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Tanz in die Freiheit
Lokales 4 Min. 30.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Oh Gott! -eine Jugendkolumne

Tanz in die Freiheit

Plötzlich geht es um das Göttliche als Kraft, als Präsenz. Um Jesus als Heiler, als Bruder, als Wegbegleiter. Plötzlich geht es um mich. Um Dich. Um jeden einzelnen.
Oh Gott! -eine Jugendkolumne

Tanz in die Freiheit

Plötzlich geht es um das Göttliche als Kraft, als Präsenz. Um Jesus als Heiler, als Bruder, als Wegbegleiter. Plötzlich geht es um mich. Um Dich. Um jeden einzelnen.
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Lokales 4 Min. 30.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Oh Gott! -eine Jugendkolumne

Tanz in die Freiheit

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Andreas Tröndle ist ein starker, beeindruckender Mann, wettergegerbte Gesichtszüge, seine Hände packen zu. Er ist 51, kein Jugendlicher oder junger Erwachsener also, aber jemand, der über viele Jahre mit Jugendlichen als Seelsorger gearbeitet hat. Und dabei einen ganz besonderen Ansatz hat, der aller Ehren und einer Jugendkolumne wert ist!

Andreas Tröndle ist ein starker, beeindruckender Mann, wettergegerbte Gesichtszüge, seine Hände packen zu. Er ist 51, kein Jugendlicher oder junger Erwachsener also, aber jemand, der über viele Jahre mit Jugendlichen als Seelsorger gearbeitet hat. Und dabei einen ganz besonderen Ansatz hat, der aller Ehren und einer Jugendkolumne wert ist!

Andreas ist Tänzer, besser gesagt 5-Rhythmen-Tanzlehrer. Er kann die Menschen begeistern, mit einigen Schritten oder Worten sie in seinen Bann ziehen, sie ihren jeweils eigenen Weg entdecken lassen. In der Schweiz hat er ganze Kirchen mit seinen Workshops gefüllt. Aber immer sehr dezent, zurückhaltend, respektvoll.

Andreas ist auch Theologe. Er liebt die Spiritualität und will sie nicht nur gedanklich ausdrücken, sondern vor allem mit dem Körper, mit den Gefühlen, im Tanz. 
Er hat sich aus viel zu engen 
katholischen Ideen befreit – und gerade so das Göttliche neu entdeckt. Er ist für mich einer meiner besten Freunde. Weil ich mit ihm getanzt habe, von ihm angeleitet wurde, und weil wir viele Erfahrungen aus der Vergangenheit teilen. Er sucht den Weg der Freiheit.

In der Hand hält er nun ein Bier. Es ist kurz vor Mitternacht. In einem großen Chalet in der Schweiz sitzen wir noch zu dritt in einem Raum. Ein junger Mann spielt Gitarre. Andreas kommt herein. Sofort bewegt er sich zur Musik. Instinktiv. Er tanzt. Er nimmt die Trommel und spielt den Rhythmus mit. Weil die Musik ihn bewegt, ihm unter die Haut geht, weil ein Feuer in ihm brennt. Weil er sein Leben tanzt, auf seine ganz 
eigene Art.

Natürlich kann er Gitarre spielen. Und wie. Der junge Mann reicht sie ihm. Nun singe ich mit. Mein Herz bewegt sich. Andreas hat über Jahre Jugendliche in der Kirche begleitet. Jugendlager in den Alpen, Lagerfeuer, Gespräche, Tränen, Lachen. „Ich habe immer versucht, den Jugendlichen Freiräume zu schaffen, damit sie ihren eigenen Weg finden“, erzählt er. Es ging nicht darum, sie an ihn zu binden. Das war schwer. Aber: „Ich wollte zurücktreten, dem Größeren Raum geben, durch meine Begeisterung die Jugendlichen einladen, durch meine Zurückhaltung ihnen Freiheit geben zum eigenen Weg.“ Begeisterung und Raum, Freude und Freiheit.

Seine Aufgabe sei es gewesen, Möglichkeiten zu zeigen. Er habe nie im Zentrum stehen wollen, nie der Angebetete sein wollen. Es geht um die Wahrheit der Jugendlichen. Was macht sie froh? Und wie können sie dafür danken? Was können sie tun, um die Freude zu bewahren? Und was macht sie traurig? Was hat sie verletzt? Was brauchen sie, um es anzuschauen? Es zu heilen? Zu berühren? Welches gute Wort hilft? Plötzlich geht es nicht mehr um geschriebene Wahrheiten, um die Kirche, um Sex vor der Ehe und andere Regeln. Plötzlich geht es um das Göttliche als Kraft, als Präsenz. Um Jesus als Heiler, als Bruder, als Wegbegleiter. Plötzlich geht es um mich. Um Dich. Um jeden einzelnen.

Auch an dem Lagerfeuer, an dem ich mit Andreas stand, standen Menschen auf. Sie schauen in die Glut, das Element der Transformation. Sie 
sagen Dinge wie: „Ich will endlich zu mir selber stehen!“ Oder: „Ich sehe nicht aus wie ein Model, aber ich, ich liebe mich selbst!“ Andere haben geweint, bittere Tränen der Verlassenheit, der Einsamkeit, der Distanz zu den Eltern.

Irgendwie passiert immer etwas, wenn man „den göttlichen Choreografen“ wirken lässt, wie Andreas ihn nennt. Wenn man gerade Jugendlichen Zeit gibt, das Feuer in ihnen zu spüren. Wenn man mit ihnen Zeit verbringt. Rituale feiert. Sich etwas Gutes sagt.

Irgendwie passiert immer etwas. In der Tiefe wächst Kraft, wächst Stärke. Und ja wahrlich, Andreas ist ein starker Mann. Verletzlich, oft mit Tränen in den 
Augen, aber verdammt stark. Weil er seine eigene Wahrheit angenommen hat. Und weil er spürt, dass Gott das mag.

Paul Galles,  Koordinator „bénévolat solidaire“, Young Caritas Luxembourg

Der Autor ist über Email: paulgalles@gmail.com sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – und/oder soziale Netzwerke zu erreichen.


Zusätzliche Infos

Der 5-Rhythmen-Tanz ist kein klassischer Standard- oder Schritttanz, sondern eine freie kreative Ausdrucksweise aufgrund von fünf Grundrhythmen oder Emotionen wie z. B. Freude, Wut, Trauer, Ruhe, Chaos.

„Die fünf Rhythmen, auch „Dancing The Waves“ genannt, wurden von der New Yorker Tänzerin und Theaterdirektorin Gabrielle Roth (www.gabrielleroth.com) erfunden und weltweit zum Erfolg. In der Schweiz werden 5-Rhythmen-Events angeboten. Die Daten sowie die von Roth autorisierten* und in der Moving Center School in Mill Valley, Kalifornien, ausgebildeten Lehrer, sind auf der Website www.5rhythms.ch aufgeführt. Einen Eindruck der verschiedenen Bewegungsabläufe vermittelt das Video 'Power Wave Dance by Gabrielle Roth' auf Youtube.“

Quelle: Sonntagszeitung.ch., 15.10.2010, http://info.sonntagszeitung.ch/archiv/detail/?newsid=152139

* Andreas Tröndle gehört zu den autorisierten Lehrern.

www.tanzdichganz.ch

www.5rhythms.ch

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