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Straßenfotografie im Brennpunkt: Beim Knipsen hart an der Grenze
Lokales 4 Min. 21.02.2015

Straßenfotografie im Brennpunkt: Beim Knipsen hart an der Grenze

Freude am Bild: Im August hatte „Télécran“ das Künstlerkollektiv „Street Photography Luxembourg“ auf einem ihrer Streifzüge begleitet.

Straßenfotografie im Brennpunkt: Beim Knipsen hart an der Grenze

Freude am Bild: Im August hatte „Télécran“ das Künstlerkollektiv „Street Photography Luxembourg“ auf einem ihrer Streifzüge begleitet.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 4 Min. 21.02.2015

Straßenfotografie im Brennpunkt: Beim Knipsen hart an der Grenze

„Street Photography“ ist angesagt. Doch die meisten Knipser sind sich nicht bewusst, dass sie sich bei ihrem Hobby hart an der Grenze der Legalität bewegen. Das Bildrecht ist in Luxemburg nämlich streng geregelt.

„Street Photography“ ist angesagt. Doch die meisten Knipser sind sich nicht bewusst, dass sie sich bei ihrem Hobby hart an der Grenze der Legalität bewegen. Das Bildrecht ist in Luxemburg nämlich streng geregelt.

Von Steve Remesch

Viele knipsen mit ihrem Handy durch die Gegend, andere wandeln mit einer teuren Leica durch die Stadt, und noch andere liegen stundenlang mit ihrem Teleobjektiv auf der Lauer. Es wird von „Street Photography“ gesprochen, das klingt modisch. Es sind Momentaufnahmen, auf offener Straße geschossene Fotos. Wer sich intensiver und dokumentarisch mit bestimmten Motiven befasst, spricht auch schon mal gerne von Milieustudien.

Vor allem soziale Netzwerke wie Instragram, Flickr, Facebook und Tumblr haben den „Street photography“-Anhängern die nötigen Kanäle geliefert, um die eigenen Aufnahmen rund um den (digitalen) Globus zeigen zu können. Hochauflösende Handylinsen und erschwingliche Kompaktkameras haben es möglich gemacht, dass auch ohne tief greifende Fotografiekenntnisse jedermann recht ordentliche Bilder schießen kann. Das Spiel mit dem Licht entwickelt sich dann aber für viele, die sich eigentlich für künstlerisch unbegabt hielten, zu einer richtigen Leidenschaft.

Lichtspiele im urbanen Umfeld

Auf den Fotos steht meistens der Stadtmensch im Mittelpunkt. Während manche Straßenfotografen sich Zeit nehmen, ihr Motiv anzusprechen, es kennenlernen wollen, um erst dann ein Foto zu machen, knipsen andere verdeckt. Auf Englisch nennt man das dann „Candid photography“.

Die meisten Straßenfotografen machen sich allerdings nur wenig Gedanken darüber, dass in Luxemburg das Recht am eigenen Bild sehr strikt ausgelegt ist. Gehandelt wird zumeist nach dem Prinzip, „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Sprich, wenn die Person nicht bemerkt, dass ich Aufnahmen von ihr mache und nicht weiß, dass ich die Bilder ins Internet stelle, stört sie sich nicht daran – und wenn doch, dann lösche ich das Bild eben.

Doch damit verstößt der Hobbyfotograf eindeutig gegen geltendes Recht. Das Gesetz vom 11. August 1982 zum Schutz der Privatsphäre sieht bei Verstößen Haftstrafen von bis zu einem Jahr und Geldstrafen bis 5 000 Euro vor. Außerdem kann der Bildautor auch zivilrechtlich belangt werden.

„Das Recht am eigenen Bild ist oberstes Gebot“, betont auch Jurist Thierry Lallemang, eines von drei Mitgliedern der Luxemburger Datenschutzkommission, der „Commission nationale pour la protection des données“ .

Fotografieren an öffentlichen Plätzen ist grundsätzlich erlaubt. „Das klassische Beispiel wäre der Tourist, der in der Stadt Erinnerungsfotos macht“, erklärt Thierry Lallemang. „Da muss ich schon akzeptieren, dass ich auf einem dieser Bilder zu sehen bin“. In diesem Zusammenhang spricht man von „implizitem Einverständnis“ für die Aufnahme.

