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Telefonseelsorge: Geteiltes Leid ist halbes Leid
Lokales 4 Min. 11.12.2020

Telefonseelsorge: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Am Telefon hören die Ehrenamtlichen den Anrufern mit ihren Nöten und Sorgen zu.

Telefonseelsorge: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Am Telefon hören die Ehrenamtlichen den Anrufern mit ihren Nöten und Sorgen zu.
Foto: Shutterstock/LW-Archiv
Lokales 4 Min. 11.12.2020

Telefonseelsorge: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Das Erzbistum geht mit einem leicht veränderten Konzept erneut mit einer Telefonseelsorge an den Start. Anrufen kann jeder, unabhängig von seinem Glauben.

Gerade während des Lockdowns wussten viele Menschen nicht, an wen sie sich mit ihren Sorgen, Nöten oder dem Gefühl, alleine zu sein, wenden sollen. Für sie wollte das Erzbistum ein Angebot schaffen und ging im April mit einer Telefonseelsorge an den Start. Bis September wurde ein tägliches Angebot aufrechterhalten, bevor sich das Team selbst eine Pause verordnete, um das Konzept zu überdenken. 

„Kirche lebt von Beziehung“ 

„Die Anrufe gingen im August und September zurück. Wir haben festgestellt, dass der Bedarf nicht mehr so groß ist und uns dann natürlich gefragt, warum die Leute nicht mehr anrufen“, so Jutta Förtsch, verantwortlich für das Projekt. Eine mögliche Erklärung sei gewesen, dass der Lockdown vorbei war. Allerdings habe man auch überlegt, etwas am Konzept zu ändern. „Wir kamen zu dem Entschluss, das Angebot persönlicher zu gestalten, denn gerade Kirche lebt ja von Beziehung.“ 

Anrufer können weiterhin anonym anrufen, sehen jetzt aber etwa über den Flyer der Telefonseelsorge, wer am anderen Ende der Leitung sitzt. „Damit wollten wir uns dann auch von anderen Angeboten wie dem von SOS Détresse und vielen anderen, die sich in diesem Bereich engagieren, abheben.“ Ein weiterer Vorteil: Es müssen nun nicht mehr so große Bereitschaftszeiträume abgedeckt werden. Der Plan richtet sich nach der Verfügbarkeit der Ehrenamtlichen. 

Auf dem neuen Flyer können Anrufer sehen, wer am anderen Ende der Leitung sitzt.
Auf dem neuen Flyer können Anrufer sehen, wer am anderen Ende der Leitung sitzt.
Foto: Erzbistum

Diese haben die Pause auch genutzt, um sich weiterzubilden, wie Jutta Förtsch erklärt. An einem Fortbildungstag mit Verantwortlichen von SOS Détresse haben diese ihre Herangehensweise erklärt. „Das war für uns sehr hilfreich. Wir haben unter anderem gemerkt, dass wir einen anderen Zugang haben. Und wir haben diesen Tag genutzt, der pastoralen Frage näherzukommen, der Frage, was es überhaupt heißt, Seelsorge am Telefon zu betreiben.“ 

Ein offenes Ohr für andere 

Auf diese Frage hat Marie-Josée Frank, eine der Ehrenamtlichen am Telefon, eine klare Antwort: „Ich denke das Allerwichtigste ist, dass man ein offenes Ohr hat, dass man wahrnimmt, in welchem Ton, in welcher Art der andere etwas sagt. So kann man dann auch die Nöte und Sorgen wachsam begleiten. Die Menschen sollen spüren, dass der, der am Telefon sitzt, zuhört.“ 

Die 68-jährige ehemalige Krankenschwester ist seit Beginn des Angebotes mit dabei. „Als Krankenpflegerin war mir schon sehr früh bewusst, dass sich die körperlichen und seelischen Leiden oft ergänzen. Daher war es mir immer wichtig, auch die seelische Not der Menschen wahrzunehmen.“ Als sie in Pension ging, sei es ihr von Anfang an klar gewesen, dass sie sich im diakonischen Dienst an den Mitmenschen engagieren wolle, hauptsächlich fokussiert auf ihr innerkirchliches Engagement in der Alten- und Krankenseelsorge. „Als dann das Angebot der Weiterbildung für die Telefonseelsorge kam, habe ich mich sofort gemeldet.“ 


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Für sie sei die Telefonseelsorge etwas ganz Besonderes. Auf ihren Dienst bereitet sie sich jedes Mal aufs neue vor. „Gerade in Momenten, wo es einem Menschen nicht gut geht, er Sorgen und Nöte hat, sich alleine fühlt, finde ich es sehr wichtig, dass man da sein kann. Wenn ich meine Zeitschiene bediene, ist es mir wichtig, dass ich mich vorher gesammelt habe, ruhig bin, wachsam sein kann und auch die Zwischentöne höre. Dass ich voll und ganz bei dem sein kann, was die Menschen mir am Telefon anvertrauen.“ 

Gemeinsam beten   

In den vergangenen Monaten konnte sie auf diese Weise viele Menschen in ihren Anliegen begleiten. Dabei sei der Dienst auch für sie selbst eine große Bereicherung. „Ich habe schon etliche sehr intensive Gespräche in der Telefonseelsorge geführt. Einmal habe ich eine Stunde mit jemandem telefoniert, der danach gesagt hat: ,Jetzt fühle ich mich entlastet.‘ Und wir konnten sogar zusammen lachen. Das war für mich eine gnadenvolle Stunde. Es ist ein Geben und Nehmen. Und das finde ich eine wunderschöne Erfahrung.“

Die Menschen sollen spüren, dass der, der am Telefon sitzt, zuhört.

Marie-Josée Frank, Ehrenamtliche

Noch schöner seien natürlich persönliche Besuche, bei denen man den Menschen gegenübersitze und auch einmal ihre Hand halten könne, aber: „Gerade in diesen Zeiten ist es eine wunderbare Ergänzung, die die Kirche anbietet.“ 

Natürlich gibt es auch Anrufe, bei denen die frühere Politikerin keinen konkreten Rat geben kann. „Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sagt: ,Ja, ich verstehe Ihre Sorgen und Nöte, aber auch ich bin nur Mensch. Wenn Sie möchten, können wir zusammen darum beten, dass Sie Kraft bekommen, diese Not besser zu ertragen.‘“ Auch am Telefon könne man gemeinsam beten, so Marie-Josée Frank. Sie wünscht sich, dass viele Menschen von dem Angebot Gebrauch machen. „Die Leute werden spüren, dass solche Gespräche befreiend wirken können.“ 

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