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Tödlicher Unfall in Waschanlage: Firmen am Pranger
Lokales 2 Min. 04.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Tödlicher Unfall in Waschanlage: Firmen am Pranger

Der Unfall ereignete sich am 30. Mai 2015 in dieser Waschanlage.

Tödlicher Unfall in Waschanlage: Firmen am Pranger

Der Unfall ereignete sich am 30. Mai 2015 in dieser Waschanlage.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 04.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Tödlicher Unfall in Waschanlage: Firmen am Pranger

Nachdem es im Mai 2015 in einer Waschanlage in Koetschette zu einem tödlichen Unfall gekommen war, mussten sich am Montag drei Firmen vor Gericht verantworten. Zwei von ihnen drohen Geldstrafen.

(SH) - Samstag, 30. Mai 2015: Ein 76-jähriger Mann begibt sich kurz vor Mittag mit seinem Wagen in die Waschanlage einer Tankstelle in Koetschette. Hier lässt er seinen Wagen etwa einmal pro Woche reinigen. Als regelmäßiger Kunde kennt er das System der Selbstbedienungsanlage. Er weiß, dass er erst mit seinem Wagen in die Waschhalle fahren, diese dann aber zu Fuß verlassen muss, um außerhalb der Halle den Startknopf zu betätigen.

Mehrmals wurde er auch darauf hingewiesen, dass er draußen warten muss, bis der Vorgang abgeschlossen ist. An diese Regel hält sich der Mann, wie einige andere Kunden auch, aber meist nicht. Auch am 30. Mai 2015 tut er dies nicht – mit fatalen Folgen.

Denn als der 76-Jährige an jenem Tag zu seinem Auto zurückgeht und die Fahrertür öffnet, hat der Waschvorgang bereits begonnen. Der Schlitten drückt auf die offene Tür, woraufhin der Mann zwischen ihr und dem Gehäuse eingeklemmt wird. Zwar werden die Hilferufe des Mannes gehört, der Notknopf von außen getätigt und die Maschine abgestellt. Zu diesem Zeitpunkt hat der 76-jährige Mann aber bereits mehrere Rippenbrüche sowie innere Blutungen davon getragen. Er ist bei Bewusstsein, wird aber noch am Abend an den Folgen seiner Verletzungen sterben.

Verantwortungsfrage

Wegen des tödlichen Unfalls mussten sich nun der Hersteller der Maschine, jene Firma, die die Waschanlage in Koetschette aufgebaut hatte, sowie der Betreiber der Waschstraße vor dem Bezirksgericht in Diekirch verantworten.

Wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte, reiche der kleinste Fehler, um die Verantwortung der jeweiligen Gesellschaften zurückzubehalten.

In seinen Augen seien denn auch die Firma, die die Waschanlage aufbaute, und der Betreiber aufgrund eines fehlerhaften Verhaltens zu Geldstrafen zu verurteilen.

Der Betreiber habe gewusst, dass das Opfer sich nicht an die Regeln halte. Dennoch habe er ihm immer wieder ein Ticket verkauft und nichts getan, um den Mann daran zu hindern, sich nach dem Start des Waschvorgangs zu seinem Wagen zu begeben.

So seien die Tore der Waschhalle stets geöffnet geblieben. Der Betreiber hatte dies vor Gericht zwar geleugnet. Allerdings hatten sowohl ein Ermittler der Polizei als auch ein Mitarbeiter der Gewerbeinspektion ITM nach dem Unfall vor Ort andere Feststellungen gemacht.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hob jedoch noch einen weiteren Fehler aufseiten des Betreibers hervor: So sei das Warnschild, das darauf hinweist, dass keine Person die Halle während des Waschvorgangs betreten darf, nicht sichtbar genug angebracht.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
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Sicherheit nicht gewährt

Jene Firma, die die Anlage aufbaute, habe es unterdessen versäumt, ein System einzubauen, durch das sich die Anlage automatisch ausschaltet, wenn eine Person die Halle betritt. Ein Mitarbeiter der ITM hatte darauf hingewiesen, dass die Anlage ohne ein solches Sicherheitssystem nicht den Vorgaben der geltenden europäischen Direktive entspricht. Wie er erklärte, hätte der Installateur sicherstellen können – und müssen –, dass die Türen mit der Inbetriebnahme des Waschschlittens verbunden sind oder aber Lichtschranken den Betrieb stoppen, sobald eine Person diese passiert. Zudem sei keine Risikoanalyse durchgeführt worden, so wie dies von der EU-Direktive verlangt wird.

Lediglich der Hersteller des Waschportals sei freizusprechen, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Die deutsche Gesellschaft habe sich nämlich an alle Regeln gehalten. So habe sie das Portal mit der verlangten Herstellererklärung abgegeben und auf die möglichen Gefahren hingewiesen. Dass beim Hersteller keine Verstöße festgestellt worden waren, hatte auch der Vertreter der Gewerbeinspektion während der Verhandlung erklärt.

Die Richter geben ihr Urteil am 12. Dezember bekannt.  

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