Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Südgemeinden und Grenzregion rücken zusammen
Lokales 2 Min. 30.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Südgemeinden und Grenzregion rücken zusammen

In der Industriebrache Terres Rouges liegt großes urbanistisches Potenzial.

Südgemeinden und Grenzregion rücken zusammen

In der Industriebrache Terres Rouges liegt großes urbanistisches Potenzial.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 30.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Südgemeinden und Grenzregion rücken zusammen

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Ein städte- und landschaftsplanerisches Konzept soll für ein grenzübergreifendes Gebiet ausgearbeitet werden. 90.000 Personen leben dort.

Idealerweise soll es ein avantgardistischer Plan für die Entwicklung von Lebensräumen im Süden des Landes und der angrenzenden französischen Gemeinden werden. Dazu soll in einem ersten Schritt auf den Pioniergeist von kreativen Menschen mit neuen Ideen gesetzt werden.

Das Instrument, das genutzt wird, trägt den Namen Internationale Bauausstellung (IBA). Es dient der Stadt- und Landschaftsplanung und will wichtige Impulse im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich setzen. Bei der Planung steht die Schaffung qualitativ hochwertiger Lebensräume im Vordergrund.

Für ein Gebiet mit etwa 90.000 Einwohnern soll ein kohärentes Konzept ausgearbeitet werden.
Für ein Gebiet mit etwa 90.000 Einwohnern soll ein kohärentes Konzept ausgearbeitet werden.
Grafik: Luxemburger Wort

Der Start der Vorbereitungen zur IBA wurde am Donnerstag in der Maison du savoir in Belval bekannt gegeben. Während zwei Jahren werden nun die Rahmenbedingungen der Projekte definiert. Anschließend werden sie dann realisiert, was in der Regel in etwa zehn Jahre dauert.

„Wie ein Konzept umgesetzt wird, ist in einer ersten Phase zweitrangig. Wichtig ist, dass es zunächst mutig in Angriff genommen wird“, sagt Architekt und Urbanist Thomas Sievets. Aus diesem Grund wurde im Dezember ein Expertenrat zusammengestellt. Dieser arbeitet eng mit mehreren Partnern zusammen. Von luxemburgischer Seite sind dies bislang unter anderem das Groupement européen de coopération territoriale (GECT), das Zentrum für Architektur (LUCA), das Etablissement public d’aménagement d’Alzette-Belval (EPA) und die Universität Luxemburg.

Ein grenzüberschreitendes Projekt

Für den Laien klingt das ganze Konzept zunächst noch recht schwammig. Doch in den vergangenen Jahrzehnten haben sich etliche IBA-Projekte bewährt. So wurden unter anderem welche in Berlin, Wien, Thüringen, Hamburg oder Darmstadt umgesetzt. Einige davon nahmen eine Vorreiterrolle ein. Mit einem Projekt, das Grenzen überschreitet, betritt Luxemburg aber Neuland. Bislang wurde lediglich in Basel ein länderübergreifendes Konzept umgesetzt.


Wie Esch/Alzette zur Stadt wurde
Mit der Stahlindustrie begann Esch zu wachsen. Eine Stadt von bis zu 50.000 Einwohner war in Planung. Ein Ziel, das auch heute angestrebt wird.

Im Süden Luxemburgs und in der französischen Grenzregion wird sich nun ebenfalls etwas von dem IBA-Instrument erhofft. Vorübergehend wurde sich auf den Namen „Alzette-Belval“ geeinigt. Ziel ist es, dem bislang festgelegten Gebiet eine Identität zu geben. Dieses erstreckt sich über die Gemeinden Sassenheim, Monnerich, Schifflingen und Esch/ Alzette auf luxemburgischer Seite und Russange, Rédange, Thil, Villerupt, Audun-le-Tiche, Ottange, Aumetz und Boulange auf französischer.

Insgesamt leben dort 90.000 Menschen. Ein Motto für das Projekt gibt es bislang nicht. Im Zentrum soll aber die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum stehen. Bei dem Punkt ist man sich jetzt schon einig.

Gegenseitige Abhängigkeit der Bevölkerung

Zwar ist das Gebiet durch eine Landesgrenze getrennt, doch hat es eine ähnliche Geschichte und eine gemeinsame Gegenwart. Die Region kam durch die Stahlindustrie zu Wohlstand. Zurück bleiben heute Industriebrachen mit urbanistischem Potenzial. Eine erste Idee wäre etwa, auf der Brache Terres Rouges Wohnraum zu schaffen. Das Besondere daran ist, dass diese sowohl auf luxemburgischem, als auch auf französischem Staatsgebiet liegt und sich über Esch/Alzette und Audun-le-Tiche erstreckt. „Terres Rouges könnte zum Herzen des grenzüberschreitenden Ballungsgebiets werden“, sagt Georges Mischo, Bürgermeister von Esch/Alzette.


Die Stadt Düdelingen wird sich in den kommenden zehn bis 15 Jahren weitgehend verändern.
Neue Hochofenallee für Düdelingen
Der Teilbebauungsplan Zentrum des Ökoviertels Neischmelz in Düdelingen strotzt vor Vielfalt und industriellen Akzenten.

Doch auch eine wirtschaftliche Abhängigkeit besteht zwischen den Ländern. Täglich pendeln 100.000 Personen aus Frankreich zu ihrer Arbeit nach Luxemburg. Das Verkehrsnetz ist überlastet. Auch in dem Bereich werden sich von der IBA Lösungen erhofft.

Zurzeit sind die Ideen noch abstrakt. Mit Esch2022, wenn die Stadt zur europäischen Kulturhauptstadt wird und die gesamte Südregion im Fokus steht, dann wird auch ein erster Plan stehen. Aber auch der wird sich im Laufe des Prozesses wohl immer wieder ändern. Das IBA-Projekt soll zwischen 2022 und 2032 umgesetzt werden. Nach Esch2022 soll es dann „Alzette-Belval“ 2032 heißen – oder so ähnlich.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Frankreich fordert erneut Ausgleichszahlungen
Frankreich drängt erneut auf eine finanzielle Unterstützung aus Luxemburg für die Kosten, die Frankreich durch die Grenzgänger entstehen. Am 13. Juli erhielt Premier Xavier Bettel ein entsprechendes Schreiben. Das wird jetzt auf Luxemburger Seite analysiert.
Aus Frankreich pendeln täglich knapp 90.000 Arbeitnehmer nach Luxemburg.