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Tödliche Schüsse in Bonneweg: Polizist unter Anklage
Lokales 3 Min. 01.03.2019

Tödliche Schüsse in Bonneweg: Polizist unter Anklage

Tödliche Schüsse in Bonneweg: Polizist unter Anklage

Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 01.03.2019

Tödliche Schüsse in Bonneweg: Polizist unter Anklage

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Im Fall des bei einer Polizeikontrolle in Bonneweg getöteten Autofahrers gab es am Freitagnachmittag eine überraschende Wendung.

Der zuständige Untersuchungsrichter hat am Donnerstag Anklage gegen jenen Polizisten erhoben, der am 11. April 2018 bei einer Polizeikontrolle in Bonneweg einen flüchtigen Autofahrer erschossen hatte. Die Tatvorwürfe lauten vorsätzliche Tötung und Körperverletzung. Das teilt die Pressestelle der Justiz am späten Freitagnachmittag mit.

Der beschuldigte Polizeibeamte bleibt unter Contrôle judiciaire auf freiem Fuß. Die Ermittlungen laufen weiter. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was ist bisher bekannt?

Am Nachmittag des 11. April war eine Streifenwagenbesatzung einer Meldung der Polizeipressestelle zufolge kurz nach 16 Uhr in der Rue des Ardennes in Bonneweg auf das auffällige Fahrverhalten eines Autofahrers aufmerksam geworden. Als die Beamten den Wagen kontrollieren wollten, habe der Fahrer die Flucht ergriffen.


11.4. Bonneweg / Polizeieinsatz / Fahrerflucht mit Schiesserei/ Foto:Guy Jallay
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Einer der Beamten sei aus dem Dienstwagen ausgestiegen und habe dem Flüchtigen deutliche Haltezeichen gegeben. Dieser habe jedoch beschleunigt und sei aus kurzer Distanz auf den Polizisten zu gefahren. Der Beamte habe daraufhin Gebrauch von seiner Dienstwaffe gemacht, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Fahrer und alleiniger Fahrzeuginsasse sei getroffen worden. Sein Wagen habe eine Hauswand gestreift und sei schließlich an der Place Léon XIII an einem Baum zum Stillstand gekommen. Der Fahrer sei noch am späten Nachmittag seinen Verletzungen erlegen.


Das Auto kam schließlich an einem Baum zum Stillstand.
Das Auto kam schließlich an einem Baum zum Stillstand.
Foto: Guy Jallay

Die Justiz bestätigte zwei Tage später, dass der Autofahrer durch die Polizeikugel zu Tode gekommen war. Das hatte die Autopsie ergeben. Bei dem Toten handelt es sich um einen 51-jährigen Niederländer, der in Deutschland lebte. Er war Polizei und Justiz in Luxemburg wegen Verkehrsvergehen bekannt und unterlag einem gerichtlichen Fahrverbot.

Die Polizeiinspektion führt die Ermittlungen.

Was hatten Zeugen ausgesagt?

Zeugenaussagen sind in solch extremen Stresssituationen immer das schwächste Glied. Dennoch war es interessant und wichtig, die Aussagen mit anderen Erkenntnissen abzugleichen. Mehreren Zeugen war der schwarze Mercedes bereits vor den Schüssen in Bonneweg aufgefallen. Zudem war in Erfahrung zu bringen, dass das Geschehen wohl bereits Minuten vor den Schüssen begonnen hatte.


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Außerdem soll der Fahrer, nachdem er zunächst vor dem Polizisten angehalten hatte, seinen Wagen zurückgesetzt haben. Dann habe er erst den Wagen mit Vollgas auf den Beamten zugesteuert. Eine Augenzeugin erklärte dem "Luxemburger Wort", sie habe drei Schüsse vernommen.

Welche Erkenntnisse ergaben sich vor Ort?

Eine Spurensuche vor Ort deckte sich mit den genannten Zeugenaussagen. So zeigte sich, dass es wohl bereits im Dernier Sol einen Vorfall gegeben haben muss.

Am Dernier Sol war der Fahrer offenbar auf den Bürgersteig aufgefahren (Stelle vom grünen Auto verdeckt) und hatte dann den Wagen energisch im Rückwärtsgang beschleunigt.
Am Dernier Sol war der Fahrer offenbar auf den Bürgersteig aufgefahren (Stelle vom grünen Auto verdeckt) und hatte dann den Wagen energisch im Rückwärtsgang beschleunigt.
Foto: Michel Thiel

Hier hatten Spurentechniker der Polizei auf den quer zur Fahrbahn liegenden Parkplätzen Reifenspuren, die auf den Bürgersteig führten, markiert. Zudem gab es hier auch Beschleunigungsspuren, die zurück auf die Straße führten. Dies dürfte ein erster Tatort sein.


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Ein zweiter Tatort befand sich offensichtlich in der Rue des Ardennes. Hier führten Bremsspuren zu einem beschädigten weißen Kastenwagen. Es sah so aus, als habe ein Autofahrer nach dem Verlassen des Kreisverkehrs die Kontrolle über seinen Wagen verloren und dann den Kastenwagen gerammt.

In der Rue des Ardennes hat der Fahrer dann diesen Kastenwagen beschädigt.
In der Rue des Ardennes hat der Fahrer dann diesen Kastenwagen beschädigt.
Foto: Michel Thiel


Weiter unten in der Rue des Ardennes, an der Kreuzung mit der Rue Sigismond, fielen die Schüsse. Hier waren nach Aufhebung der Straßensperrung durch die Spurensicherung deutliche und mehrere Meter lange Beschleunigungsspuren markiert. 

Die Beschleunigungsspuren erstrecken sich über mehr als sieben Meter.
Die Beschleunigungsspuren erstrecken sich über mehr als sieben Meter.
Foto: Michel Thiel

An der Kreuzung waren zudem zwei Stellen mit blauen Punkten und weißen Kreidekreisen markiert. Hier lagen nach den Schüssen die Patronenhülsen aus der Dienstpistole des Polizisten.

Die Position des Streifenwagens und einer Patronenhülse.
Die Position des Streifenwagens und einer Patronenhülse.
Foto: Rosa Clemente

Auf den Tatortfotos ist zu sehen, dass ein Schuss die Windschutzscheibe des Mercedes traf. Ein zweiter Einschuss ist in der Zierleiste der Fahrertür in Reifenhöhe zu erkennen. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft hatten eine genaue Zahl von abgefeuerten Schüssen genannt. Die Spurenlage zeigt, dass es mindestens zwei Schüsse gewesen sein müssen. Es ist davon auszugehen, dass der Polizist zuerst von vorne auf die Windschutzscheibe geschossen hat, sich dann zur Seite rettete, um dann noch einen weiteren Schuss auf den vorbeifahrenden Wagen abzugeben.


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