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Südregion strebt Unesco-Titel an
Lokales 3 Min. 09.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Südregion strebt Unesco-Titel an

Im Süden des Landes gibt es nicht nur diverse Naturschutzgebiete wie das ehemalige Tagebaugebiet Giele Botter (Foto), sondern auch viele private und kommunale Initiativen im Sinne der Natur, argumentiert Umweltministerin Carole Dieschbourg.

Südregion strebt Unesco-Titel an

Im Süden des Landes gibt es nicht nur diverse Naturschutzgebiete wie das ehemalige Tagebaugebiet Giele Botter (Foto), sondern auch viele private und kommunale Initiativen im Sinne der Natur, argumentiert Umweltministerin Carole Dieschbourg.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 09.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Südregion strebt Unesco-Titel an

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Die Hauptstadt hat schon einen, Echternach und Clerf irgendwie auch, das Müllerthal ist Kandidat. Nun liebäugelt auch die Südregion mit einem Unesco-Titel.

Luxemburg arbeitet auf eine weitere Unesco-Auszeichnung hin. Das Großherzogtum bereitet derzeit eine Kandidatur zur Aufnahme der Südregion ins Unesco-Programm der Biosphärenreservate vor. Im September nächsten Jahres soll das entsprechende Dossier bei der Unesco in Paris eingereicht werden. Dies bestätigt Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des ADR-Abgeordneten Fernand Kartheiser.

Aktuell zählt besagtes Unesco-Netzwerk, das im Jahr 1971 ins Leben gerufen wurde, 669 Biosphärenreservate in 120 Ländern – darunter 20 grenzüberschreitende Gebiete, wie der Internetseite der Unesco zu entnehmen ist. Im Großherzogtum gibt es aktuell noch keines. Ein bekanntes Beispiel aus der Umgebung ist der Schwarzwald, der im vergangenen Jahr in der Liste aufgenommen wurde. Die Region Bliesgau im Saarland gehört seit 2009 dazu.

Südregion hat bereits viel zu bieten

Wie Carole Dieschbourg erklärt, handelt es sich bei Biosphärenreservaten um Gebiete, die zum Teil durch nationale Naturschutzgesetze geschützt sind und von der Unesco im Rahmen des Förderprogramms „Der Mensch und die Biosphäre“ anerkannt werden. „Neben dem Naturschutz wird in diesen Bioreservaten großen Wert auf die nachhaltige Entwicklung gelegt“, unterstreicht die Ministerin. Somit handele es sich um „Modellregionen, in denen die Erhaltung, Forschung, Sensibilisierung der Menschen, die dort leben, der Touristen sowie Bildung großgeschrieben werden“.

Konkret zielt das Programm auf einen internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausch ab. Außerdem soll das Bewusstsein der Menschen für die Gegend, in der sie leben, auf diese Weise gestärkt werden. „Weil die Forschung – sowohl in naturhistorischer als auch in historischer, soziologischer und kultureller Hinsicht – ein wichtiger Bestandteil des Programmes ist, kann unser Land allgemein von einem solchen Projekt profitieren“, betont die Ministerin.

Zone beschränkt sich nicht auf Tagebaugebiete

Die Idee für die Kandidatur gehe auf die luxemburgische Unesco-Kommission zurück, die in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen der Gemeinden, die dem ProSud-Syndikat angehören, stehen. Das Vorhaben beschränke sich denn auch nicht nur auf die Tagebaugebiete, sondern auf mehrere Gegenden im Süden des Landes, die für dieses Programm von Interesse sind.

Durch die nationale Gesetzgebung, aber auch durch europäische Programme wie Natura 2000, sei in den ProSud-Gemeinden nämlich bereits eine ganze Reihe von Naturschutzgebieten ausgewiesen, unterstreicht die Umweltministerin. Darüber hinaus gebe es in diesen Kommunen bereits zahlreiche interessante Initiativen rund um die Themen Naturschutz, Industriegeschichte, Einwanderung und Nachhaltigkeit.

Mit der Kandidatur – laut der Ministerin ein „komplexer Vorgang“ – sei derzeit eine Arbeitsgruppe befasst. Darin wirken Vertreter der Unesco-Kommission, der Abteilung Aménagement du Territoire des Nachhaltigkeitsministeriums, der Natur- und Forstverwaltung, des Office régional du tourisme, der Animation culturelle aus dem Süden, des ProSud, des naturhistorischen Museums sowie externe Experten mit.

Genaues Gebiet muss noch definiert werden

Zu den Aufgaben dieser Arbeitsgruppe gehört es unter anderem, die einzelnen Zonen, aus denen sich dieses Reservat zusammensetzen würde, zu bestimmen. Laut Dieschbourg besteht ein Biosphärenreservat, wie es im Unesco-Programm vorgesehen ist, aus drei Komponenten: einer oder mehrerer Zentralzonen, deren Ökosysteme und Biodiversität die nationale Gesetzgebung langfristig schützt, Pufferzonen, in denen Forschung, nachhaltige Entwicklung, Ökotourismus und Sensibilisierung im Mittelpunkt stehen und der sogenannten Entwicklungs- oder Übergangszone, in der Menschen leben und arbeiten.

Auf die Frage des Abgeordneten Fernand Kartheiser, ob das Vorhaben denn auch mit dem in der Gemeinde Differdingen geplanten Windpark vereinbar ist, entgegnet Dieschbourg, dass letzterer sich sogar gut in das Konzept eines Biosphärenreservats einschreibe – „weil erneuerbare Energien ein wichtiger Bestandteil von nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz sind“.

Der Ministerin zufolge sollen die Vorbereitungen für die Kandidatur bis September dieses Jahres abgeschlossen sein. Anschließend sollen die Bürger in einer großen partizipativen Phase mit Bürgerforen und Rundtischgesprächen in das Vorhaben einbezogen werden.

Schon drei Auszeichnungen und ein Antrag

Nicht nur für den Süden, auch für den Osten des Landes hat Luxemburg einen Unesco-Titel im Visier. Ende vergangenen Jahres hatte das Großherzogtum bereits eine Kandidatur zur Klassierung des Müllerthals mit seiner spektakulären Felsenlandschaft als Unesco Global Geopark eingereicht. Dieser erst im Jahr 2015 lancierten Kategorie von Unesco-Stätten gehören bislang 127 Gebiete in 35 Ländern an. Die Entscheidung für das Müllerthal soll voraussichtlich nächstes Jahr im Frühling fallen.

Zur berühmtesten Unesco-Kategorie, dem Weltkulturerbe, zählt in Luxemburg seit 1994 die Altstadt mit den Überresten der Festung. Darüber hinaus wurde im Jahr 2003 die Fotoausstellung „The Family of Man“ von Edward Steichen ins Verzeichnis des Weltdokumentenerbes der Unesco aufgenommen. 2010 wurde ferner die Echternacher Springprozession zum immateriellen Welterbe der Unesco erklärt.


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Von 2020 an könnten die über 170 000 Einwohner der ProSud-Gemeinden in einer von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannte Region leben. Der ProSud will am 18. Juni entscheiden, ob eine Kandidatur bei der Unesco eingereicht werden soll.
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