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Streit in Schrassig: Häftlinge vor Gericht
Im April war es im Gefängnis mehrmals zu Unruhen gekommen.

Streit in Schrassig: Häftlinge vor Gericht

Foto: Gerry Huberty
Im April war es im Gefängnis mehrmals zu Unruhen gekommen.
Lokales 2 Min. 21.11.2018

Streit in Schrassig: Häftlinge vor Gericht

Ein Streit in der Haftanstalt in Schrassig endete vor Gericht: Zwei Häftlingen wird vorgeworfen, Gefängniswärter verletzt zu haben. Ihre Strafe könnte verlängert werden.

(SH) - Im April dieses Jahres war es in der Haftanstalt in Schrassig gleich mehrmals zu Auseinandersetzungen von Gefangenen und Wärtern gekommen. Zwei Häftlinge mussten sich nun vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, bei einer Auseinandersetzung am 13. April Gefängniswärter verletzt und bedroht zu haben.

„Als ich meinen Dienst antrat, wurde mir gesagt, dass am Vormittag rund 30 Liter Alkohol gefunden worden waren und die Stimmung deshalb nicht gut war“, erklärte ein Agent pénitentiaire im Zeugenstand. Bis 16 Uhr sei es allerdings ruhig gewesen. Dann habe ein Arbeitskollege ihm gesagt, dass einer der Häftlinge stark nach Alkohol rieche. Die Vorgesetzten befehlen, den Mann in seiner Zelle einzusperren. Der Wärter begibt sich deshalb gemeinsam mit seinem Kollegen erneut in die Abteilung, da er jedoch mit einer aggressiven Reaktion rechnet, lässt er Vorsicht walten. „Ich bat zwei weitere Beamte, diskret in der Treppe zu warten und Verstärkung zu rufen, wenn nötig“, so der Wärter. Die Verstärkung wird nötig sein, denn kaum sind die beiden Beamten bei dem Häftling angekommen, wird der Dienstälteste beschimpft und angegriffen. „Er packte mich am Arm und sagte mir, dass er mich 2003 mit meinem Sohn auf der Straße gesehen hätte.“ Eine Drohung, die der Wärter jedoch nicht ernst nimmt.


Centre Pénitentiaire, Schrassig,Gefängnis,Haftanstalt,Prison. Foto:Gerry Huberty
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Erst als die Verstärkung eintrifft, lässt der Häftling locker. Die Auseinandersetzung ist damit jedoch nicht beendet. Der Gefangene spuckt den Beamten an und schlägt jenem Agent pénitentiaire, der sich zwischen die beiden Männer gestellt hatte, mehrmals ins Gesicht. Ein weiterer Häftling springt diesem Mann auf den Rücken. Beide Wärter werden bei der Ausschreitung verletzt.

Körperverletzung und Beleidigung

Der Hauptangeklagte gab vor Gericht zu, an besagtem Tag Alkohol getrunken zu haben. Er gab auch zu, einen Wärter festgehalten und einen weiteren mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben – allerdings nur, um sich zu wehren – entlastete jedoch den Mitangeklagten. Dieser gab seinerseits an, er habe die Streitenden trennen wollen. Es tue ihm leid, dass seine Geste falsch interpretiert wurde.

Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft nach hat er sich dennoch der Körperverletzung schuldig gemacht. Da er jedoch keine bösen Absichten verfolgte, muss er mit einer sechsmonatigen Haftstrafe sowie mit einer angemessenen Geldbuße rechnen. Gegen seinen Komplizen, der den Beamten zusätzlich beschimpfte und beleidigte, forderte sie eine zwölfmonatige Haftstrafe sowie eine Geldbuße. Die Anwälte der Angeklagten sprachen sich unterdessen für Strafen aus, die die Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft – beide sitzen derzeit mehrjährige Freiheitsstrafen ab – nicht weiter in die Länge ziehen.

Die Richter geben ihr Urteil am 6. Dezember bekannt.

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