Freiwillige die helfen wollen, sind willkommen.   

Aber nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern landesweit habe es Solidarität gegeben. „Wir haben sie gerufen, sie sind gekommen und wir haben sie auch gebraucht“, so Wolter über die Helfer aus dem In- und Ausland. 

Wolter berichtet, dass die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Käerjenger Dribbel ganz vom Tornado aus ihrer Verankerung gerissen wurde. Deshalb sei auch das Dach schwer beschädigt. 

Die Gemeindearbeiter sei dabei, jene Bäume auf dem Gemeindegebiet, die wegen der Sturmschäden eine Gefahr darstellen, zu fällen. Mittelfristig plant die Gemeinde daher eine große Baumpflanzaktion. 

Ministerin rät, Schäden zu dokumentieren

Die Rede der Ministerin Corinne Cahen fällt dagegen verhältnismäßig kurz aus. Sie betont, dass die Betroffenen alle Sachschäden fotografieren sollen. Als Beweise seien diese Fotos wichtig. Auch sollen sich traumatisierte Personen beim Familienministerium melden. 

Vertreter der Versicherungen und von Sudgaz geben danach zusätzliche praktische Informationen. Dann ergreift Michel Wolter erneut das Wort. Er lobt die Solidarität unter allen Gemeinden. 

Kurze Fragestunde

Als er den Teil der Versammlung mit den Reden für beendet erklärt, verlassen fast alle Bürger den Saal. Vielen sieht man die Erschöpfung der vergangenen Tage an. Nur etwa ein Viertel der anwesenden Bürger verbleibt im Saal, um der Fragestunde beizuwohnen. Entsprechend kurz fällt diese aus.

Ein Bürger echauffiert sich über unseriöse Handwerker. Für die Versicherung habe er einen Kostenvoranschlag bei mehreren Handwerkern angefragt. Der teuerste habe bei 16.000 Euro gelegen, der billigste bei 2.000. Dies für dieselbe Arbeit. Michel Wolter rät, den teureren Betrieb bei der Handwerkskammer und dem Konsumentenschutz zu melden. 

Die Einwohnerin eines Mehrfamilienhauses klagt, das Verwaltungssyndikat des Hauses behaupte einfach, die Versicherungen würden für den Schaden nicht aufkommen. Die Besitzer der Wohnungen fühlen sich alleine gelassen. An die Frau ergeht der Rat, selbst mit den Versicherungsgesellschaften zu reden. 

Dieselbe Frau hatte keine Kaskoversicherung für ihr Auto. Da es beim Tornado zerstört wurde, fragt sie, wer nun für den Schaden aufkommen wird. 

Corinne Cahen erklärt, dass die staatliche Unterstützung nicht für das Ersetzen von Autos gedacht sei. Auch andere Luxusgüter, wie etwa Saunaanlagen oder Zweitwohnungen fallen nicht unter die staatliche Hilfe. Cahen erinnert daran, dass es sich bei der Katastrophenhilfe um eine soziale Maßnahme handelt.

Nach der Fragestunde erhalten die Ministerin und der Bürgermeister Applaus von den noch verbliebenen Anwesenden. Wirklich kritische Fragen oder gar Kritik an den Rettungsarbeiten, war in Niederkerschen keine zu vernehmen.

Viele Fragen in Petingen

Zuvor fand in der Gemeinde Petingen eine Informationsversammlung statt, bei der Familienministerin Corinne Cahen und der Petinger Bürgermeister Pierre Mellina über 200 Bewohnern der Gemeinde Rede und Antwort standen. Es ging vor allem um Fragen zu den staatlichen Beihilfen, die den Opfern des Tornados vom Freitagabend zugutekommen.

Der Andrang vor dem Kulturzentrum in der Rue Grousswiss in Lamadelaine war schon vor dem offiziellen Start der Veranstaltung um 18 Uhr groß. Es staute sich am Eingang, nicht zuletzt, weil Betroffene die Gelegenheit nutzten, der Gemeinde ihre Adresse und Telefonnummer zu hinterlassen, um über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Auch Formulare zur Beantragung der Beihilfen lagen am Eingang aus.

In dem Festsaal von Lamadelaine lagen für Betroffene Formulare zur Beantragung von staatlichen Hilfen aus.
In dem Festsaal von Lamadelaine lagen für Betroffene Formulare zur Beantragung von staatlichen Hilfen aus.
Foto: Lex Kleren

Der Bürgermeister von Petingen begrüßte die Versammelten und übergab das Wort an Corinne Cahen, die versprach, den Opfern möglichst "schnell, pragmatisch und unbürokratisch" Hilfe zukommen zu lassen. Geholfen wird vor allem denen, die nicht durch eine Versicherung abgedeckt sind. Hilfe gibt es auch über das Sozialamt und die Gemeinde. Des Weiteren steht durch das Familienministerium ein Pool an Psychologen bereit, erklärte Cahen auch, die womöglich traumatisierten Opfern des Tornados, egal ob Kinder oder Erwachsene, Beistand leisten können. 


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Die Frage-und-Antwort-Runde übernahm dann wieder Bürgermeister  Pierre Mellina. Betroffene schilderten die Zerstörung an ihren Häusern, doch die Fragen waren meist praktischer Natur. Laut dem Bürgermeister seien am Dienstag bereits fünf Häuser als unbewohnbar klassiert worden. Sie werden mindestens sechs Monate unbewohnbar bleiben, solange, bis die nötigen Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind. In der Zeit kommen die Betroffenen zunächst in Hotels oder bei Privatpersonen unter, bevor ihnen eine vergleichbare Übergangswohnung zugeteilt wird. Bis Anfang nächster Woche sollen auch alle restlichen Risiko-Gebäude auf ihre strukturelle Integrität überprüft worden sein. Insgesamt haben durch den Tornado am Freitagabend 727 Gebäude Schäden davongetragen.

Vereinzelt schlugen dem Bürgermeister erhitzte Stimmen entgegen, etwa von solchen, die Angst hatten, dass Experten ihr Haus als unbewohnbar einstufen könnten und sie dadurch länger nicht in die eigenen vier Wände zurückkehren könnten.


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Dazu fand jedoch ein weiterer Betroffener klare Worte: "Es gibt Leute, die wollen einfach keine Hilfe annehmen, auch wenn sie ihnen angeboten wird". Wenn die Mauern an einem Reihenhaus schief stünden und die Besitzer trotzdem keine Experten ins Haus lassen wollen, um die Standhaftigkeit des Gebäudes zu prüfen, dann gefährde das auch die Nachbarn und deren angrenzende Häuser. "Das droht zusammenzufallen wie ein Kartenhaus", so der Mann.

Größtenteils blieb die Veranstaltung jedoch ruhig, gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung dominierten. Ein Fragesteller bedankte sich nach gestellter Frage bei Ministerin Cahen und Bürgermeister Mellina erntete Applaus vom restlichen Festsaal.


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