Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Tödliche Liebesfalle in Brasilien
Lokales 2 Min. 27.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord an 71-jährigem Luxemburger

Tödliche Liebesfalle in Brasilien

Der Prozess vor der Kriminalkammer ist auf drei Wochen angesetzt.
Mord an 71-jährigem Luxemburger

Tödliche Liebesfalle in Brasilien

Der Prozess vor der Kriminalkammer ist auf drei Wochen angesetzt.
Foto: Steve Remesch
Lokales 2 Min. 27.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord an 71-jährigem Luxemburger

Tödliche Liebesfalle in Brasilien

Puerto Seguro nennt sich der Ort, an dessen Strand Henri Z. aus Senningerberg am 25. Oktober 2011 getötet wurde. Der sichere Hafen war für den 71-Jährigen eine Todesfalle. Er wurde mit sechs Kopfschüssen getötet.

(str) - Puerto Seguro nennt sich der Ort, an dessen Strand Henri Z. aus Senningerberg am 25. Oktober 2011 getötet wurde. Der sichere Hafen war für den 71-Jährigen eine Todesfalle. Er wurde mit sechs Kopfschüssen getötet.

Die Ermordung von Henri Z. sollte offenbar nach einem missglückten Raubüberfall an einem brasilianischen Strand aussehen. Allerdings ging diese Rechnung nicht auf. Seit gestern wird der gewaltsame Tod des Luxemburgers vor der hauptstädtischen Kriminalkammer verhandelt. Angeklagt sind die Ehefrau, deren beste Freundin und der Sohn der Freundin. 

Planung in Luxemburg, Tat in Brasilien?

Zunächst stand aber eine prinzipielle Frage im Mittelpunkt: Ist das Luxemburger Gericht überhaupt kompetent für die Bluttat in Brasilien? Für die Verteidigung ist sie das nicht. Die Staatsanwaltschaft sieht die Planung und Vorbereitung des Verbrechens ganz klar im Großherzogtum. Insider gehen davon aus, dass wenn der Prozess in Luxemburg platzt, der Mord ungesühnt bleiben wird. Ein Prozess in Brasilien sei, gelinde gesagt, unwahrscheinlich. Die Kriminalkammer entschied gestern die Kompetenzfrage im Gesamturteil zu berücksichtigen. Der Prozess findet demnach erst einmal statt.

„Er wollte eigentlich gar nicht nach Brasilien“, sagte eine gute Bekannte des Opfers im Zeugenstand. Henri Z. habe sich eigentlich eine Kreuzfahrt gewünscht. Doch seine Frau habe sich durchgesetzt. „Es war von Anfang ein schlechtes Gefühl“, sagte die Zeugin. „Wir hatten alle den Eindruck, es ginge nicht um Liebe sondern um andere Interessen“. 

"Die traurigste Hochzeit, die ich je erlebt habe"

Erst bei der Hochzeit fünf Monate vor dem Mord habe sie die Bekanntschaft der Braut gemacht und diese sei wahrlich nicht daran interessiert gewesen, die Freunde und Familie ihres Gatten kennen zu lernen. „Es war die traurigste Hochzeit, die ich je erlebt habe“, so die Zeugin. Man habe nicht einmal das Gefühl gehabt, dass Braut und Bräutigam zusammengehörten.

Und dann war da noch etwas am Hochzeitstag: Die Zeugin hatte die Braut Brigitte D. und deren Freundin Tania M. zufällig belauscht. „S'il arrive quelque chose avec Henri?“, habe die Freundin gefragt. „Ne t'inquiète pas, tout est écrit“, habe die Braut geantwortet. „Dass so etwas schlimmes passieren könnte, das habe niemand gedacht, wir dachten, die werden dann wohl in sechs Monaten geschieden“, erklärte die Zeugin. 

"Ich hole sie da raus"

Henri Z. habe stets abgewunken, wenn man Bedenken gegenüber der neuen 21 Jahre jüngeren Partnerin geäußert habe. „Er wünschte sich eine jüngere Frau, damit er im höheren Alter versorgt sei“, erinnert sich die Zeugin. Dass die Braut nicht unbelastet war, habe Henri Z. eingeräumt. Details habe er aber nie genannt. Bis auf das: „Ich hole sie da raus, ich werde das schaffen“.

Details hierzu, zum Tatverlauf und zu den Ermittlungen wird es möglicherweise am Dienstag geben. Auf der Zeugenliste stehen nämlich die ermittelnden Beamten der Kriminalpolizei.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Prozess um Mord in Brasilien
Knast statt Knete: Die beschuldigte Ehefrau des Opfers und deren Freundin könnten bald viele Jahre hinter Gitter verbringen. Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch eine lebenslange bzw. eine 30-jährige Haftstrafe für die beiden.
Für die Beschuldigten könnten Gitter und Stacheldraht bald sehr lange zur Tagesordnung gehören.
Wiederaufnahme des Verfahrens "Mord in Brasilien"
Brigitte D. wusste vom geplanten Mord an ihrem Ehemann Henri Z., bevor dieser stattfand. Prosper Klein: „Vous étiez trop impatiente pour attendre la mort naturelle de votre mari.“
Brigitte D. schiebt dem Mitangeklagten Diego M. die ganze Schuld zu. Auch wenn die Luxemburger Justiz als kompetent anerkannt werden sollte, wird der 30-jährige nicht ins Gefängnis müssen, da Brasilien ihn nicht ausgeliefert hat.
Brasilien-Mord: Beschuldigte kommen zu Wort
Keine der beiden angeklagten Frauen will schuldig am Mord am Luxemburger Henri Z. sein. Aber beiden wussten vom geplanten Mord. Keine verhinderte ihn.
Tania M. Sohn Diego ist unantastbar von der luxemburgischen Justiz.
Sie versuchte schlauer als die Gefängniswärter und die Ermittler zu sein. Doch ihr Versuch, sich mit ihrer mutmaßlichen Komplizin abzusprechen, scheiterte. Ihre Briefe landeten nun beim Richter.
Die Kriminalkammer ging am Donnerstag erneut auf die Ermittlungsergebnisse ein.
Mord an Luxemburger in Brasilien
Henri Z. musste seinen Heimflug verpassen, nachdem er einem ersten Mordanschlag entgangen war. Schließlich sollte er auf der Hochzeitsreise in Brasilien sterben. Für den 71-jährigen Mann aus Senningerberg gab es kein Entrinnen. Ein weiterer Tag vor Gericht offenbarte erschreckende Schussfolgerungen aus der Mordakte Z.
Abgelegene Sandpiste Rua do Telégrafo: Der Leichnam von Henri Z. wurde weitab seines angeblichen Fußwegs gefunden.
Es ging wohl ums Geld und nicht um Liebe: Henri Z. aus Senningerberg sollte nie wieder von seiner Hochzeitsreise aus Brasilien zurückkehren. Bereits bei der Heirat kamen Freunden und Verwandten Zweifel an den Absichten der Braut.
Am Donnerstag werden erstmals die Ermittler der Kriminalpolizei zu Wort kommen.