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Tödlicher Arbeitsunfall: Haft gegen Geschäftsführer gefordert
Lokales 2 Min. 30.01.2020

Tödlicher Arbeitsunfall: Haft gegen Geschäftsführer gefordert

Der tragische Arbeitsunfall ereignete sich im April 2016 auf dieser Baustelle in der Rue de l’Avenir im Hauptstadtviertel Limpertsberg.

Tödlicher Arbeitsunfall: Haft gegen Geschäftsführer gefordert

Der tragische Arbeitsunfall ereignete sich im April 2016 auf dieser Baustelle in der Rue de l’Avenir im Hauptstadtviertel Limpertsberg.
Foto: Police Grand Ducale / LW-Archiv
Lokales 2 Min. 30.01.2020

Tödlicher Arbeitsunfall: Haft gegen Geschäftsführer gefordert

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Im April 2016 stirbt ein 39-jähriger Mann auf einer Baustelle in Limpertsberg. Seine Vorgesetzten sollen eine Teilschuld an seinem Tod tragen.

Seit Dienstag müssen sich zwei Bauunternehmen, deren Geschäftsführer José C. und der Vorarbeiter Carlos M. wegen eines tödlichen Arbeitsunfalls im April 2016 vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, durch das Missachten von Sicherheitsmaßnahmen den Tod eines 39-jährigen Mannes mitverantwortet zu haben. Er war in einer Baugrube in der Rue de l'Avenir in Limpertsberg von Boden und Betontrümmern erdrückt worden, nachdem eine Stützmauer abgebaut worden war.

Die Entscheidung für den Rückbau wurde drei Tage vor dem Unfall während einer Baustellenbesichtigung getroffen, bei der Baustellenverantwortliche und Gemeindevertreter anwesend waren. Dem Vorarbeiter zufolge habe die Gemeinde darauf gedrängt, dass die Grube aufgefüllt und das Areal wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird. Der Graben befand sich nämlich auf dem Grundstück einer Schule, das nicht zur Baustelle gehörte.

Laut Carlos M. widersetzte sich der Geschäftsführer José C. den Forderungen der Gemeinde nicht. Der Vorarbeiter, der eine Mannschaft von fünf Personen leitet, habe am 11. April 2016 mit dem Abtragen der Stützwand in der Grube begonnen. Da auch Stahlelemente entfernt werden mussten, forderte er einen zusätzlichen Arbeiter an – das spätere Opfer.

Lebensgefährliches Vorgehen

Zwei Experten waren in ihren Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass die Methode, mit der die Männer die Stützwand abgebaut hatten, lebensgefährlich war. Der Zusammenbruch der Wand sei absehbar gewesen. Die Arbeiter hätten die Grube zunächst teilweise auffüllen müssen und nur einen Teil der Stützen entfernt.

Carlos M. betonte vor Gericht, dass er sich zu keinem Zeitpunkt der Gefahr bewusst gewesen sei. Er habe auch selbst in der Grube beim Abbau geholfen. Seine Verteidigerin betonte, dass ihr Mandant keine Ausbildung für den Rückbau einer solchen Stützmauer habe. Er sei ein einfacher Maurer. Deshalb hätte er sich der Gefahr nicht bewusst sein können. Sie forderte einen Freispruch.


Die Richter fällen ihr Urteil am 20. Februar.
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Der Anwalt des Geschäftsführers unterstrich, dass sein Mandant keine direkten Anweisungen zur Arbeitsmethode gegeben hatte. Zudem seien zwei weitere Firmen mit der Überwachung von Sicherheitsmaßnahmen auf der Baustelle beauftragt gewesen.

Sein Mandant müsse aber als Geschäftsführer Verantwortung tragen. Er bat die Richter, gegenüber José C. Milde zu zeigen und das Urteil auszusetzen (Suspension du prononcé). In diesem Fall wird der Angeklagte zwar für schuldig befunden, das Urteil jedoch unter Auflagen nicht vollstreckt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah alle Angeklagten eindeutig in der Schuld. Er zeigte sich zudem nicht davon überzeugt, dass die Verantwortung für die Sicherheit auf der Baustelle an eine weitere Firma übertragen wurde. Selbst wenn dies der Fall wäre, habe José C. nicht dafür Sorge getragen, dass diese ihren Pflichten nachkommen.

Die Anklage forderte für José C. eine Haftstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, und eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Auch die beiden Firmen sollten ein Bußgeld von insgesamt 40.000 Euro zahlen.


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Zudem betonte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, dass der Vorarbeiter sehr wohl in der Lage gewesen wäre, die Gefahr der Situation einzuschätzen – er habe im Februar 2016 an einer internen Fortbildung zur Bausicherheit teilgenommen. Für den Mann beantragte er eine Geldstrafe.

Die Witwe des Verstorbenen forderte indes einen Schadensersatz von insgesamt 150.000 Euro.

Das Urteil ergeht am 27. Februar.


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