Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Streit um Jagdverbote: Jäger wollen keine Ruhe im Wald
Füchsin Roxette ist in der Düdelinger Pflegestation aufgepäppelt worden. Mittlerweile ist sie in die Freiheit entlassen worden.

Streit um Jagdverbote: Jäger wollen keine Ruhe im Wald

Foto: Carole François
Füchsin Roxette ist in der Düdelinger Pflegestation aufgepäppelt worden. Mittlerweile ist sie in die Freiheit entlassen worden.
Lokales 3 Min. 11.05.2015

Streit um Jagdverbote: Jäger wollen keine Ruhe im Wald

Nach der erfolgreichen Petition sind die Jäger am Montag in der Abgeordnetenkammer angehört worden. Staatssekretär Camille Gira hat all ihren Argumenten widersprochen.

Von Jan Söfjer

Die Jäger um den Jagdverband „Fédération St.-Hubert des Chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg“ (FSHCL) sind am Montag in der Abgeordnetenkammer von der Umweltkommission angehört worden. Sie hatten mit einer Petition gegen die von der Regierung beschlossenen Jagdverbote die notwendigen Stimmen erreicht. Zu den Verboten gehören ein zunächst einjähriges Fuchsjagdverbot (seit April) sowie ein generelles sechswöchiges Jagdverbot im Wald jedes Frühjahr.

Jacobs: Fuchsbandwurm genauso gefährlich wie das Ebola-Virus

Die Jäger erklärten, warum aus ihrer Sicht die Jagdverbote nicht sinnvoll, sondern sogar schädlich sind. Die Fuchspopulation werde sich vervielfältigen, so das oft wiederholte Credo von FSHCL-Präsident Georges Jacobs und Generalsekretär Hendrik Kühne. Dadurch steige unter anderem die Gefahr, dass sich Menschen mit dem gefährlichen Fuchsbandwurm infizieren. Jacobs sagte, der Fuchsbandwurm sei genauso gefährlich wie das Ebola-Virus. Laut Gira gibt es zwei Menschen in Luxemburg, die mit diesem Bandwurm infiziert sind.

Zudem seien, so die Jäger, die Bodenbrüter-Bestände in Gefahr sowie kleine Nutztiere. Der anwesende Wim Knol von der Königlichen Jagdvereinigung in den Niederlanden sagte, in seinem Land sei, als die Fuchsjagd eine Zeit lang verboten war, die Zahl der Bodenbrüter dramatisch gesunken. Daraufhin habe die Regierung die Fuchsjagd wieder erlaubt. Bei einer vervielfachten Fuchspopulation würden sich zudem Krankheiten wie die Fuchsräude verbreiten und die Nahrung nicht reichen, weshalb viele Füchse „qualvoll“ sterben würden. „Alle Tiere haben ein Recht auf ein artgerechtes Leben und Vermeidung von Leid“, so Jacobs. Deshalb müssten sie weiter geschossen werden.

Die Vertreter der Jäger: Ganz vorne sitzt Präsident Georges Jacobs, neben ihm Generalsekretär Hendrik Kühne.
Die Vertreter der Jäger: Ganz vorne sitzt Präsident Georges Jacobs, neben ihm Generalsekretär Hendrik Kühne.
Foto: Jan Söfjer

Camille Gira widerspricht allen Punkten

Staatssekretär Camille Gira, der als Gesicht der Jagdverbote gilt, widersprach allen Punkten. Vor allem aber, dass sich die Fuchspopulation ohne Jagd vervielfachen würde. Im Gegenteil. „Die ganze Argumentation beruht darauf, dass die Population der Füchse explodiert und das stimmt nicht“, so Gira. Füchse, und das ist auch die Meinung von Umweltschützern, würden ihre Nachwuchszahlen an die Umstände anpassen. Sterben viele Füchse, gibt es mehr Nachwuchs, als wenn die Population hoch ist.

