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"Todeskampf nicht unnötig verlängern“
Lokales 2 Min. 27.10.2014 Aus unserem online-Archiv
„Hadir-Tower“ in Differdingen

"Todeskampf nicht unnötig verlängern“

„Hadir-Tower“ in Differdingen

"Todeskampf nicht unnötig verlängern“

Foto: Claude Piscitelli
Lokales 2 Min. 27.10.2014 Aus unserem online-Archiv
„Hadir-Tower“ in Differdingen

"Todeskampf nicht unnötig verlängern“

Ob das ehemalige Verwaltungsgebäude der von der Arbed übernommenen Hadir ein Schandmal oder ein Wahrzeichen ist, ist umstritten. Kulturministerin Maggy Nagel gab am Montag bekannt sich nicht für den Erhalt einsetzen zu wollen.

(L.E.) - Von einer „Agonie“ des sogenannten „Hadir-Tower“ spricht Ministerin Maggy Nagel am Montag in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage. Der Abriss sei alternativlos. Die Asbestsanierungsarbeiten haben unterdessen begonnen. Die eigentlichen Abrissarbeiten könnten allerdings danach sofort beginnen, da alle notwendigen Genehmigungen erteilt sind.

Die Sichtweise der Kulturministerin ist nicht unumstritten. So reagieren Abrissgegner im Luxemburger Wort vom Dienstag, dem 28. Oktober auf das Schreiben der Ministerin. Sie glauben die Aussagen der Kulturministerin zum Teil widerlegen zu können.

Nagel hatte auf eine  parlamentarische Frage des Abgeordneten Franz Fayot reagiert. Dieser wollte wissen, ob es richtig sei, dass die „Commission des sites et monuments nationaux“ einstimmig vorgeschlagen habe, den Hadir-Turm als schützenswert zu klassieren und ein entsprechendes Schreiben von der Ministerin unterschrieben, aber nie abgeschickt worden sei. Außerdem erkundigte sich Fayot, ob Nagel beabsichtigt einzugreifen, um den Abriss (der bereits genehmigt ist und theoretisch nach dem Entfernen des Asbests sofort beginnen könnte – Anmerkung der Redaktion) noch zu verhindern.

Foto: Claude Piscitelli

In ihrer Antwort bestätigt Maggy Nagel, dass besagte Kommission bereits am 27. Mai vorgeschlagen hat, das Gebäude auf die Liste des zusätzlichen Inventars aufzunehmen. Nagel verweist auf die Prozeduren, die im Artikel 17 des Gesetzes vom 18. Juli 1983 zum Schutz der nationalen Denkmäler vorgesehen sind. Sie weist aber auch auf das großherzogliche Reglement vom 8. Juni 1979 hin, das die Vorgehensweise des Staates gegenüber den Eigentümern – in diesem Fall ArcelorMittal – regelt.

Briefe wurden unterschrieben, aber nicht abgeschickt

Entsprechend diesem Regelwerk habe Nagel zwei Briefe, zur Absicht der Kommission, das Gebäude zu klassieren, unterschrieben. Ein Brief war an ArcelorMittal und einer an die Stadt Differdingen gerichtet. Beide beinhalteten die jeweilige Bitte um Stellungnahme.

Entgegen der Darstellung des Abgeordneten Franz Fayot, handele es sich bei den Schreiben nicht um sogenannte „lettres de classement“, sondern um einfache Vorschläge. Nagel bestätigt, dass sie die Briefe nicht abgeschickt hat und nennt dafür zwei Gründe.

Foto: Claude Piscitelli

Der erste Grund sei, dass die Stadt Differdingen das Kulturministerium über Verhandlungen mit ArcelorMittal in Kenntnis gesetzt habe, bei denen es um ein Abtreten von Grundstücken geht, um ein wichtiges schulisches Projekt umzusetzen.

Nagel nennt dabei nicht ausdrücklich das geplante Gymnasium, das jedoch offenbar gemeint ist. Bekanntlich hat der Gemeinderat bereits sein Einverständnis zu einem Kaufvertrag mit dem Stahlkonzern gegeben. Demnach überlässt ArcelorMittal das Land, auf dem der Turm steht, sowie das angrenzende Land dahinter der Stadt, nachdem der Hadir-Tower abgerissen sein wird. Hinter dem jetzigen Standort des Turms entstünde laut den Plänen der Stadt danach ein seit langem in der Cité du Fer gefordertes Gymnasium.

Als zweiten Grund nennt Nagel, dass es kein gesichertes Projekt gebe, um das Gebäude zwecks Restaurierung zu erwerben.

Schlussfolgernd sieht sich Maggy Nagel nicht in der Lage, eine Maßnahme zum Erhalt des Turms zu rechtfertigen, die in ihren Augen das erwähnte schulische Projekt gefährde und als einzige Folge eine Verlängerung der „Agonie“ des Hadir-Turms habe.

Reaktionen lesen Sie im Luxemburger Wort vom 28. Oktober.