Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Testkampagne: Die zweite Welle kontrollieren
Lokales 3 Min. 28.05.2020

Testkampagne: Die zweite Welle kontrollieren

Rejko Krüger vom Luxembourg Institute of Health präsentierte die neuesten Ergebnisse der CON-VINCE-Studie.

Testkampagne: Die zweite Welle kontrollieren

Rejko Krüger vom Luxembourg Institute of Health präsentierte die neuesten Ergebnisse der CON-VINCE-Studie.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 28.05.2020

Testkampagne: Die zweite Welle kontrollieren

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Wissenschaftler von Research Luxemburg präsentierten die aktuellsten Zahlen zur Corona-Forschung in Luxemburg. Das Virus taucht seltener auf, es ist aber noch lange nicht verschwunden.

Mit einer landesweiten Testkampagne, dem sogenanten large-scale testing, werden seit Mittwoch große Teile der luxemburgischen Bevölkerung auf das SARS-CoV-2 Virus hin untersucht. Forscher von Resarch Luxembourg erklärten jetzt noch einmal die Bedeutung dieser Testreihe und legten weiteres aktuelles Zahlenmaterial vor.

Laut Paul Wilmes, Sprecher der Covid-19 task force, geht man aktuell von 95 aktiven Infektionsfällen aus, die Infektionsrate sei weiter gesunken auf einen Wert von 0,580. Trotzdem gelte es wachsam zu bleiben: immerhin habe Luxemburg eine der höchsten Infektionsraten pro 100.000 Einwohner aufgewiesen. Mit 516 Infektionen pro 100.000 Einwohner belegte das Großherzogtum den fünften Platz weltweit, noch vor den USA.

Zudem sei die Prävalenz in den Nachbarregionen in Belgien und Frankreich hoch, so dass eine komplette Öffnung ein hohes Risiko einer zweiten Welle nach sich ziehen würde.  "Das large-Scale testing ist also eine Maßnahme, mit der ein sicheres Lockern der Kontakreglen und damit eine Rückkehr zu einem mehr oder weniger normalen Alltag möglich ist", so Wilmes.


Insgesamt soll an 19 Stationen flächendeckend getestet werden.
Testen als Frühwarnsystem
Ab dem 26. Mai sollen großflächige Corona-Testreihen ganzer Bevölkerungsgruppen an insgesamt 19 Stationen durchgeführt werden.

Es geht dabei in erster Linie darum, asymptomatische Virusträger zu finden, Kontakte zurückzuverfolgen und Infektionsketten zu brechen. Eine Auswahl von  Personen aus Risikogruppen wie Angestellte in Gesundheitsberufen oder Pfleger wird dabei alle zwei Wochen getestet, ab der ersten Juniwoche soll dann auch der Rest der Bevölkerung getestet werden. Dabei sollen bis zu 20.000 Tests am Tag durchgeführt werden.

Nur 2,6 Prozent tragen Anti-Körper

Wilmes erinnerte daran, dass die meisten Infektionen im eigenen Haushalt, beim gemeinsamen Essen, in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen und in Transportmitteln erfolgen. Das Testen auf Antikörper mache zurzeit keinen Sinn, weil laut Con-VINCE-Studie nur 2,6 Prozent der Bevölkerung diese Antikörper gebildet haben. "Epidemiologisch spielt das keine Rolle, da bräuchten wir Raten um die 70 Prozent um eine Herdenimmunität zu erreichen", so Wilmes.

Verschiedene Modellberechnungen belegen zudem, welchen Einfluss welche Art von Lockerung auf die Infektionszahlen haben. Entscheidend sind dabei die Anzahl der Personen die sich begegnen, die soziale Distanzierung sowie das Testen und die Rückverfolgung. "Würden wir am 1. Juni alles komplett öffnen ohne irgendwelche Regeln, bekämen wir ab Juli eine zweite Welle die sehr viel schlimmer als die erste verlaufen würde," so Alexander Skupin, Forscher an der Uni Luxemburg.  Die Forscher gehen dabei in diesem Szenario  in jedem Fall davon aus, dass eine zweite Welle kommen würde. Die Frage ist nur, wie stark und kontrollierbar sie wäre.

CON-VINCE-Studie erfolgreich

Vorgestellt wurden zudem die aktuellen Resultate der CON-VINCE-Studie, an der 1800 ausgewählte Bürger beteiligt sind. Sie liefern in mehreren Phasen Nasen- und Rachenabstriche sowie Blut- und Stuhlproben. "94 Prozent der Teilnehmer beteiligen sich weiterhin am Programm, das ist sehr ermutigend", so Rejko Krüger vom Luxembourg institute of Health. 

Die Studie erlaubt, die Entwicklung des Virus innerhalb der Bevölkerung in mehreren Facetten zu beobachten. Aktuell sind zwei von insgesamt 1751 Teilnehmern positiv getestet worden, landesweit dürften damit 402 Personen das Virus symptomfrei tragen. Antikörper gegen das SARS-Cov-2 Virus zeigten nur 38 von insgesamt 1713 Getesteten. Die Forscher folgern daraus, dass die Prävalenz des Virus in Luxemburg zwischen dem 6. und dem 19. Mai 0,08 Prozent betrug. 

Forschen im Abwasser

Um aufzuzeigen, wie sich das Virus in Luxemburg verbreitete, wurden auch die Abwässer untersucht. Das Virus wird nämlich über den Darm und zum Teil auch über den Urin ausgeschieden. Das Projekt mit dem Namen CORONASTEPS leitete Henry-Michel Cauchie, Spezialist für Wasserbiologie im Luxembourg Institute of Science and technology (LIST).  Am  insgesamt sieben Kläranlagen und an den Abwasserkanälen der Krankenhäuser wurden seit dem Auftauchen des Virus regelmäßig Proben genommen. Damit wurden die Abwässer von rund 63 Prozent der Gesamtbevölkerung unter die Lupe genommen. Interessanterweise verfügte das LIST auch über Abwasserproben, welche vor dem Auftauchen es Virus entnommen wurden.               

 "Es zeigt sich sehr klar, dass das Virus bis zum 12. Februar abwesend war. Am 25. Februar wurdem dann erste Virenspuren in der Kläranlage in Schifflingen aufgespürt. Die gemessenen Werte verlaufen ziemlich genau mit der Kurve der festgestellten Infektionen in Luxemburg", so Cauchie. Infektiös sind diese Virenreste laut jetzigem Stand der Forschung allerdings nicht mehr.  

              

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Sars-CoV-2-Impfstoff in Rekordzeit
Weltweit wird dem Virus der Kampf angesagt: Erstmals könnte innerhalb von einem Jahr ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Das könnte die Impfstoffentwicklung rasant voranbringen.
Impfung vaccin krank arzt
Testen als Frühwarnsystem
Ab dem 26. Mai sollen großflächige Corona-Testreihen ganzer Bevölkerungsgruppen an insgesamt 19 Stationen durchgeführt werden.
Insgesamt soll an 19 Stationen flächendeckend getestet werden.
Covid-Immuntests für alle
Prof. Markus Ollert vom Luxembourg Institute of Health erklärt, warum die Tests zur Feststellung der Immunität gegen Covid-19 so wichtig sind und wie Luxemburg bei Medikamentenmangel dennoch Patienten therapieren könnte.