„Wenn ein Fotograf mich aber gezielt anvisiert und nur mich knipst, dann ist das etwas ganz anderes“, betont das Kommissionsmitglied Lallemang. „Um solche Bilder zu machen, muss er mich im Vorfeld um Erlaubnis bitten“. Ob der Fotograf nun verdeckt knipst oder offensichtlich, macht keinen Unterschied.

Posieren ist kein Freischein

„Wenn ich damit einverstanden bin, fotografiert zu werden, dann bedeutet das nicht, dass ich einer Veröffentlichung zugestimmt habe“, unterstreicht Thierry Lallemang. Im Klartext: Selbst wenn ich für ein Foto posiert habe und damit mein Einverständnis für die Aufnahme gebe, ist das kein Freischein für den Fotografen. Erlaubt ist damit nur die häusliche und private Nutzung des Bildes.

„Wenn mein Bild im Internet veröffentlicht wird, ohne dass ich mein explizites Einverständnis gegeben habe, dann kann ich mich dagegen wehren“, bekräftigt Lallemang. Empfehlenswert ist es daher, Personen unkenntlich zu machen. Die abgebildeten Menschen sollten dann für Drittpersonen nicht mehr erkennbar sein.

Straßenfotografie ist reine Freude am Bild, die man gerne mit anderen teilt“, sagt LW-Cheffotograf Guy Wolff . „Bei einem wirklich schönen Foto sind die darauf abgebildeten Menschen eher daran interessiert, das Bild zu bekommen, als einen Prozess anzustrengen. Ich empfehle daher, die Person nach ihrer E-Mail-Adresse zu fragen, ihr das Bild zu senden und sich dann in der E-Mail darauf zu einigen, wo und wie das Bild veröffentlicht werden kann.

Von einer Veröffentlichung spricht man übrigens, sobald das Foto anderen Menschen zugänglich gemacht wird. Im Internet macht es daher auch keinen Unterschied, ob man nun zehn Facebook-Freunde hat oder 1 000.

Auch für Menschen in Uniform, etwa Polizisten oder Feuerwehrleute, gilt das Recht am eigenen Bild. Zwischen Polizei und Pressefotografen gibt es in den meisten Fällen ein „Gentlman's agreement“, das es Journalisten gestattet, Polizeibeamte in Ausübung ihrer Funktion abzulichten. Eine legale Basis gibt es allerdings dafür nicht. Das Presserecht sieht Sonderfälle vor.

Ein „Nein“ ist bindend

Bei öffentlichen Veranstaltungen, wie beispielsweise bei Konzerten, muss man sich damit abfinden, dass Fotografen Publikumsfotos schießen. Bei privaten Feiern ist das wiederum anders. „Wenn ich bei Freunden zu Besuch bin, und es werden Fotos gemacht und es ist für mich OK, weil ich ja in meinem Freundeskreis bin, dann bedeutet auch das noch lange nicht, dass ich einverstanden damit bin, dass mein Foto später auf Facebook auftaucht“, erläutert Thierry Lallemang.

Ein „Nein“ ist bindend. Kommt es zu einem Rechtsstreit nach Veröffentlichung, muss die Person, die das Bild verbreitet hat, belegen, dass ein Einverständnis vorliegt. Bei Minderjährigen ist die Zustimmung der Eltern zwingend notwendig.

„Wenn ich jemanden fotografiert habe, und derjenige macht mich dann darauf aufmerksam, dass er das nicht will, kann er mich allerdings nicht zwingen, das Bild zu löschen“, fährt Thierry Lallemang fort. Schließlich könne niemand dem Fotografen die Kamera abnehmen. Dafür müsse man schon die Polizei einschalten und Anzeige erstatten.

„Es wäre aber fair und korrekt, wenn man das Foto dem Fotografierten trotzdem zeigt und wenn dieser es wünscht, löschen würde“, meint Thierry Lallemang.

Die Jurisprudenz in diesem Zusammenhang stammt in den meisten Fällen aus dem Ausland. „In Luxemburg haben die Menschen nicht unbedingt den Reflex, einen Anwalt einzuschalten und ein Zivilverfahren anzustrengen“, so der Jurist Lallemang.


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