Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Straßenverkehr: Wie man bei Unfällen richtig hilft
Lokales 3 Min. 29.05.2015

Straßenverkehr: Wie man bei Unfällen richtig hilft

Jeder Ersthelfer muss bei einem Unfall zumindest den Notdienst rufen.

Straßenverkehr: Wie man bei Unfällen richtig hilft

Jeder Ersthelfer muss bei einem Unfall zumindest den Notdienst rufen.
Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 29.05.2015

Straßenverkehr: Wie man bei Unfällen richtig hilft

Im Schnitt gibt es fast drei Unfälle mit Verletzten oder Toten in Luxemburg pro Tag. Für Beteiligte ist ein Unfall genauso überraschend wie für Zeugen. Von einem Moment auf den anderen kommen sie in die Rolle des Helfers. Das kann schnell überfordern.

Von Jesse Keiffer

Ein Moment reicht und es ist passiert. Es kracht! Verkehrsunfälle passieren plötzlich und können überall geschehen. 908 Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder ums Leben kamen, gab es alleine 2014 in Luxemburg. Doch was sind die Rechte und Pflichten eines Unfallbeobachters? Was muss getan werden, wenn ein verunglücktes Fahrzeug am Straßenrand gesehen wird? Ist es Pflicht, Hilfe zu leisten und kann man wegen unterlassener Hilfe bestraft werden? Carine Merens, Erste Inspektorin bei der Polizei, gibt Antworten.

Was muss ein Helfer leisten, was nicht?

Der Beobachter eines Unfalls muss Hilfe leisten, wenn Personen sich in Gefahr befinden. Dazu gehört zumindest, telefonisch die Notdienste zu rufen. Zusätzlich sollte die Polizei verständigt werden. Im Prinzip muss nur Hilfe geleistet werden, welche der Helfer auch beherrscht. Trotzdem sollte man alles mögliche versuchen, auch, wenn man etwas nicht perfekt beherrscht. Zum Beispiel eine Herzdruckmassage, bei einem Verunglückten ohne Puls. Helfer, welche in guter Absicht gehandelt, aber etwas falsch gemacht haben, werden prinzipiell nicht haftbar gemacht.

Gibt es eine Strafe, wenn man nicht hilft?

Nach dem Strafgesetzbuch macht sich derjenige schuldig, wer ohne ernsthafte Gefahr für sich selbst oder andere, es absichtlich unterlässt, einer sich in großer Gefahr befindenden Person Beistand, bzw. Hilfe zu leisten. Es sei denn, er hat sich selbst von der Lage der Person überzeugt oder es ist ihm mitgeteilt worden, dass seine Hilfe nicht benötigt wird. Grundsätzlich gilt: Jeder, der sich ohne ernsthaften Grund weigert, einer in Gefahr befindenden Person Hilfe zu leisten, kann mit einer Gefängnis-strafe von bis zu acht Jahren rechnen und/oder einer Geldstrafe, je nach Ausmaß des Unfalls.

Befinden sich schon andere hilfsbereite Personen an der Unfallstelle, welche die nötigen Vorkehrungen treffen, ist man nach Versicherung der Lage nicht verpflichtet, am Unfallsort zu bleiben. Trotzdem ist es ratsam, die Polizei zu verständigen um die entsprechenden Informationen mitzuteilen, sei es aktuelle Unfall- oder Verkehrsinformationen oder Angaben zum Unfallhergang.

Was ist an der Unfallstelle zu beachten?

An der Unfallstelle hat das Absichern höchste Priorität. Das beginnt mit dem Einschalten der Warnblinkanlage, dem Anziehen einer Warnweste sowie dem Aufstellen des Warndreiecks. Dieses sollte bei Landstraßen zumindest 50 Meter vor der Unfallstelle am Straßenrand aufgestellt werden. Auf Autobahnen sollten es zumindest 100 Meter vor dem Unfallort sein. Alternativ kann mit einer Taschenlampe hin- und hergeschwenkt werden.

Insbesondere bei Autobahnunfällen kommen immer wieder Helfer zu Tode, weil sie von nachkommenden Fahrzeugen erfasst werden. Es muss unbedingt sichergestellt sein, dass nachfolgende Fahrzeuge die Unfallstelle früh genug erkennen, um bremsen bzw. anhalten zu können. Auf der Autobahn sollten Unfallfahrzeuge – sofern machbar – so schnell wie möglich auf den Pannenstreifen manövriert werden. Die Helfer halten ihre Fahrzeuge ebenfalls dort. Wenn alles machbare getan ist, gilt es, sich hinter die Leitplanke zu stellen. Nachkommende Autofahrer, die im Stau stehen, müssen dafür sorgen, dass die Rettungsgasse für Ambulanz und Polizei frei bleibt. 

Wie bereite ich mich für den Ernstfall vor?

Um im Ernstfall gut vorbereitet zu sein, ist es hilfreich sich ab und an zu überlegen, wie man bei einem Unfall vorgeht. Neben der ständigen Materialkontrolle (Zustand und Vollständigkeit) ist es auch sinnvoll, dessen Funktionsweise zu üben. Kann ich ein Warndreieck aufstellen? Passt mir die Warnweste? Wie sieht es mit dem Verfallsdatum des Verbandkastens aus? Wo befinden sich eventuell das Taschen- bzw. das Gurtmesser? Komme ich mit einem Nothammer, um im Notfall die Scheiben einzuschlagen, klar? Funktioniert die Taschenlampe noch, die im Auto herumliegt? Kann ich einen Feuerlöscher bedienen?

Ebenfalls ist es ratsam, einen Erste-Hilfe-Kurs zu belegen beziehungsweise alle paar Jahre einen Auffrischungskurs zu machen. Wer sich mit diesen Fragen vor dem Ernstfall beschäftigt hat, wird nicht unangenehm überrascht, wenn der Ernstfall gekommen ist.

---

Notrufe richtig absetzen: Beim Anruf des Notdienstes gilt es, ruhig zu bleiben, möglichst deutlich sprechen und folgende Angaben zu übermitteln: Name, genauer Unfallort, Zahl und Zustand der Verletzten, Anzahl und Art der Fahrzeuge.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Freie Fahrt für Helfer
Im Notfall zählt jede Sekunde. Deshalb soll Helfern der Zugang zum Einsatzort durch eine Rettungsgasse garantiert werden – in Luxemburg und in Ferienländern. Das Konzept ist jedoch noch nicht bei jedem Autofahrer angekommen.
30.6.Autobahn Contournement entre Croix de Gasperich et Croix de Cessange / Stau / Bouchon / Mobilite / Auto / Rettungsgasse für Ponts et Chaussees Foto:Guy Jallay