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Tag der offenen Tür in Filsdorf: Straußenzucht bleibt in Luxemburg
Lokales 3 Min. 08.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Tag der offenen Tür in Filsdorf: Straußenzucht bleibt in Luxemburg

Robert Axmann mit Marcel Wildgen (rechts) auf dessen Straußenfarm in Filsdorf.

Tag der offenen Tür in Filsdorf: Straußenzucht bleibt in Luxemburg

Robert Axmann mit Marcel Wildgen (rechts) auf dessen Straußenfarm in Filsdorf.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 08.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Tag der offenen Tür in Filsdorf: Straußenzucht bleibt in Luxemburg

Seit über 20 Jahren züchtet Marcel Wildgen mit seiner Frau in Filsdorf Strauße. Im nächsten Jahr hört er auf. Doch Straußenfleisch „made in Luxembourg“ wird es auch weiterhin geben.

(jsf) - Strauße sind keine Raubtiere, doch mit ihren Krallen können die 120 Kilo schweren Tiere einen Menschen leicht aufschlitzen. Bis zu fünf Zentimeter sind die Krallen lang und die Kraft in den Straußenbeinen ist groß.

Marcel Wildgen züchtet seit über 20 Jahren Strauße. Er kennt sich aus. Doch vor drei Jahren war er einmal unaufmerksam. Ein Strauß fühlte sich bedroht und verpasste ihm einen Tritt vor die Brust. Zwar ohne die Krallen einzusetzen, doch Wildgen wurde nach hinten gegen einen Pfosten geschleudert und riss sich eine Schultersehne an.

„Der Strauß ist und bleibt ein wildes Tier“, sagt Wildgen. Er meint das vor allem in Bezug auf die Arbeit, die es macht, jeden Montag fünf, sechs, sieben Tiere einzufangen, um sie mit einem Transporter zum Schlachter zu bringen. Und das anschließende Zerlegen der Tiere ist auch nicht gerade eine leichte, schöngeistige Aufgabe. Das macht Wildgen selbst: Filets und Steaks. Nur die Wurst macht ein Metzger in seinem Auftrag. „Ich habe mir immer gesagt: Mit 60 läufst Du keinem Strauß mehr hinterher.“ Jetzt ist Wildgen 59 Jahre alt. Im kommenden Frühjahr ist das Geschäft für ihn und seine Frau Nicole vorbei.

Donnerstags verkaufen die Wildgens auf dem Markt in Düdelingen ihr Straußenfleisch, jeden zweiten Donnerstag in Hassel, freitags in der Hauptstadt und freitagabends auf ihrem Hof.
Donnerstags verkaufen die Wildgens auf dem Markt in Düdelingen ihr Straußenfleisch, jeden zweiten Donnerstag in Hassel, freitags in der Hauptstadt und freitagabends auf ihrem Hof.
Foto: Jan Söfjer

Familie Axmann-Reuter aus Contern übernimmt das Geschäft

Damit endet das Lebenswerk für die Wildgens: Ihre Straußenfarm in Filsdorf ist die einzige in Luxemburg. Sogar die einzige in der Großregion. Doch Straußenfleisch „made in Luxembourg“ wird es auch künftig geben. Robert und Martine Axmann-Reuter aus Contern werden das Geschäft übernehmen. Nicht den Hof und die Tiere. Die Zuchttiere kaufen sie wie Wildgen anfangs in Belgien. Die 200 von ursprünglich 400 Strauße, die auf Wildgens Hof noch leben, werden bis zum Frühjahr geschlachtet. Ebenso das Damwild, das er züchtet. Es ist das Know-how, das er weitergibt. Aufzucht, Haltung und Verarbeitung, dazu Gerätschaften.

Robert Axmann kam von sich aus auf Wildgen zu, nachdem er gehört hatte, dass dieser einen Nachfolger sucht. „Ich bin schon lange Kunde bei ihm, meine Familie schätzt die Qualität seines Straußenfleisches.“ Axmanns Frau gehört ein Landwirtschaftsbetrieb mit 130 Hektar Land und 200 Limousin-Rinder. Er wiederum leitet den Fleischgroßhandel „Artisal & Kern“ mit 40 Angestellten: Metzger, Fahrer und Vertreter. 

In neun Monaten sind Sträuße ausgewachsen.
In neun Monaten sind Sträuße ausgewachsen.
Foto: Chris Karaba

Sechs, sieben Tonnen Fleisch pro Tag produzieren sie. Die 300 Strauße, die pro Jahr künftig dort geschlachtet werden sollen, sind im Vergleich wenig, aber eine Bereicherung. Die ersten Zuchttiere hat Axmann schon gekauft. Er lobt das cholesterinfreie, antiallergische Fleisch, das noch weniger Fett als Putenfleisch hat. Straußenfleisch ist aber kein Geflügel, sondern rotes Fleisch und schmeckt so ähnlich wie Wild oder Rind. „Wir werden die gleiche Qualität wie Wildgen liefern und hoffen, dass uns die Kunden folgen“, sagt Axmann. Auch die Tradition des jährlichen „Tag der offenen Tür“-Festes möchte er fortführen.

Ganz verabschieden wird sich Wildgen aber nicht von der Straußenzucht, mit der er 1994 begonnen hat, um nicht mit dem alten Trott auf dem Familienhof weiterzumachen. Ein Fernsehbericht weckte seine Neugier. Ein paar Strauße wird Marcel Wildgen behalten. Ebenso wie ein paar Emus, Nandus und Alpakas. Aber bloß noch als Hobby. Und vielleicht auch, um sich ab und an ein riesiges Rührei machen zu können.

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Tag der offenen Tür

Am 9. und 10. Mai ist zum letzten Mal der Tag der offenen Tür auf der Straußenfarm in Filsdorf. Von 11 bis 20 Uhr ist jeweils geöffnet. Von 15 bis 17 Uhr gibt es an beiden Tagen Livemusik. Auf dem Programm stehen Führungen, Verkauf von Straußenfleisch, Straußeneiern und Straußen-Lederwaren. Zudem gibt es einen „südafrikanischen Stand“ mit Wein, Bier und „Eisekuchen“ zugunsten der Schule „Herberg-Huis“ in Südafrika. Für Kinder gibt es einen Workshop, um Straußeneier zu bemalen. www.straussefarm.lu


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