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Streit unter Drogenkonsumenten führt zu versuchtem Totschlag
Lokales 2 Min. 24.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Streit unter Drogenkonsumenten führt zu versuchtem Totschlag

Vor dem Drogenhilfezentrum Abrigado kam es im Juli 2018 zu der Schlägerei.

Streit unter Drogenkonsumenten führt zu versuchtem Totschlag

Vor dem Drogenhilfezentrum Abrigado kam es im Juli 2018 zu der Schlägerei.
Foto: Lex Kleren/LW-Archiv
Lokales 2 Min. 24.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Streit unter Drogenkonsumenten führt zu versuchtem Totschlag

Während eines Streits sticht ein Mann mit einem Messer auf seinen Kontrahenten zu. Nun musste er sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

(SH) - Ein Streit um ein Fahrrad war am späten Abend des 19. Juli 2018 derart ausgeartet, dass sich ein Mann in der Notaufnahme wiederfand und sich ein anderer nun wegen versuchten Totschlags vor einer Kriminalkammer des Bezirksgerichtes Luxemburg verantworten musste.

Zu der Auseinandersetzung war es gegen 23 Uhr auf dem Bürgersteig vor dem Drogenhilfezentrum Abrigado gekommen. Der Angeklagte, Sven F., hatte sich nur kurze Zeit, nachdem er bei einem Diebstahl erwischt worden war und mehrere Stunden in der Ausnüchterungszelle verbringen musste, vom Bahnhof aus mit einem Fahrrad, das er von einem Bekannten bekommen hatte, zum Zentrum begeben. Er hatte gehofft, das Gefährt dort gegen Drogen eintauschen zu können. Dazu sollte es aber nicht kommen, denn bei seiner Ankunft zog der Beschuldigte die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sich. Dieser war der Auffassung, dass das Fahrrad eigentlich ihm gehöre, und wollte es an sich nehmen.

Wunden an Kopf und Rücken

Es folgte ein Streitgespräch. Als sich dann ein dritter Mann einmischte, folgte der verbalen Auseinandersetzung eine körperliche. „Ich kann mich nicht genau erinnern, wer als Erster geschlagen hat, aber ich denke, ich war es“, betonte der dritte Mann – das spätere Opfer – vor Gericht. Er habe erst nach mehreren Schlägen gemerkt, wie schmerzvoll diese waren und dann erst das Messer in der Hand des Beschuldigten gesehen. Dieses hatten auch mehrere Zeugen wahrgenommen.

Sven F. hatte seinem Kontrahenten mit dem Messer Schnittwunden im Kopfbereich und am Rücken zugefügt. „Ich habe das Messer gezogen, als ich gesehen habe, dass ich mehreren Personen gegenüberstand“, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Er habe Angst gehabt und sich verteidigen wollen, sein Gegenüber aber nicht verletzen und schon gar nicht töten wollen.

Ungleicher Kampf

Obwohl es bei oberflächlichen Verletzungen geblieben war, sieht die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Tatbestand des versuchten Totschlags als erfüllt. „Wenn man jemandem mit einem Messer drei Stiche in vitalen Körperbereichen zufügt, nimmt man in Kauf, dass man ihn tödlich verletzen kann“, betonte sie.

Die Verteidigung brachte die Notwehr oder mindestens die Antwort auf eine Provokation hervor. Das Fahrrad sei für den Beschuldigten von kapitaler Bedeutung gewesen, immerhin stellte es die Garantie, dass der Polytoxikomane die von ihm benötigten Drogen bekommen könne. Demnach wollte sich Sven F. das Fahrrad nicht einfach wegnehmen lassen.


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Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft zufolge könne man jedoch weder von Notwehr noch von Provokation reden. Wohl seien drei Personen in die Auseinandersetzung verwickelt gewesen, der Beschuldigte habe aber zu keinem Zeitpunkt mehreren Personen gleichzeitig gegenübergestanden. Es habe sich immer um einen Streit zwischen einer bewaffneten und einer unbewaffneten Person gehandelt.

Die verminderte Schuldfähigkeit, die ein psychiatrischer Gutachter dem 28-jährigen Mann aufgrund seiner schwierigen Kindheit sowie seiner Drogenprobleme zum Tatzeitpunkt zugestand, ließ sie aber gelten und forderte eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Auf einen teilweisen Aufschub darf der Beschuldigte nicht hoffen. Er ist wegen Beschaffungskriminalität mehrfach vorbestraft. 

Das Urteil ergeht am 26. Februar.

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