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Tödliche Massenkarambolage bei Frisingen: Prozess vorläufig ausgesetzt
Lokales 3 2 Min. 29.05.2017

Tödliche Massenkarambolage bei Frisingen: Prozess vorläufig ausgesetzt

Lokales 3 2 Min. 29.05.2017

Tödliche Massenkarambolage bei Frisingen: Prozess vorläufig ausgesetzt

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Bei einer Massenkarambolage im Oktober 2014 wurden auf der Autobahn bei Frisingen mehrere Menschen schwer verletzt, ein 30-jähriger Mann starb. Der Prozess um den tödlichen Unfall wurde am Montag jedoch gleich nach dem Auftakt wieder ausgesetzt.

(str) -   Warum der Golf gegen 6.40 Uhr am Morgen des 31. Oktobers 2014 auf der A13 zwischen Altwies und Frisingen von der Fahrbahn abkam, gegen eine Notrufsäule prallte und dann zurück auf die Fahrbahn geschleudert wurde, wird sich vielleicht im Prozessverlauf klären.

Warum insgesamt fünf Autos anschließend in die Unfallstelle rasten und drei Menschen leicht, drei Personen schwer und ein 30-jähriger Mann aus dem deutschen Grenzgebiet tödlich verletzt wurden, schien gleich nach dem Unfall klar.

Den Ermittlungen zufolge waren die Fahrer der Unfallfahrzeuge im dichten Nebel und lange vor Sonnenaufgang mit völlig unangepasster Geschwindigkeit auf der Autobahn in Richtung Luxemburg unterwegs, sodass sie quasi ungebremst in die vor ihnen verunglückten Autos hineinrasten.

Den Helfern boten sich grausige Bilder an der Unfallstelle rund 600 Meter vor der Ausfahrt Frisingen. Insbesondere ein Fiat mit drei Insassen war schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Mann auf der Rückbank hatte keine Überlebenschance.

Drei Beteiligte angeklagt

Drei am Unfall beteiligte Autofahrer müssen sich seit Montag vor dem Bezirksgericht Luxemburg für den Tod des 30-jährigen Deutschen verantworten. Einer der Angeklagten sitzt im Rollstuhl und auch ein anderer scheint unter starken körperlichen Folgeschäden zu leiden.

Zum Prozessauftakt wurde sich allerdings nicht mit dem Unfall an sich befasst. Und bis es dazu kommt, werden wohl noch einige Monate vergehen. Denn der vorsitzende Richter sah sich gezwungen, den Prozess vorläufig auszusetzen. Der Grund: Die Rechte der Verteidigung waren, wie es scheint, nicht gewahrt worden.

Wie der Verteidiger des Angeklagten Jean-Marie B. hervorhob, sei sein Mandant nicht mit den Schlussfolgerungen der von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachter einverstanden.

Aus diesem Grund führte Me Max Muller an, habe er ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Allerdings hätten dem von der Verteidigung hinzugezogenen Experten nicht die gleichen Beweismittel vorgelegen, wie der Staatsanwaltschaft.

Wie sich in der Verhandlung am Montag zeigte, waren der Verteidigung nämlich nur jene Fotos der Spurensicherung zugestellt worden, die der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Experte für sein Gutachten berücksichtigt hatte.

109 Luftaufnahmen, der 3D-Scan der Unfallstelle, sowie die Dateien mit den Unfallparametern eines weiteren Experten allerdings nicht. Zudem sind wohl Bilddateien als PDF-Dokumente überstellt worden, und nicht im üblichen JPEG-Bildformat – sodass diese nicht in gleicher Weise ausgewertet werden konnten wie die Originale.

„Gleichheit der Waffen“

Für Me Muller ein klarer Verstoß gegen das Rechtsprinzip der „Gleichheit der Waffen“. Diese Vorgabe gilt als eine Grundvoraussetzung für einen fairen Prozess, denn sie sieht vor, dass Ankläger und Angeklagtem gleiche Rechte und Mittel gewährt werden. Insbesondere muss jedes Dokument, das in die Beweisaufnahme einfließt, von allen Parteien bewertet und infrage gestellt werden können.

Die 13. Strafkammer gab dem Antrag der Verteidigung statt, sodass der Prozess im Sinne der Wahrheitsfindung für unbestimmte Zeit ausgesetzt wird.


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