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Tödliches Virus: Luxemburg auf Ebola-Ernstfall vorbereitet
Lokales 2 Min. 06.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Tödliches Virus: Luxemburg auf Ebola-Ernstfall vorbereitet

Zwei Lear-Jets der Air Rescue wurden so umgerüstet, dass sie Ebola-Patienten transportieren können.

Tödliches Virus: Luxemburg auf Ebola-Ernstfall vorbereitet

Zwei Lear-Jets der Air Rescue wurden so umgerüstet, dass sie Ebola-Patienten transportieren können.
Guy Jallay
Lokales 2 Min. 06.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Tödliches Virus: Luxemburg auf Ebola-Ernstfall vorbereitet

Die Regierung hat ihre Präventions-Pläne gegen das Ebola-Virus vorgestellt. Luxemburg, so die Botschaft, ist vorbereitet, falls ein Patient hierzulande behandelt werden muss. Ab Januar kann auch die Air Rescue Ebola-Kranke transportieren – als erstes Land in Europa.

(jsf) – Am Donnerstagnachmittag hat die Regierung am Flughafen Findel ihre Präventions-Pläne gegen das Ebola-Virus vorgestellt. Premier Xavier Bettel sagte: „Bislang gab es in Luxemburg noch keinen Ebola-Fall, aber es ist gut, einen Plan zu haben.“ Man müsse sich auch hierzulande auf den Ernstfall vorbereiten. Das sei mittlerweile geschehen.

Eine Million Euro sei investiert worden. „Es muss aber auch in den betroffenen Ländern geholfen werden“, so Bettel. Weitere 654.000 Euro zahlt Luxemburg daher im Rahmen eines bilateralen Gesundheitsprogrammes an Senegal. Das Unternehmen ArcelorMittal gibt 200.000 Euro an ein Projekt des Roten Kreuzes für Liberia, da der Konzern dort Minen unterhält.

Innenminister Dan Kersch sagte, dass man im Falle eines Ebola-Verdachts umgehend die Nummer 112 anrufen sollte. Auf keinen Fall solle man direkt zu einem Arzt gehen. Es besteht sonst die Gefahr, andere anzustecken. Kersch sieht Luxemburg gut gewappnet. „Wir sind weit über die Auflagen der Weltgesundheitsorganisation hinausgegangen“, sagt Kersch. Unter anderem sei bessere Schutzkleidung besorgt worden als gefordert. 170 Rettungskräfte seien für den Transport von Ebola-Patienten ausgebildet worden. Zwei Spezialrettungswagen stehen bereit.

Abkommen mit Krankenhäusern in Deutschland und Frankreich

Gesundheitsministerin Lydia Mutsch sagte, man habe bereits an alle Ärzte und Krankenhäuser im Land Anweisungen geschickt, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie in Kontakt mit einem Ebola-Patienten kommen. „Die Krankenhäuser haben sich gut vorbereitet. Es gab schon einige Übungen mit Sicherheitskleidung“, so Mutsch. Sollten kurzfristig weitere Einweg-Schutzanzüge benötigt werden, könne Luxemburg von "Ärzte ohne Grenzen" in Brüssel jederzeit 100 weitere Anzüge bekommen. Xavier Bettel merkte an, niemand müsse besorgt sein, wenn er einem Krankenhaus Menschen in Schutzanzügen sehe. Das seien Übungen, man müsse nicht in Panik geraten.

Beim CHL gibt es zwei spezielle Unterdruck-Zimmer für Ebola-Patienten. Sollte es mehr Ebola-Patienten in Luxemburg geben, könne auf Kliniken in Düsseldorf, Straßburg und Nancy zurückgegriffen werden, mit denen es eine Partnerschaft gebe. Elisabeth Heisbourg von der Inspection Sanitaire des Gesundheitsministeriums sagte, Luxemburg habe auch Zugriff auf einen kleinen Vorrat der EU an dem antiviralen Medikament Favipiravir, das gegen Ebola eingesetzt wird. Ein absolut wirksames Medikament gegen die Krankheit gibt es allerdings noch nicht.

Bei einem Pressetermin zeigten zwei Hilfskräfte, wie nach einem Ebola-Einsatz die Einweg-Schutzanzüge mit einem Desinfektionsmittel abgespritzt werden.
Bei einem Pressetermin zeigten zwei Hilfskräfte, wie nach einem Ebola-Einsatz die Einweg-Schutzanzüge mit einem Desinfektionsmittel abgespritzt werden.
Guy Jallay

Air Rescue baut Jets für Ebola-Patienten um

Im Anschluss an die Präsentation der Ebola-Pläne wurde auf dem Flughafengelände das Ernstfall-Prozedere des Centre d'Intervention und der Berufsfeuerwehr Luxemburg gezeigt. Es wurde beispielhaft gezeigt, wie ein Ebola-Patient in einer kapselartigen Liege in einen der Spezialkrankenwagen befördert wird. Nach dem Einsatz spritzen sich die Einsatzkräfte in einem Zelt gegenseitig ihre Einweg-Schutzanzüge mit einem Desinfektionsmittel ab. Weiteres Personal in Schutzanzügen hilft beim Ausziehen. Im Anschluss werden alle Anzüge verbrannt.

Ebenfalls auf dem Flughafen stand einer der vier (künftig fünf) Lear-Jets der Air Rescue. Zwei von ihnen werden nun für insgesamt eine halbe Million Euro umgerüstet, damit sie Ebola-Patienten transportieren können. „Mitte Januar sollen sie einsatzbereit sein“, sagt Air Rescue-Präsident René Closter. Bislang besitze kein anderes Land in Europa solche Flugzeuge. Das Personal werde bereits für den Umgang mit Ebola-Patienten geschult.


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