„Niemand ist aufgestanden und hat gesagt: ,So, jetzt nerven wir mal die Jäger ein bisschen‘“, sagte Gira. Das Umweltministerium passe einfach Gesetze an das 21. Jahrhundert an. Es sei nicht die Frage gewesen, ob der Fuchs geschützt werden solle, sondern warum er weiter geschossen werden solle. Man brauche ihn nicht als Nahrung, und er sei keine akute Gefahr für Mensch und Natur. Das Umweltministerium habe sich intensiv mit der Thematik beschäftigt, mit vielen Experten und auch mit den Jägern gesprochen. Die Regierung sei ihnen dabei schon entgegengekommen. Ursprünglich sei geplant gewesen, nicht sechs, sondern acht Wochen Schonzeit im Frühjahr einzuführen. Und zwar nicht nur im Wald, sondern generell.

Gira: Habe Beamten nicht verboten, Petition zu unterzeichnen

Gira rückte auch noch einen Vorwurf gerade, wonach dieser Beamten verboten haben soll, sich an der Petition der Jäger zu beteiligen. Das behaupteten die Jäger. Die CSV-Abgeordnete Martine Hansen stellte diesbezüglich am Montag eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Dan Kersch und Staatssekretär Gira. Auch bei der Anhörung hakte Hansen nach.

Gira erklärte den Sachverhalt am Montag direkt. Er sagte, er habe nur empfohlen, dass Beamte die Petition nicht mit ihrer dienstlichen E-Mail-Adresse unterzeichnen, sondern mit ihrer privaten. Quasi als Zeichen ihrer Unabhängigkeit. Zudem verdeutlichte er den Kontext einer Aussage von ihm, die auch im „Luxemburger Wort“ zitiert wurde. Demnach sagte Gira bei der Jahrestagung beim Dachverband der Luxemburger Jagdsyndikate (FSCL): „Et ass alles gesot! Jiddereen huet seng Meenung, mä d'Regierung huet déi besser Argumenter op hirer Säit a léisst sech net ënner Drock setzen, ob eng Petitoun fënnef-, zing- oder fofzingdausend Ënnerschrëf-ten zielt.“ Gira sagte, er habe klarstellen wollen, dass eine Petition nicht dadurch schlagkräftiger werde, nur weil sie mehr Stimmen als nötig erhalte. Was zähle, seien Argumente.

Auch Petition von Jagdgegnern überreicht

Am Montagvormittag überreichten Alix Rassel von der Initiative „Luxembourg for Foxes“ und Lovis Kauertz vom „Wildtierschutz Deutschland“ eine Sammlung von 11 000 Unterschriften zur Unterstützung des Fuchsjagdverbotes. Die Petition gegen das Jagdverbot erreichte bislang 10 317 Unterzeichner.

--

Die Anwesenden

Anwesend waren fünf Vertreter der Jäger einschließlich ihres Präsidenten Georges Jacobs, 18 Abgeordnete, der Präsident der Abgeordnetenkammer, Mars Di Bartolomeo, sowie die Mitglieder der Umweltkommission, Henri Kox, Marco Schank und Staatssekretär im Infrastruktur- und Nachhaltigkeitsministerium, Camille Gira, der als Gesicht der Jagdverbote gilt. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Trophäenjagd in Afrika von Luxemburg aus
Die FSHCL hat den Auftrag, für die Regulation des Wildbestandes in unseren Wäldern und Feldern zu sorgen. Soweit die Theorie. Am Beispiel Fuchs erkennt man ihr wirkliches Anliegen, was die Jagd angeht, nämlich Töten.
Jagd J�ger
Der Kommentar: Fuchsjagd und kein Ende
Die vom Jagdverband FSHCL initiierte Petition gegen das von der Regierung beschlossene Jagdverbot hat die nötigen Stimmen erhalten. Doch viele ihrer Argumente gehen ins Leere.
Laut Schätzungen des Jagdverbandes leben 5 000 bis 10 000 Füchse in 
Luxemburg.
Füchse in Luxemburg: Die Angst der Jäger vor dem Fuchs
Der Jagdverband FSHCL hat eine Petition gegen das Fuchsjagdverbot initiiert. Die Jäger fürchten mehr Füchse und gefährliche Krankheiten. Doch schon beim Kampf gegen die Tollwut zeigte sich, dass dieser mit der Jagd nicht beizukommen war.
Füchse dürfen ab April in Luxemburg für ein Jahr lang nicht mehr gejagt werden.